Erling Haaland schiebt zum zwischenzeitlichen 2:0 für den BVB ein. © dpa
Borussia Dortmund

BVB-Einzelkritik: Haaland ist eine Klasse für sich – Meunier überfordert

Beim Topspiel stehen die Torjäger im Mittelpunkt: BVB-Stürmer Haaland ist eine Klasse für sich, doch Lewandowski setzt noch einen drauf. Meunier ist überfordert. Die Einzelkritik.

Marwin Hitz: Dass er im Tor stand, ist mittlerweile keine Überraschung mehr. Sah von hinten, wie seine Vorderleute eine 2:0-Führung herausspielten, ahnte aber da wohl schon, dass die Reaktion der Bayern folgen würde. Beim 1:2 aus kurzer Distanz gegen Lewandowski ohne Chance, ebenso beim Elfmeter, der zum 2:2 führte. Den einzigen Torschuss auf seinen Kasten parierte er mit einer guten Fußabwehr gegen Coman (29.). Einen eher harmlosen Schuss von Kimmich ließ er nach vorne abprallen, dann im zweiten Versuch gegen Coman zur Stelle (47.). Die späten Einschläge überraschten ihn. Note: 3,0

Emre Can: Diesmal als rechtes Glied der Dreierkette gemeinsam mit Hummels für Lewandowskis Bewachung zuständig. Nicht immer sauber von hinten heraus und mit einem leichtsinnigen Dribbling im Strafraum, das fast in einem Ballverlust abrupt sein Ende gefunden hätte (20.). Danach aber sehr aufmerksam in der Antizipation, bekam das Zentrum mit Hummels bis in die Schlussphase weitgehend dicht. In der Crunchtime konnte er den Großbrand im Dortmunder Strafraum auch nicht mehr löschen. Vor dem 2:3 ließ er sich von Sane zu leicht abkochen. Es war die Aufregerszene des Spiels. „Da kann der Schiedsrichter ein Foul pfeifen, muss er aber nicht“, meinte Can nach dem 2:4. Note: 3,5

Mats Hummels: Vor dem 1:2 spielte er einen langen Ball in die Bayern-Kette, dann noch einen Schritt zu spät gegen Torschütze Lewandowski, wobei der Fehler außen bei Schulz passierte. Wichtig, dass er beim langen Ball von Kimmich auf Coman noch sein Bein dazwischen bekam (45.+2). In den direkten Zweikämpfen und in der Luft war er oft Sieger, sehr aufmerksam bei scharfen Bällen in seine Abwehrzone. In der Endphase halfen alle lautstarken Korrekturversuche nicht mehr. Note: 3,0

Dan-Axel Zagadou: Erstmals in der Bundesliga in der Startelf seit dem 5. Dezember (1:1 in Frankfurt). Ordentlich und aufmerksam, auch wenn er beim Ball in die Mitte zum 1:2 als Hilfe für Schulz zu spät kam und auch noch die Abseitsstellung von Lewandowski verhinderte, weil er sehr tief stand. Seine Coolness in den Zweikämpfen hat er während seiner langen Pause nicht eingebüßt. Nach 70 Minuten war die Kraft weg. Note: 3,0

Thomas Meunier: Musste sich nach überstandener Verletzung lange gedulden, ehe ihm Edin Terzic das Vertrauen schenkte. Bei Ballverlust bildete er das rechte Glied der Fünferkette, in Ballbesitz sollte er hoch stehen und mit anschieben. Gut sein Laufweg, der ihm nach Dahouds Pass freie Bahn aufs Tor ermöglichte. Auch die Flanke auf Haaland war möglich, doch die versiebte er sträflich – das muss auf diesem Niveau einfach besser klappen. Es wäre die Riesenchance zum 3:0 gewesen. Im Gegenzug kam Bayern zum 1:2. Mit Coman hatte er im Verlauf der Partie dann zunehmend Schwierigkeiten, technische Unsauberkeiten kennt man von ihm schon. Note: 5,0

