Fünf Gegentore und doch bester BVB-Spieler beim 1:5 gegen Stuttgart: Torhüter Roman Bürki (M.). © Witters / imago
Borussia Dortmund

BVB-Einzelkritik: Kollektives Versagen gegen Stuttgart – nur Bürki überzeugt

Der BVB enttäuscht beim 1:5 gegen Stuttgart auf ganzer Linie. Die vermeintlichen Führungsspieler tauchen ab. Nur der Torhüter erreicht Normalform. Die Einzelkritik.

Roman Bürki: Beim Elfmeter zum 0:1 chancenlos, ansonsten allerdings der Grund, warum der BVB nicht schon zur Halbzeit wie ein geprügelter Hund vom Feld schlich. Mehrmals Retter in höchster Not im ersten Durchgang. In Hälfte zwei gab es dann nichts mehr zu retten. Fünf Gegentore, trotzdem mit Abstand bester Dortmunder. Das meint wohl alles, wie Lucien Favre es formulieren würde. Note: 2,5

Emre Can: Seine Grätsche, die zum Elfmeterpfiff führte, glich einer Schlittenfahrt in den Abgrund – wenig Aussicht auf ein erfolgreiches Ende. Sein Abschluss nach 34 Minuten aus der dritten Reihe war ein Sinnbild für die Dortmunder Ratlosigkeit, sein Fehlpass nach 36 Minuten ins Nirgendwo ebenfalls. Deutlich besser sein Laufweg in die Tiefe nach 20 Minuten, als er nach Sanchos Pass aber an Kobel hängenblieb. Bei seiner Auswechslung flog die Flasche. Das war nichts. Note: 5,0

Mats Hummels: Vor dem 0:1 ging er gegen Coulibaly ins Risiko. Wenn’s schiefgeht, sieht’s schlecht aus – und schafft jede Menge Raum für schnelle Angriffe des Gegners. Im Spiel nach vorne geriet sein langer Ball auf Reus etwas zu steil (41.), kurz vor der Pause kam er gegen Wamangituka nicht entscheidend in den Zweikampf (43.). Vor dem 1:2 spekulierte er falsch, allerdings war Guerreiros Ballverlust das deutlich größere Übel gewesen. Auch beim 1:3 und 1:4 bekam er keinen Zugriff. Hummels wirkte seit langer Zeit mal wieder überfordert. Note: 5,0

Manuel Akanji: Wurde rechtzeitig fit, wonach es unter der Woche eigentlich nicht ausgesehen hatte. Der Schweizer hatte seine liebe Mühe mit der flinken Stuttgarter Offensivabteilung. Kurz vor der Pause erst zu passiv gegen Coulibaly, dann blockte er Wamangitukas Abschluss allerdings in höchster Not. Im zweiten Durchgang hatte er dem VfB-Angriffswirbel wie die gesamte Dortmunder Mannschaft nichts mehr entgegenzusetzen. Note: 5,0

Mateu Morey: Die auffälligsten Szenen des Spaniers in Durchgang eins waren ein ambitionierter Rückpass auf Bürki und eine überflüssige Schwalbe im Mittelfeld. Nach der Pause hatte er den ersten Dortmunder Abschluss, doch sein Schuss blieb hängen (48.). Überfordert in der Rückwärtsbewegung, wirkungslos im Spiel nach vorne. Note: 5,0

Jude Bellingham: Der junge Engländer hatte große Probleme, ins Spiel zu finden. Gleich zu Beginn wurde er von Kempf im Zweikampf abgekocht, nach sechs Minuten leistete er sich ein unnötiges Foul, das Sosas Freistoßchance ermöglichte. Sein Doppelpass mit Guerreiro vor dem 1:2 war eine schlechte Idee, auch wenn die Hauptschuld klar dem Portugiesen zuzuweisen war. Schlimmer Fehlpass vor dem 1:4. Nach einer Stunde war sein Arbeitstag beendet – und dieses Mal war es für den 17-Jährigen eine schmerzhafte Lehrstunde. Note: 5,0

Axel Witsel: Der Belgier bekam zu keinem Zeitpunkt Zugriff – weder auf das Dortmunder Spiel noch auf seine Gegenspieler. Witsels Zweikampfführung war eine Farce. Als der BVB unterging, kam nichts vom vermeintlichen Führungsspieler. Keine Gegenwehr, kein Aufbäumen, keine Kommandos. Witsel ergab sich als einer der Ersten seinem Schicksal. Note: 5,5

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Raphael Guerreiro: Irgendwann in der ersten Hälfte hatte der Portugiese keine Lust mehr und machte einfach, was er wollte. Das wurde zunächst belohnt, weil Guerreiro einen traumhaften Pass aus dem Fuß schüttelte, der aus dem Nichts das 1:1 durch Reyna vorbereitete. Später wurde es bitter bestraft, weil er vor dem 1:2 tief in der eigenen Hälfte haarsträubend fahrlässig den Ball herschenkte. Ein bisschen mehr taktische Disziplin muss es dann schon sein, das gilt auch für Guerreiro. Note: 5,0

Jadon Sancho: Auch das Spiel gegen den VfB wurde nicht zum Knotenlöser für den hochbegabten Engländer. Sein Pass auf Can (20.) war gut, ansonsten klappte einmal mehr so gut wie nichts. Sanchos Dribblings blieben wirkungslos, die Torgefahr aus der Vorsaison ging ihm komplett ab. Die Leichtigkeit ist weg – und Sancho steckt knietief im Formtief fest. Note: 5,5

Giovanni Reyna: Sein Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 war zauberhaft. Ballannahme links, Abschluss rechts. Drin. Ansonsten gelang auch dem US-Amerikaner wenig, der dieses Mal nicht so clever und gut verteidigte, wie es von Lucien Favre für gewöhnlich gelobt wird. Note: 4,0

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Bundesliga, 11. Spieltag: BVB – VfB Stuttgart 1:5 (1:1)

Marco Reus: Dass der BVB-Kapitän kein Lautsprecher mehr wird, ist kein Geheimnis. Dass gegen Stuttgart so wenig Widerstand von Reus kam, war trotzdem besorgniserregend. Als Borussia Dortmund vom Aufsteiger hergespielt wurde, hätte man sich vor allem von den erfahrenen Spielern mehr Gegenwehr gewünscht – und dazu gehört eben in aller erster Linie auch Reus. Man wartete vergeblich auf ein Signal des Nationalspielers, und sah den VfB Stuttgart weiter zaubern. Note: 5,5

Reinier: Der Brasilianer kam und sollte für neuen Schwung in der Offensive sorgen, dann fiel das 1:3 und der BVB zerfiel in seine Einzelteile. Ein undankbareres Comeback kann es für einen Spieler, der nicht vor Selbstvertrauen strotzen kann, nicht geben. Die Leihgabe von Real Madrid konnte einem fast leidtun. Note: 4,5

Nico Schulz (64.), Julian Brandt, Dan-Axel Zagadou und Youssoufa Moukoko (alle 86.) kamen spät ins Spiel und bleiben ohne Note.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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