BVB-Gegner im Fokus: Baumann sieht Werder „auf allen Ebenen im Aufschwung“

mlzInterview

Frank Baumann weiß, wie es sich anfühlt, mit Werder Bremen den DFB-Pokal zu gewinnen. Vor dem Achtelfinale gegen den BVB sprachen wir mit ihm über Lospech, Aufschwung und Nuri Sahin.

Dortmund

, 05.02.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das letzte Spiel in Dortmund ist für Werder noch gar nicht lange her. Jetzt steht schon das nächste an. Freut Sie das? Oder ärgert es Sie?

Ich freue mich drauf. Die Spiele in Dortmund sind immer besonders. Die Atmosphäre ist super. Zuletzt waren es immer mitreißende Spiele. Es gibt nichts Schöneres als K.o.-Spiele im Pokal. Es wird ein Pokalfight werden. Natürlich hätten wir auch nichts gegen ein Heimspiel gehabt. Es wird sehr schwierig, aber wir können trotzdem damit leben. Es ist ja auch nicht unmöglich, in Dortmund zu gewinnen.



Werder möchte gerne wieder nach Europa. Eigentlich sagt man ja, dass der Pokal der kürzeste und einfachste Weg dorthin ist, fühlt sich das für Werder gerade auch so an?

Bei kurz würde ich noch zustimmen, bei einfach definitiv nicht. Ein Achtelfinale in Dortmund ist mit das komplizierteste Los, das es aktuell überhaupt gibt. Allerdings ist die Erwartungshaltung beim BVB auch riesig. Jeder erwartet einen Sieg gegen uns – und wir können für eine Sensation sorgen.



Die letzten beiden Pokalsiege von Werder haben Sie noch als Spieler miterlebt. 2004 beim Double und 2009 gegen Bayer Leverkusen. Erzählen Sie Ihren Spielern manchmal davon, wie schön es ist, ein Finale in Berlin zu spielen?

Nein. Normalerweise ergibt sich das nicht. Es sei denn, man macht es mal bewusst zum Thema. Ich stelle mich jetzt aber nicht ständig vor die Jungs und schildere ihnen, wie toll früher alles war. Die Spieler wissen auch so, dass Berlin ein tolles Erlebnis ist. Der Pokal ist für uns ein sehr wichtiger Wettbewerb. Im Moment ist das Finale aber noch zu weit weg. Ab dem Halbfinale können Sie mich nochmal fragen.

Frank Baumann (l.) und Ailton bejubeln den DFB-Pokalsieg 2004.

Frank Baumann (l.) und Ailton bejubeln den DFB-Pokalsieg 2004. © imago

Konkret zum Spiel gegen den BVB: Am 15. Spieltag Mitte Dezember war es ein sehr flottes, teilweise wildes Fußballspiel. Wird’s am Dienstag ähnlich unterhaltsam?

Ich glaube, ja. Keine der beiden Mannschaften wird auf 0:0 spielen und versuchen, sich ins Elfmeterschießen zu retten. Wir werden auch voll auf Sieg spielen. Trotzdem wird es extrem wichtig sein, möglichst nicht in Rückstand zu geraten. Aber ich erwarte zwei Mannschaften, die mutig nach vorne spielen.



Was spricht dafür und was muss Werder liefern, um eine Runde weiterzukommen?

Die Basis wird bei allem Offensivdrang eine gute Defensive sein. Das liegt einfach daran, dass der BVB so eine hohe Qualität im Kader hat. Deswegen müssen wir sehr konzentriert und fokussiert verteidigen – und dann mit dem eigenen Ballbesitz etwas anfangen. Das entspricht ja ohnehin unserer Philosophie. Dass wir uns auch in München oder in Dortmund nicht verstecken, sondern mutig nach vorne spielen wollen. Wir wollen offensiv Duftmarken setzen und den BVB vor das eine oder andere Problem stellen.



Insgesamt wirkt es von außen betrachtet so, als hätte Werder die schwierigsten Zeiten hinter sich gelassen. Wirkt es von innen betrachtet auch so?