Mahmoud Dahoud: Wenn man einen Lauf hat, gelingen eben auch die schwierigen Dinge. Bei beiden Toren von Haaland war er der Initiator, beim 2:0 mit der sehr schönen und öffnenden Seitenverlagerung auf Nico Schulz (9.). Dumm hingegen, wie er gegen Coman das Bein stehen ließ, als der aus dem Strafraum herausdribbelte – Elfmeter, 2:2 (43.). Nach der Pause nicht mehr so aktiv und präsent, es gelang ihm zunehmend weniger, das Dortmunder Spiel zu ordnen. Note: 3,5

Thomas Delaney: Wenn Kimmich und vor allem Goretzka durchs Zentrum beschleunigten, hatte er alle Hände voll zu tun. Stark seine Balleroberung vor dem 1:0 gegen Kimmich (2.) und sein Tackling gegen Thomas Müller (25.). Bei langen Bällen von hinten heraus fehlte ihm hingegen manchmal das richtige Timing (44.). Der Druck der Bayern durch die Mitte wurde nach der Pause immer größer, er musste viel laufen und war nach 70 Minuten mit den Kräften am Ende. Note: 3,5

Nico Schulz: Durch Guerreiros Fehlen erneut in der Startelf. Guter Laufweg, perfekte Weiterleitung in den Lauf von Hazard – die Entstehung des 2:0 ging auch auf seine Kappe. Nicht nur beim 1:2 (27.) aber in seinem Kerngeschäft mit großen Problemen gegen Leroy Sane. Das wurde nach der Pause zwar etwas besser, Entlastung nach vorn aber konnte er nicht mehr leisten. Vor dem 2:3 hätte er viel resoluter klären müssen. Note: 4,0

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Bundesliga, 24. Spieltag: FC Bayern München – BVB 4:2 (2:2)

Marco Reus: Ein diskretes Spiel von ihm, auch wenn er mit einigen guten Laufwegen Räume öffnete. Dann mal richtig zielstrebig Richtung Bayern-Tor unterwegs, Kimmich setzte aber wohl noch regelgerecht seinen Körper gegen den Dortmunder Kapitän ein – für Schiedsrichter Marco Fritz reichte das nicht für einen Elfmeter (48.). Vor allem in der Arbeit gegen den Ball gefordert, offensive Akzente lieferte er nicht. Nach 76 Minuten war der Arbeitstag vorbei. Note: 4,5

Thorgan Hazard: Behutsam führte ihn Terzic heran, in München reif für eine Startelfnominierung. Und mit dem guten Laufweg vor dem Pass von Schulz und dem überlegten Querpass auf Haaland führte er sich gut ins Spiel ein (9.). Danach etwas unauffälliger, weil es dem BVB nicht gelang, die Entlastungsangriffe sauber nach vorne zu spielen. Nach einer Stunde machte er Platz für Brandt. Note: 3,5

Erling Haaland: Zwei Mal zeigte er seine Torjägerqualitäten und legte im Generationenduell mit Robert Lewandowski früh vor (2./9.). Als Meunier die Flanke schlampig spielte und dem mitgelaufenen Haaland die Möglichkeit zum dritten Treffer leichtfertig raubte, hätte sich der Norweger am liebsten in den Rasen eingegraben. Zum Haare raufen! Schrecksekunde, als er nach einem harten Zweikampf liegen blieb und sich den Fuß hielt. Konnte zunächst weitermachen, musste dann aber doch runter (60.). Eine dicke Schwächung für den BVB. Note: 1,5

Steffen Tigges (60. für Haaland): Bekam als „Wandspieler“ nach Haalands Verletzung den Vorzug vor Moukoko. Bei allem Bemühen wirkte er glücklos und für die Intensität dieses Gipfels noch nicht bereit. Note: 4,0

Julian Brandt (60. für Hazard): Körperlich muss er einfach zulegen, wenn er in intensiven Duellen Akzente setzen will. Seine spielerischen Qualitäten kamen nicht zum Zug. Note: 4,5

Mateu Morey (70. für Zagadou), Jude Bellingham (70. für Delaney) und Reinier (76. für Reus) kamen spät ins Spiel und bleiben ohne Note.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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