BVB-Gegner: Alles besser bei Fortuna unter Rösler - außer die Punkteausbeute

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Fortuna Düsseldorf erwartet in brenzliger Situation den BVB. Unter Trainer Uwe Rösler haben sich die Rheinländer in fast allen Statistiken verbessert - aber sie gewinnen zu selten.

von Bernd Jolitz

Düsseldorf

, 13.06.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Uwe Rösler spricht aus, was die allermeisten Fußballfans denken. „Niemand erwartet etwas von uns“, sagt der Cheftrainer von Fortuna Düsseldorf mit Blick auf die Partie gegen den BVB. „Wir haben in den nächsten beiden Spielen nichts zu verlieren, und gerade dann müssen wir unsere Chance sehen.“ Schließlich gab sich Fortuna in der Vorsaison selbst das beste Beispiel, indem sie aus dem gleichen Programm, das nun ansteht - gegen die Schwarzgelben und in Leipzig - vier Punkte holte. „Paderborn hat es uns mit dem 1:1 in Leipzig ja vorgemacht“, meint Rösler.

Doch mit Parallelen zum Schlusslicht der Fußball-Bundesliga will man sich in Düsseldorf gar nicht lange aufhalten. Zwar steht die Rösler-Truppe selbst mit einem Fuß am Abgrund, weist als Drittletzter drei Punkte Rückstand aufs rettende Ufer und nur drei Zähler Vorsprung auf den direkten Abstiegsrang auf. „Aber wir spielen nicht wie ein Drittletzter“, betont Rösler immer wieder - und er setzt dabei stets seine nachdrücklichste Miene auf.

BVB-Gegner Düsseldorf verliert nur zwei von elf Spielen

Seine Spieler finden das gut. „Wenn wir das Bayern-Spiel einmal ausklammern, waren wir in den letzten Wochen jedes Mal so gut wie der Gegner, meistens besser“, sagt Erik Thommy, mit sechs Treffern nach Rouwen Hennings (14) der zweitbeste Saison-Torschütze der Rheinländer. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit all unserem Willen jetzt irgendwann mal drei Punkte erzwingen, ist sehr groß.“ Die Notwendigkeit dafür allerdings auch. Seit Rösler Ende Januar Friedhelm Funkel beerbte, hat Fortuna zwar nur zwei von insgesamt elf Bundesligaspielen verloren, und das auch noch gegen die Topteams Mönchengladbach (1:4) und FC Bayern (0:5). Sie schaffte aber auch nur zwei Siege, so dass sie mit ihren sieben Unentschieden auf der Stelle tritt.

BVB-Gegner: Alles besser bei Fortuna unter Rösler - außer die Punkteausbeute

© Deltatre

Hoffnung macht den Düsseldorfern in dieser Situation die vergangene Saison. Da kam der BVB am 16. Spieltag als ungeschlagener Tabellenführer in die Landeshauptstadt und musste sich 1:2 geschlagen geben. Ein Traumtor von Außenverteidiger Jean Zimmer, der so gleich mit seinem ersten Bundesliga-Treffer zum Torschützen des Monats wurde, zog dem Favre-Team damals den Zahn und leitete bereits den allmählichen Niedergang in der Rückrunde ein.

Der BVB nimmt Düsseldorf im Hinspiel auseinander

Daran will der Außenseiter nun am Samstag anknüpfen. „Die Jungs haben das Spiel noch im Kopf, und das finde ich gut“, sagt Thommy, der im Dezember 2018 noch gar nicht für die Fortuna kickte. „Das zeigt mir, dass der Glaube da ist, dass wir das Ding gewinnen können. Der BVB ist stark, aber er ist nicht wie Bayern. Und wir sind am Samstag zu Hause, das spielt uns auch noch einmal in die Karten.“

Keine Frage, das Selbstvertrauen ist da bei den Düsseldorfern. Und dem kann auch die Erinnerung an das Hinspiel nichts anhaben, als man im Signal Iduna Park sang- und klanglos mit 0:5 unterging. Dortmund spielte seinerzeit Katz und Maus mit Rot-Weiß, und das Ergebnis hätte sogar noch deutlicher ausfallen können. „Diesmal wird es ein ganz anderes Spiel“, verspricht Thommy, und Torjäger Hennings ergänzt: „Wir haben uns einen Plan zurechtgelegt, wie wir drei Punkte holen können.“ Wie dieser Plan aussieht, verrät er allerdings nicht.

Düsseldorf hat sich unter Rösler in fast allen Bereichen verbessert

Die Eindrücke aus den jüngsten Auftritten Fortunas lassen allerdings nicht vermuten, dass die Mannschaft sich in der eigenen Abwehr einigeln möchte. Seit Rösler das Ruder übernommen hat, steht der Aufsteiger der vergangenen Saison für frischen Offensivfußball - allerdings ohne, dass sich dadurch die Tabellenlage maßgeblich verändert hätte.

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Dafür haben die Düsseldorfer sich in fast allen Statistiken verbessert. In der Hinrunde waren sie das laufschwächste Team der Liga - an den jüngsten vier Spieltagen belegten sie in dieser Wertung zweimal den siebten, einmal den neunten und einmal sogar den dritten Platz. Zudem haben sie ihre Zweikampfquote drastisch verbessert. Alles Indikatoren für einen saftigen Aufschwung - nur die Siege kommen noch zu selten. Viel Zeit bleibt Rösler und seinem Team nicht mehr. Nach den Hammer-Aufgaben gegen den BVB und in Leipzig geht es auf der Zielgeraden der Saison gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf: den FC Augsburg und Union Berlin.

Düsseldorf würde auch bei einem Abstieg auf Uwe Rösler setzen

Spätestens dann muss Fortuna punkten, wenn sie nicht in die Zweite Liga stürzen will. Doch selbst in diesem Worst-Case-Szenario bliebe Uwe Rösler Trainer - das haben der Vorstandsvorsitzende Thomas Röttgermann und der neue Sportvorstand Uwe Klein erst kürzlich unterstrichen. In Düsseldorf ist man überzeugt von der Linie des Sachsen.

Autor Bernd Jolitz ist Sportredakteur der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf und berichtet seit mehr als zwei Jahrzehnten über den Verein.
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