Ich glaube schon, dass wir insgesamt ein stabileres Fundament haben als in den vergangenen Jahren. Sportlich wie finanziell. Auch da hatten wir schwierige Zeiten zu überstehen. Wir befinden uns auf allen Ebenen im Aufschwung. Ich hoffe allerdings, dass das alles nur der Anfang ist und dass wir in der nahen Zukunft deutlich bessere Zeiten erleben, als das in den zurückliegenden Jahren der Fall war.

BVB-Gegner im Fokus: Baumann sieht Werder „auf allen Ebenen im Aufschwung“

Sie sind bis auf zwei kurze Unterbrechungen seit fast 20 Jahren bei Werder. Sie müssen es wissen: Warum ist Werder nach dem Double 2004 und dem Pokalsieg 2009 so abgestürzt?

Erstmal muss man festhalten, dass wir in der Zeit von Thomas Schaaf, gerade zwischen 2003 und 2010, das absolute Maximum aus unseren Möglichkeiten herausgeholt haben. Ein bisschen so, wie es auch unter Otto Rehhagel schon einmal der Fall gewesen war.

„Ich glaube schon, dass er sich grundsätzlich sehr wohl bei uns fühlt, auch wenn er sicherlich den Anspruch hat, noch mehr zu spielen.“
Frank Baumann über Nuri Sahin
Es ist kein spezielles Werder-Phänomen, dass ein Klub nach einer langen und erfolgreichen Amtszeit eines Trainers ein wenig Zeit benötigt, um wieder erfolgreich zu sein. Nehmen Sie den SC Freiburg nach Volker Finke zum Beispiel. Oder den BVB nach Ottmar Hitzfeld und vielleicht sogar nach Jürgen Klopp. So etwas kommt vor. Wir gehören von unseren Grundvoraussetzungen nicht zu den Topklubs. Deshalb wollen wir durch kluge strategische Entscheidungen, sinnvolle Konzepte und gute Personalentscheidungen dafür sorgen, dass vielleicht mal wieder ein bisschen mehr rausspringt als ein Mittelfeldplatz. Wir wissen aber, dass viele andere Mannschaften das auch wollen und dass es kein einfacher Weg ist.

Gerade personell gehen Sie einen interessanten Weg. Florian Kohfeldt als Trainer, Claudio Pizarro als Routinier, Max Kruse als Kapitän und auch Nuri Sahin als erfahrener Spieler im Mittelfeld: Wie bewerten Sie den Sahin-Transfer nach einem knappen halben Jahr?

Für uns ist das eine positive Geschichte. Nuri ist vielleicht kein unumstrittener Stammspieler, trotzdem ist er für uns mit seiner Qualität, seiner Erfahrung und seinen menschlichen Fähigkeiten ein enormer Gewinn. Ich bin sehr froh, dass wir ihn im Sommer von Werder überzeugen konnten.



Äußert sich Nuri Sahin selbst intern auch so zufrieden?

Ich glaube schon, dass er sich grundsätzlich sehr wohl bei uns fühlt, auch wenn er sicherlich den Anspruch hat, noch mehr zu spielen. Das ist ja ganz normal und zeigt einfach, welchen Ehrgeiz er noch hat.



Zum Abschluss dann noch eine Frage zu Ihnen persönlich. Sie sind im Frankenland groß geworden. Gibt es nach all den Jahren in Bremen noch etwas, womit Sie im Norden fremdeln?

Ich bin mittlerweile ziemlich eingenordet (lacht). Wir fühlen uns hier sehr wohl. Das war eigentlich von Beginn an so. Aber ab und an freue ich mich natürlich auch, wenn ich in der Heimat vorbeischauen kann.



Aber Sie können, wenn Sie wollen, so sprechen, dass Sie in Bremen niemand versteht?

Tatsächlich nicht. Das war noch nie meine Stärke. So richtig fränkisch sprechen kann ich gar nicht.



Dann danke für das Gespräch auf Hochdeutsch.

Sehr gerne (lacht).

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