Für Edin Terzic beginnt das BVB-Abenteuer am Dienstag in Bremen. © dpa
Borussia Dortmund

BVB-Fan an der Seitenline: Terzic startet das Abenteuer Borussia Dortmund

Für Edin Terzic beginnt das Abenteuer Borussia Dortmund am Dienstag in Bremen. Ein BVB-Fan an der Seitenlinie, das ist lange her. Was kitschig klingt, ist jedoch eine Geschichte mit Substanz.

Edin Terzic spricht in diesem besonderen Moment nicht davon, demütig sein zu müssen, er ist es einfach. Allein das ist schon nicht selbstverständlich unter der großen Glocke des Profifußballs. Terzic redet auffällig oft von dürfen, wenn es um seine neue Aufgabe bei Borussia Dortmund geht, er bedankt sich zunächst für die Zusammenarbeit mit Lucien Favre und Manfred Stefes, die jetzt nicht mehr da sind, und er übernimmt auch Verantwortung für die 1:5-Niederlage des BVB gegen den VfB Stuttgart, die ja erst dazu geführt hat, dass Favre und Stefes nun so plötzlich weg sind. Er trage als Teil des Teams eine Mitschuld daran, sagt der 38-Jährige, der seit Sonntagmittag Cheftrainer des BVB ist.

Er habe es nie gewagt, auch nur davon zu träumen, „irgendwann in so einer Position in diesem Verein arbeiten zu dürfen“, erklärt Terzic auf seiner ersten Pressekonferenz als leitender Angestellter. Es sei eine „unglaubliche Situation“. Er sei um die Ecke aufgewachsen und im Alter von neun Jahren zum ersten Mal im Westfalenstadion gewesen, sagt der gebürtige Mendener. „Danach war klar, für wen das Herz schlägt.“

Edin Terzic: „Ich bin ein Produkt von Borussia Dortmund“

Ein BVB-Fan an der Seitenlinie, das ist lange her. Und es klingt fast schon gefährlich nach der Geschichte des Jungen, der damals schon in Vereins-Bettwäsche schlief und jetzt für seinen Herzensklub auflaufen darf, die bei Spielertransfers zu gerne erzählt wird. Doch bei Terzic steckt mehr dahinter, diese Geschichte hat Substanz. „Ich bin ein Produkt von Borussia Dortmund“, sagt Terzic.

2010 begann der Weg des Sportwissenschaftlers beim BVB. Seine ersten Schritte im Verein ging er als Scout und Trainer bei den Junioren an der Seite von Hannes Wolf. Und als er 2013 gerade das erste Mal hauptverantwortlich eine Dortmunder Jugendmannschaft, die U16, übernommen hatte, verließ er den Verein plötzlich. Slaven Bilic hatte angeklopft, Terzic bekam die Stelle des Co-Trainers bei Besiktas Istanbul angeboten und sagte zu.

BVB-Trainer Terzic sammelt fünf Jahre lang Erfahrungen im Ausland

Michael Zorc erinnert sich noch gut daran, wie Terzic damals zu ihm kam und um die Freigabe bat. „Es ist dir sichtlich schwer gefallen“, sagt der Dortmunder Sportdirektor am Montag, als er über seinen neuen Trainer spricht, der fortan und zunächst bis zum Saisonende dafür sorgen soll, dass aus einer wieder mal launischen BVB-Saison noch eine launige wird.

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Fünf Jahre lang sammelt Terzic Erfahrungen im Ausland, erst in Istanbul und später bei West Ham United in der englischen Premier League. Als Trainer erwirbt er die UEFA Pro Lizenz, die ihm auch das hauptverantwortliche Arbeiten in den höchsten Spielklassen erlaubt. 2018, nach fünf Jahren „Fernbeziehung zum BVB“, wie Terzic es nennt, holt Zorc ihn zurück nach Dortmund und installiert ihn als Co-Trainer neben Favre und Stefes.

Terzic steht mit dem BVB direkt vor seiner ersten Bewährungsprobe

„Du hast im Ausland viel Erfahrung sammeln können“, sagt Zorc in Terzics Richtung. „Wir haben dich zurückgeholt zum BVB, weil wir Dich als ausgewiesenen Fachmann kennengelernt haben und auch als positiven Typen, der ein gutes Gespür im Umgang mit den Spielern hat und auch die nötige Emotionalität mitbringt, die es bei Borussia Dortmund auch immer braucht.“

Das kann, wer möchte, als Spitze in Richtung Favre verstanden werden, genau wie Zorcs Aussage, dass die Mannschaft „eine neue Ansprache und einen neuen Input“ brauche. Vor allem aber ist es ein Lob für Terzic, der schon am Dienstagabend bei Werder Bremen (20.30 Uhr) vor seiner ersten Bewährungsprobe als Cheftrainer steht. Er habe am Sonntag erst zur Mannschaft und dann ausführlich mit ihr gesprochen, sagt er. „Mir ist wichtig, dass die Jungs selbst aussprechen, was sie denken, woran wir arbeiten müssen.“

In Bremen beginnt für Edin Terzic das BVB-Abenteuer

Die Mannschaft habe darauf sehr offen reagiert, erzählt Terzic, der von seinem Team in Bremen zunächst einmal „eine Reaktion“ auf die Niederlage gegen Stuttgart erwartet. Er könne sich nun freilich hinstellen und „die Jungs mit Inhalten zuwerfen“, aber darum gehe es gerade nicht. „Wir müssen uns an die vielen guten Dinge erinnern, die wir schon gezeigt haben und die noch gar nicht so lange her sind.“ Er fordere von seiner Mannschaft Mut und Glaube, auch den Willen, sich zu wehren sowie sich jeden Tag daran zu erinnern, dass es im Fußball immer auch darum geht, „zu kämpfen und zu arbeiten“.

Das klingt nach Tugenden, die in der jüngsten Vergangenheit in Dortmund zu oft vermisst wurden. In Bremen beginnt das Abenteuer. Vielleicht wird es ein schönes Spiel. Terzic sagt: „Es gibt zwei Arten, wie man ein Fußballspiel gewinnen kann. Entweder man kassiert ein Tor weniger als der Gegner oder man schießt eins mehr. Ich bin eher dafür, dass wir bereit sind, ein Tor mehr zu erzielen als die andere Mannschaft.“

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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