In Augsburg macht sich nach desaströsen Auftritten Resignation breit. Die Besonnenheit im Umgang mit Trainer Baum scheint das einzige zu sein, was von den alten Tugenden geblieben ist.

von Florian Eisele

Augsburg

, 01.03.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Augsburg denken in diesen Tagen viele sehnsüchtig an das Hinspiel gegen Dortmund zurück. Anfang Oktober lieferten sich der BVB und der FCA ein packendes Duell, eine Raserei mit sieben Toren, die erst in der Schlussminute ihren furiosen Höhepunkt fand. 4:3 siegte die Borussia gegen Augsburg. Die Mannschaft von Manuel Baum machte gegen den Tabellenführer ihr vielleicht bestes Spiel seit Jahren, führte sogar zweimal. Es war eine Partie, die wie ein Versprechen anmutete. Dass diese Mannschaft mit dem Abstieg etwas zu tun haben könnte, schien ausgeschlossen zu sein.

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Knapp fünf Monate später hat sich die Stimmung in Bayerisch-Schwaben um 180 Grad gedreht. Gerade mal zehn Punkte holte Augsburg in den 16 Spielen nach dem furiosen Auftritt. Dass die Mannschaft von Manuel Baum nicht auf einem Abstiegsplatz steht, ist vor allem der noch schwächeren Konkurrenz im Tabellenkeller geschuldet. Weniger Punkte als der FCA hatte noch nie ein Tabellen-15. seit Einführung der Drei-Punkte-Regel Mitte der 90er.

Reuter: „Wir wollen die Diskussion nicht“

Bei nahezu jedem anderen Bundesligisten hätten längst die viel zitierten Gesetzmäßigkeiten gegriffen, doch auch in der Woche vor dem erneuten Duell mit Dortmund leitete Manuel Baum das Training in Augsburg. Manager Stefan Reuter, dessen verfehlte Personalpolitik ebenfalls im Zentrum der Kritik steht, stärkte seinem Trainer am Montag erneut den Rücken: „In jedem Fall halten wir jetzt an Manuel Baum fest und wir wollen die Diskussion jetzt auch nicht.“

Zur Person

Florian Eisele

BVB-Gegner im Fokus: Augsburg auf der Suche nach den verlorenen Stärken

© Marcus Merk

Florian Eisele schreibt für die Augsburger Allgemeine über den FC Augsburg.

Wie eine Jobgarantie bis Saisonende hört sich das zwar nicht an. Dennoch ist es mehr, als Baum in nahezu jedem anderen Bundesligaklub zu erwarten hätte. Fast scheint es, als ob diese Besonnenheit das Einzige ist, was in diesen Tagen von den einstigen Stärken des FCA geblieben ist.

Augsburg kraft- und saftlos

Die sportlichen Qualitäten scheinen komplett verschüttet zu sein. Beim 1:5 in Freiburg am vergangenen Wochenende präsentierte sich der FCA kraft- und saftlos. Bereits zur Halbzeit lag die Mannschaft mit 0:3 zurück und hätte sich auch über vier oder fünf Gegentore nicht beschweren können. Stefan Reuter sagte über die erste Hälfte im Breisgau: „Das war das Schlechteste, was ich bisher gesehen habe.“ Nach einem Krisengespräch seien nun die Spieler in der Pflicht, so Reuter. Manuel Baum schließt einen Rücktritt aus. Angesichts des „Vertrauensbeweises“ durch die Vereinsführung, werde „nie in Frage kommen, dass ich sage, ich höre jetzt auf“.

Die Aussagen von Martin Hinteregger waren ein Schlag in die Magengrube von Manuel Baum.

Die Aussagen von Martin Hinteregger waren ein Schlag in die Magengrube von Manuel Baum. © imago

Dennoch wirkt Baum in diesen Tagen wie ein Trainer, dessen Tage im Amt gezählt sind. Zweifel an der Durchsetzungsfähigkeit des ehemaligen Bayernliga-Torwarts gibt es schon länger, angefacht wurden sie zuletzt durch das Verhalten zweier ehemaliger Stammspieler, die nun nicht mehr in Augsburg spielen. Der Brasilianer Caiuby leistete sich einen Fehltritt nach dem anderen, verlängerte im Winter seinen Urlaub um rekordverdächtige 22 Tage und ist mittlerweile zu den Grasshoppers Zürich verliehen.

Hinteregger schoss gegen Baum und spielt nun in Frankfurt

Abwehrspieler Martin Hinteregger schoss nach der Niederlage in Mönchengladbach gegen Baum, sagt über seinen Coach: „Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives über ihn sagen.“ Der Österreicher wurde nach der Aussage suspendiert und ist jetzt bei Eintracht Frankfurt eine feste Größe.

Manuel Baum erhielt im Winter Verstärkung - fürs Trainerteam. Jens Lehmann soll den 39-Jährigen unterstützen.

Manuel Baum erhielt im Winter Verstärkung - fürs Trainerteam. Jens Lehmann soll den 39-Jährigen unterstützen. © imago

Statt neuer Spieler für die ersatzgeschwächte Mannschaft wurde im Januar kein Spieler, sondern mit Jens Lehmann ein Co-Trainer verpflichtet. Er ist der vierte Assistent in Augsburg, kein Bundesligist hat meht. Der Ex-Dortmunder soll vornehmlich um die Defensive kümmern und die Glaubwürdigkeit im Umgang mit den Spielern „nochmals erhöhen“, so Reuter.

Lehmann hält sich im Hintergrund

Beides sind Felder, auf denen Baum offenbar Nachholbedarf hat. Lehmann hält sich seit seinem Amtsantritt im Hintergrund, lehnt Interviewanfragen ab. Beim FCA weiß man: Jedes Kompliment an Lehmann würde wie ein gespiegelter Vorwurf an Baum wirken, speziell in diesen Tagen.

Vor dem Spiel gegen Dortmund bemühte Michael Gregoritsch nochmals das Vertrauen in die eigene Stärke. Mit einem Gang in die zweite Liga beschäftige er sich nicht: „Wir werden nicht absteigen, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt.“ Als Grund dafür nennt der Österreicher eben jene Ruhe, die den FCA ausmacht. Diese Ruhe sei die große Stärke des Klubs. Gregoritsch muss es wissen, schließlich kennt er auch das Gegenteil davon: Zwei Jahre stand er beim Hamburger SV unter Vertrag.

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