BVB gegen Schalke: Kaum Emotionen, kaum Fans, kaum Rivalität - ein Trauerspiel

mlzMeinung

Selten war ein Revierderby so einseitig, selten so arm an Emotionen: Die drei Punkte tun dem BVB gut, die leeren Ränge der Fußball-Seele weh. Jürgen Koers kommentiert.

Dortmund

, 25.10.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Selten war ein Derby weniger brisant. Auf und neben dem Platz. Selbst in seiner sportlichen Einseitigkeit hatte das ungleiche Duell zwischen BVB und S04 Seltenheitswert. 75 Prozent Ballbesitz für den BVB, 62 Prozent Zweikampfquote, 18:3 Torschüsse - Schalke war schlicht chancenlos. Oder besser gesagt: Dortmund dominierte nach Belieben. Da blieb kaum Raum für Emotionen.

Wie unruhig die Borussen nach dem 1:3 in Rom geworden waren, verrieten sie nach der Partie nicht. Doch den Jubel vor den 300 Fans, die auf der Haupttribüne die Derbyhelden feiern durften, genossen die Schwarzgelben. Der Sieg, eindeutig und hochverdient, tat richtig gut vier Tage nach dem Aussetzer in Rom.

Mit dem Derbysieg ist der erste Schritt zur Wiedergutmachung erledigt. „Das war eine gute Reaktion der Mannschaft nach dem Spiel am Dienstag. Gute Arbeit in Defensive und Offensive“, sagte Sportdirektor Michael Zorc und wollte, ganz Ur-Borusse, den Erfolg nicht schmälern: „Es ist und bleibt ein Derbysieg.“ Kurz wurden die Gelsenkirchener von den Rängen als „Absteiger, Absteiger“ abgestempelt. Mehr Rivalität war nicht.

BVB-Fans verpassen zwei Derbysiege in Serie

Die Feier in der Dortmunder Umkleidekabine musste auch ausfallen, so wie die Corona-Pandemie die BVB-Fans inzwischen um zwei Derbysiege mit 7:0 Toren betrogen hat. Nach 11.000 Zuschauern gegen Freiburg fühlten sich 300 Menschen auf den Tribünen wieder nach Geisterspiel an. Covid-19 hat die Stadt, das Land und damit natürlich auch den Sport wieder im Klammergriff. Ein Trauerspiel.

„Wenn man zweimal wieder Fans im Stadion hatte, will man das gar nicht wieder hergeben“, sagte Julian Brandt, selbst ernannter Spaßkicker: „Ich hoffe, dass die Beschränkungen so schnell wie möglich wieder geändert werden können.“ Doch so lange die Partien ausgetragen werden können, um die Liga am Leben zu halten, wird der Ball rollen. Doch ohne Fans ist Fußball nicht die Hälfte wert. Erst recht im Derby.

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