Jadon Sancho erzielte gegen Wolfsburg sein erstes Bundesliga-Saisontor. © imago / Witters
Borussia Dortmund

BVB-Erleichterung: Sancho wirft Ballast ab – und muss sich nun beweisen

Jadon Sancho meldet sich nach zähen BVB-Wochen mit einem Tor und einer Vorlage zurück. Spieler und Verein sind erleichtert - doch der Auftritt gegen Wolfsburg kann nur ein Anfang gewesen sein.

Dieser Moment der großen Erleichterung sorgte für einen Jubelsprung, der Jadon Sancho vielleicht sogar einen erfolgreichen Dunking auf einen Basketball-Korb ermöglicht hätte. Im Gesicht des 20-Jährigen war ablesbar, wie groß der Ballast war, der in dieser Sekunde abfiel.

Erstes Bundesliga-Tor im 14. Saisonspiel, 13 Partien zuvor ohne einen Sancho-Treffer, das war eine Statistik, die nicht nur ihm selbst auf den Magen geschlagen war. Sancho, der mit seinen Dribblings schier Unmögliches erreichen konnte, hatte sich in vielen Spielen über den Platz gequält. Auf der Suche nach Leichtigkeit und Inspiration, nach Freude und Unbeschwertheit. Und es dauerte auch am Sonntag bis zur Nachspielzeit der ersten Heimpartie des Jahres, bis der Knoten endlich platzte.

Sancho und Brandt – in ihrer Formkrise BVB-Brüder im Geiste

Sancho hatte sich den Treffer mit harter Arbeit verdient. Im imaginären Rucksack steckte schließlich auch noch die Szene aus der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als ihm der Ball nach einem Schuss von Erling Haaland und einer Abwehr von Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels direkt vor die Füße fiel. Einfach nur ins Tor hätte er ihn schießen müssen, doch wenn die Leichtigkeit fehlt, wird auch so ein Ball zu einer komplizierten Aktion. Die Parallele zu einer fast gleichartigen Szene beim Pokalspiel in Braunschweig mit Julian Brandt war frappierend. Sancho und Brandt – in ihrer Formkrise Brüder im Geiste. Und irgendwie überraschte es daher nicht, dass Sancho wie Brandt vor Weihnachten den Ball nicht im Tor unterbringen konnte.

Über die Gründe für Sanchos Leistungsdelle war viel spekuliert worden. Einen Zusammenhang mit dem geplatzten Wechsel zu Manchester United im Sommer zu vermuten, das lag auf der Hand. Der Spieler selbst hat dies in einem Interview in seiner Heimat England verneint. Vielleicht, mutmaßte aber auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke jetzt in einem Interview mit dem „Kicker“, „hat er sich unterbewusst auf einen Wechsel eingestellt. Zumindest hat er sich so viele Gedanken gemacht, dass er seine Leichtigkeit verloren hat.“

BVB-Dribbler Jadon Sancho sucht die „Magie in seinem Spiel“

Nun wird dieser eine Erfolg mit dem Treffer in der zweiten Minute der Nachspielzeit wohl kaum dazu führen, dass die Krise gleich komplett überwunden und die verloren gegangene „Magie in seinem Spiel“ (Trainer Edin Terzic) direkt wieder erkennbar ist. Aber das Tor dürfte einigen Druck abfallen lassen von Jadon Sancho, es wird ihm sicher helfen, künftig wieder mehr von dem zu zeigen, was ihn zu einem speziellen Spieler seiner Altersklasse gemacht hat. „Das Tor“, meinte auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc am Montag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten, „sollte ihm Rückenwind geben. Deshalb habe ich mich für ihn besonders gefreut.“ Sancho habe nicht nachgelassen nach seiner vergebenen Großchance, lobt Zorc, „er hat sich den Treffer dadurch am Ende auch erarbeitet.“

Borussia Dortmunds Abhängigkeit von einem in Form befindlichen Jadon Sancho ist durch seine Werte aus der vergangenen Saison belegt. Da hat Sancho wettbewerbsübergreifend 20 Treffer erzielt und weitere 20 direkt vorbereitet. An 40 der 102 Pflichtspieltore der Borussia war er direkt beteiligt. Wurde in den vergangenen Tagen viel über den großen Einfluss von Erling Haaland auf das Spiel der Borussia gesprochen und geschrieben, zeugt eine weitere Statistik auch von der Bedeutung Sanchos für den BVB. Die Formel lautet: Trifft der Engländer in der Bundesliga, verliert Dortmund nicht. In bislang 26 Bundesliga-Partien des Engländers mit einem eigenen Treffer siegte Dortmund 21 Mal. Fünf Partien endeten remis. „Dass das so ist, wusste ich nicht“, gab Zorc mit einem Schmunzeln zu. „Am liebsten ist es mir ohnehin, wenn beide treffen.“

Jadon Sancho muss sich in den kommenden BVB-Wochen beweisen

Sanchos Tor, eingeleitet mit einem Klasse-Pass des eingewechselten Emre Can, bescherte dem jungen Engländer ein Erfolgserlebnis nach zuvor 25 Saison-Torschüssen ohne anschließenden Jubel. Durch seine Ecke beim 1:0 war er auch am ersten BVB-Tor des Tages beteiligt. Es war also endlich mal wieder ein runder Nachmittag für den 20-Jährigen. Sein 31. Bundesliga-Tor für die Borussia darf aber nur der Auftakt zu mehr gewesen sein.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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