BVB gegen Schalke: Vor 50 Jahren stiegen die zwei tierischsten Revierderbys aller Zeiten

Zeitspiel

Der BVB und Schalke haben bislang 153 Pflicht-Duelle bestritten. Zwei der legendärsten Derbys stiegen vor 50 Jahren. In den Hauptrollen: ein Hund, vier Löwen - und ein Hinterteil. Unser Zeitspiel.

Dortmund

, 26.04.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB gegen Schalke: Vor 50 Jahren stiegen die zwei tierischsten Revierderbys aller Zeiten

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Es ist die Mutter aller Derbys in Deutschland: Am Samstag (15.30 Uhr) empfängt Borussia Dortmund den FC Schalke 04 zum 94. Revierderby der Bundesliga-Geschichte. Und so manches der vergangenen Duelle darf getrost in die Kategorie „denkwürdig“ eingeordnet werden.

„4:4-Niederlage“, Lehmanns Tor und die versaute Meisterschaft

Die legendäre „4:4-Niederlage“ im November 2017, als der BVB einen Vier-Tore-Vorsprung verspielte. Das Derby 1997, als Jens Lehmann im Schalker Trikot beim 2:2 der erste Bundesliga-Treffer eines Torwarts gelang. Und natürlich das Derby 2007, als der BVB dem Nachbarn am vorletzten Spieltag mit einem 2:0-Sieg die Meisterschaft versaute. Zu gerne würden die königsblauen Anhänger jetzt Rache nehmen, wo die Vorzeichen in dieser Saison doch genau anders herum stehen.

„Du bist für immer der mit dem Hund.“
Timo Konietzka

Doch lässt man einmal das sportliche Geschehen außen vor, sind die beiden Revierderbys der Bundesliga-Saison 1969/70 an Kuriosität kaum zu überbieten. „Ich werde für immer der mit dem ersten Bundesliga-Tor sein. Und du bist für immer der mit dem Hund“, soll Timo Konietzka einmal zu Friedel Rausch gesagt haben. Und es gibt wohl keinen Fußball-Fan, der die folgende Geschichte, die sich 2019 zum 50. Mal jährt, vergisst, nachdem er sie einmal gehört hat.

Zuschauer saßen an der Seitenlinie

Wir schreiben den 6. September 1969. Borussia Dortmund empfängt den FC Schalke 04 am 4. Spieltag in der heimischen Kampfbahn Rote Erde. Das Stadion ist zum Bersten voll. 39.200 Zuschauer sind gekommen, um das Duell der beiden Reviernachbarn zu sehen. Die Menschen sind dicht an dicht gedrängelt, sitzen quasi an der Seitenlinie. Absperrungen gab es damals in Dortmund nicht. Nur Ordner - mit Schäferhunden.

Beim Derby im Septmeber 1969 war die Kampfbahn Rote Erde in Dortmund zum Bersten voll.

Beim Derby im Septmeber 1969 war die Kampfbahn Rote Erde in Dortmund zum Bersten voll. © imago

In der 37. Minute passiert es. Hans Pirkner bringt die Gäste mit 1:0 in Führung. Unter den Schalker Anhängern gibt es kein Halten mehr. Sie springen auf, feiern das Tor - und manch übermütiger Fan stürmt vor Freude auf den Rasen. Die Ordner wissen sich im Chaos nicht anders zu helfen. Sie lassen die Hunde los. Dumm nur: Die Tiere machen keinen Unterschied zwischen Fans und Spielern.

“Zwei Nächte konnt ich nur auf dem Bauch schlafen“

Und so kommt es, dass zwei Schalker Spieler Bekanntschaft mit dem fünfjährigen Rüden Rex machen. Gerd Neuser wird in den Oberschenkel gebissen, seinen Teamkollegen Friedel Rausch erwischt Rex am Allerwertesten. „Zwei Nächte konnte ich nur auf dem Bauch schlafen. Die Narbe am Po ist ein Andenken für immer“, erinnerte sich Rausch noch Jahre später an den wohl schmerzhaftesten Moment seiner Profi-Karriere.

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Doch Rausch ist damals ebenfalls ein harter Hund. Er lässt sich vom Schalker Team-Arzt eine Tetanus-Spritze geben und spielt das Derby zu Ende. Den Treffer zum 1:1-Endstand durch Werner Weist in der 65. Minute kann aber auch er nicht verhindern. Dafür darf sich Rausch als Entschuldigung später über einen großen Blumenstrauß sowie 500 Mark Schmerzensgeld freuen.

Aus Schäferhunden werden Löwen

Doch damit war der Zwischenfall für die Schalker keinesfalls abgehakt. Für das Rückspiel am 31. Januar 1970 ließ sich S04-Präsident Günter Siebert eine besondere Retourkutsche einfallen. Frei nach dem Motto: „Was den Dortmunder die Schäferhunde, das sind uns Schalkern die Löwen“ organisierte Siebert vier Raubkatzen aus dem nahegelegenen Tierpark Westerholt und ließ diese vor dem Anstoß auf dem Platz patrouillieren. Angst und Schrecken verbreiteten die zahmen und angeleinten Jungtiere, die vor dem Anpfiff mit dem Ball spielten, aber nicht. Auch dieses Duell endete mit 1:1.

Kurz nach der schmerzhaften Attacke durch Schäferhund Rex wird Friedel Rausch an seinem Allerwertesten behandelt.

Kurz nach der schmerzhaften Attacke durch Schäferhund Rex wird Friedel Rausch an seinem Allerwertesten behandelt. © dpa

Und so bescherten Rausch, Schäferhund Rex sowie vier Junglöwen dem deutschen Fußball die tierischste Anekdote seiner Geschichte. Rausch nahm die schmerzhafte Erfahrung später übrigens mit Humor. Auf die Frage, was passiert wäre, hätte der Schäferhund statt an seinem Hinterteil vorne zugeschnappt, entgegnete Rausch: „Dann hätte er sich die Zähne ausgebissen.“

Die Bilanz der bisherigen Revierderbys
  • Bisher gab es 153 Pflichtspiele zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04.
  • Die Bilanz spricht knapp für die Knappen, die 59 Siege feierten, der BVB siegte 52 Mal, 42 Duelle endeten unentschieden.
  • In der Bundesliga spielten Königsblau und Schwarzgelb 93 Mal gegeneinander. Das erste Bundesliga-Duell fand vor 55 Jahren statt.
  • Die Bilanz hier spricht knapp für den BVB. 33:31 Siege bei 29 Unentschieden und einem Torverhältnis von 145:133 steht es für die Borussen.
(Quelle: bundesliga.de)
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