Heute braucht der BVB mal wieder einen „magischen Abend“ im Signal Iduna Park. So einen wie im April 2013. Das Spiel gegen Malaga ist allen in Erinnerung, vor allem die letzten 69 Sekunden.

Dortmund

, 05.03.2019, 15:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sechs starke Männer waren nötig, um ihn zu Boden zu bringen, und hätte er sich ernsthaft dagegen gewehrt, hätte Felipe Santana die Mitspieler in dieser Sekunde wohl auch noch abgeschüttelt. Voller Adrenalin nach einem Tor, mit dem der Brasilianer Borussia Dortmund ins Halbfinale der Champions League schoss, mit dem er sich selbst untrennbar mit diesem Klub verband und mit dem er in allen Archiven einen Ehrenplatz erhielt.

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Die Gefühle ließen sich gar nicht beschreiben in diesen Minuten des späten 9. April 2013. Auf jeden Fall mussten sie alle raus. Da unten auf dem Rasen, wo Mario Götze mit weit ausgestreckten Armen Richtung Südtribüne jubelte, wo der sonst so ruhige Lukasz Piszczek seine ganzen Emotionen rausließ – und natürlich Santana, der mit weit aufgerissenem Mund nach seinem Last-Minute-Tor einmal die ganze Südtribüne entlanglief und gar nicht fassen konnte, was ihm da gerade gelungen war. Aber auch auf den Tribünen, wo sich wildfremde Menschen in den Armen lagen. Mit glänzenden Augen.

Felipe Santana hat das 3:2 erzielt, es war der Höhepunkt einer unglaublichen Aufholjagd im Viertelfinale gegen Malaga.

Felipe Santana hat das 3:2 erzielt, es war der Höhepunkt einer unglaublichen Aufholjagd im Viertelfinale gegen Malaga. © imago

Santanas Tor brachte das Fass der gewaltigen Emotionen, gefüllt mit Adrenalin pur, zum Überlaufen. 69 Sekunden dauerte es nur, aus einem 1:2, das das Aus im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Malaga bedeutet hätte, ein 3:2 zu machen.

Erst trifft Maro Reus, dann Felipe Santana

Marco Reus traf in der ersten Minute der Nachspielzeit, dann kam ein letzter Ball in den Strafraum der Spanier. Über Julian Schieber landete er irgendwie vor Santanas Füßen. „Ich dachte nur, der gehört jetzt dir. Und der muss unbedingt rein!“ Dass er bei seinem Treffer klar im Abseits stand – egal. Schließlich hatte ja Malaga das 2:1 auch aus einer Abseitsposition erzielt. Ausgleichende Gerechtigkeit also...

Das Glück hatte Trainer Jürgen Klopp, der Erfinder des überfallartigen Konterspiels und Begründer des modernen BVB-Fußballs, mit einer ganz alten Masche regelrecht erzwungen. Als Malaga in der 82. Minute durch Eliseu in Führung ging und große Schockstarre herrschte auf dem Rasen, brachte er seinen zuvor angeschlagenen Innenverteidiger Mats Hummels, stellte ihn zur Absicherung hinten rein und beorderte Santana in die Sturmspitze. Fortan ging es nur noch „lang und hoch“. Mit Erfolg.

Als „Wunder von Dortmund“ ein Platz in den Vereinschroniken

Borussia Dortmund befand sich nach diesem denkwürdigen Abend auf dem Höhepunkt der eigenen Blüte, die mit der Renaissance unter Klopps Führung fünf Jahre zuvor begonnen hatte. Zwei Meisterschaften hatte der BVB in den beiden Vorjahren gefeiert, doch dieses Erlebnis, das „Wunder von Dortmund“, bekam in den Vereinschroniken einen ganz besonderen Platz.

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Viele Spieler, die Klopp geformt hatte, befanden sich auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenszeit. Ilkay Gündogan spielte berauschenden Fußball, Robert Lewandowski, der dann im späteren Halbfinale beim 4:1 gegen Real Madrid gleich für den nächsten speziellen Abend im Dortmunder Stadion sorgte, hatte sich zu einem von Europas besten Mittelstürmern entwickelt. An ihrer Seite junge und willige Profis mit Stallgeruch: Mario Götze, der unter Förderer Klopp zu einem der begehrtesten deutschen Nachwuchsspieler heranreifte, Marco Reus, den die Borussia aus Gladbach zurückgeholt hatte.

Viele Spieler mit ganz besonderen Leistungen

Und hinten das Bollwerk: Mats Hummels und Neven Subotic vor Torhüter Roman Weidenfeller, der sich in dieser Champions-League-Saison zu ganz besonderen Leistungen pushte. Es war im wahrsten Wortsinn eine Mannschaft, die sich da im Angesicht des Scheiterns zu einer unfassbaren Energieleistung getrieben hatte.

Die Startelf beim Spiel gegen Malaga, eingewechselt wurden Jakub Blasszczykowski, Nuri Sahin und Mats Hummels.

Die Startelf beim Spiel gegen Malaga, eingewechselt wurden Jakub Blasszczykowski, Nuri Sahin und Mats Hummels. © imago

Bis heute kann jeder Fan die genaue Chronologie nacherzählen. Mit glänzenden Augen, denn solche Momente erlebt man nicht oft. Spontan lockerte der BVB an diesem Dienstagabend sämtliche Verhaltensregeln. „Heute“, erklärte Sportdirektor Michael Zorc nach dem Spiel, „wird nichts reglementiert. Heute darf man einfach auch mal feiern.“ Das passierte dann in der „Marlene Bar“ am Dortmunder U auch ausgiebig.

Ein Moment als Treibstoff zu weiteren Großtaten

Der Triumph gegen Malaga war für den BVB der Treibstoff zu weiteren Großtaten in diesem Wettbewerb. Das 4:1 im Halbfinal-Hinspiel gegen die „Königlichen“ aus Madrid mit vier Lewandowski-Toren gilt bis heute als Lehrbeispiel für modernes Spiel mit gnadenloser Effizienz. Dann der große Kampf im Rückspiel, als sich Dortmund mit dem 0:2 im Estadio Bernabeu ins Ziel Wembley rettete. Erst dort, am Schauplatz des großen Finales, endete gegen die Bayern der Lauf.

Längst war da ein Automatismus in Gang gesetzt, der der Borussia in den Folgejahren schwer zu schaffen machte. Götze folgte nach der Saison dem Lockruf der Bayern, Lewandowski war nur durch das Veto des Klubs zu halten, ging aber ein Jahr später ablösefrei. Auch Mats Hummels spielt seit einigen Jahren in Rot, Gündogan ging 2016 zu Manchester City. Weitere Abgänge folgten.

Der Geist in dieser Mannschaft war einmalig. Und besondere Momente lassen sich nicht beliebig oft wiederholen. Heute allerdings wäre ein ganz guter Tag für das nächste „Wunder von Dortmund“.

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