BVB gegen Mainz: Als die Fans aus Respekt 45 Minuten lang schwiegen

Zeitspiel

Manchmal ist Fußball unwichtig. Als im März 2016 ein Fan während des Spiels zwischen dem BVB und Mainz 05 auf der Tribüne im Signal Iduna Park zusammenbrach und starb, schwieg das Stadion.

Dortmund

, 15.01.2021, 13:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gemeinsames Gedenken: Nach dem 2:0-Sieg gegen Mainz am 26. Spieltag der Saison 15/16 standen die BVB-Profis vor der Südtribüne. Die Fans sangen für einen Anhänger, der während des Spiels auf der Tribüne gestorben war, "You'll never walk alone".

Gemeinsames Gedenken: Nach dem 2:0-Sieg gegen Mainz am 26. Spieltag der Saison 15/16 standen die BVB-Profis vor der Südtribüne. Die Fans sangen für einen Anhänger, der während des Spiels auf der Tribüne gestorben war, "You'll never walk alone". © picture alliance / dpa

Stille ist im Stadion mittlerweile zu einer traurigen Normalität geworden. Sie offenbart, dass dem Fußball ohne Fans, ohne den Trubel auf der Tribüne etwas fehlt. Ein Fußballstadion ist an Spieltagen eigentlich kein Ort der Stille. Wenn ein Stadion zur Ruhe kam, war das vor Corona der Ausnahmefall. In der Stille lag früher etwas Bedeutungsvolles.

BVB gegen Mainz: Ein ganzes Stadion schweigt

Das war so bei geplanten Schweigeminuten, wenn es ruhig im Stadion wurde, um einem verstorbenen Menschen oder einer Tragödie zu gedenken. Noch wirkungsvoller, noch besonderer wird die Stille aber, wenn sich über 80.000 Menschen spontan dazu entschließen, zu schweigen. Wie am 13. März 2016.

Der BVB spielte am 26. Spieltag der Saison 15/16 - wie an diesem Samstag (15.30 Uhr, live bei Sky) - zu Hause gegen den FSV Mainz 05, als während des Spiels auf den Rängen eine Nachricht die Runde machte. Zwei Fans waren im Stadion zusammengebrochen und mussten reanimiert werden. Einer von beiden, ein 80-Jähriger, verstarb während der Partie. Das BVB-Fanzine schwatzgelb.de twitterte kurz nach der Halbzeitpause: „Liebe BVB-Fans. Aus Respekt vor dem während des Spiels verstorbenen Borussen verzichtet das Westfalenstadion auf Support. Danke!“

Die BVB-Fans auf der Südtribüne reagierten auf den Tod des BVB-Anhängers, stellten ihre Gesänge ein und rollten ihre Fahnen zusammen. Die Mainzer Fans zeigten sich solidarisch und taten es ihnen gleich. Aus den Anfeuerungsrufen wurde ein bedächtiges Gemurmel. Teilweise auch ein verwundertes. Längst nicht jeder Fan hatte mitbekommen, was passiert war.

BVB-Spieler irritiert über die andächtige Stimmung im Stadion

Die Spieler auf dem Rasen auch nicht. Erst nach dem Spiel informierte Stadionsprecher Norbert Dickel das gesamte Stadion über das traurige Ereignis. „Am Anfang war ich irritiert, weil ich nicht wusste, was los ist. Im Nachhinein muss ich sagen: großes Kompliment an alle im Stadion für die Reaktion. Das ist natürlich sehr tragisch“, sagte Marco Reus.

Und BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball meinte, dass er so etwas noch nie erlebt habe. „Ich kann allen Fans, die das hier demonstriert haben, nur ein tolles Kompliment machen“. Er ziehe auch den Hut vor den Mainzern, die sich ausnahmslos in die Reihe der Trauernden eingeschlossen und den verbalen Support eingestellt hätten, lobte er die Reaktion des 05er-Anhangs. „Diese Bilder kann man durch Worte nicht toppen. Das nötigt mir einen unfassbaren Respekt ab.“

Reus und Kagawa erzielen die BVB-Tore gegen Mainz

Das Spiel an sich war angesichts eines menschlichen Schicksals in den Hintergrund getreten. Der BVB war in der 30. Minute durch ein Tor von Marco Reus in Führung gegangen. Shinji Kagawa hatte in der 73. Minute auf 2:0 erhöht. Großer Jubel brannte beim zweiten Tor nicht mehr auf. Laut wurde es im Signal Iduna Park erst in den letzten Minuten des Spiels, als beide Fanlager gemeinsam „You‘ll never walk alone“ für den verstorbenen Fan sangen. Und damit für noch mehr Gänsehaut sorgten, als Stille sie je erzeugen kann.

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