Seit seinem Rauswurf in Dortmund sind gut 14 Monate vergangen, in Leverkusen will es Peter Bosz nun besser machen. Der BVB trifft auf seinen Ex-Trainer und eine runderneuerte Werkself.

von Sebastian Bergmann

Leverkusen

, 24.02.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Peter Bosz am Sonntag als Trainer von Bayer Leverkusen in den Signal-Iduna-Park zurückkehrt, werden bei ihm sicher gemischte Gefühle hochkommen. Freilich werden Erinnerungen an spektakuläre Siege wie das 6:1 gegen Mönchengladbach aufblitzen, doch auch die Pfiffe der BVB-Fans nach acht sieglosen Liga-Spielen in Serie wird der Niederländer nicht vergessen haben.

Rund 14 Monate sind seit seinem Rauswurf in Dortmund vergangen. Zeit, die der 55-Jährige dazu genutzt hat, um sich fortzubilden. In seinem Heimatland, Dänemark, Spanien und England hospitierte Bosz, arbeitete an seiner Idee vom Fußball. Davon soll Leverkusen nun profitieren.

Bayer hofft, dass Bosz aus seinen Fehlern beim BVB gelernt hat

Beim zweiten Anlauf in der Bundesliga will der ehemalige Nationalspieler eigenen Angaben zufolge Fußball-Deutschland nun „den richtigen Peter Bosz“ vorstellen. „Ich war noch nicht fertig“, begründet er. „Ich wollte zurück in die Bundesliga. Die Zeit in Dortmund war viel zu kurz.“

„Ich war noch nicht fertig. Ich wollte zurück in die Bundesliga. Die Zeit in Dortmund war viel zu kurz.“
Peter Bosz

Auf seiner Mission hat der Niederländer einen verheißungsvollen Start unter dem Bayer-Kreuz hingelegt. Die Hoffnung, dass er aus seinen Fehlern beim BVB gelernt hat, sind bei den Verantwortlichen in Leverkusen groß.

Als Nachfolger des einen Tag vor Heiligabend entlassenen Heiko Herrlich hat Bosz die Werkself in der kurzen Winter-Vorbereitung gehörig umgekrempelt, ihr mit Erfolg sein favorisiertes 4-3-3-System eingeimpft und aus einer Gruppe begnadeter Einzelkönner ein funktionierendes Kollektiv geschaffen.

„Ich war noch nicht fertig. Ich wollte zurück in die Bundesliga. Die Zeit in Dortmund war viel zu kurz.“
Peter Bosz

Unter Bosz hat die Werkself in der Liga vier Spiele in Folge gewonnen, ist Erster der Rückrundentabelle und wieder auf Tuchfühlung zu den Champions-League-Rängen. Beim 2:0-Erfolg vor einer Woche gegen Fortuna Düsseldorf ließ Leverkusen den Aufsteiger bisweilen kaum an den Ball. Der Mix aus aggressivem Pressing gepaart mit viel Ballbesitz geht bislang auf.

Das sind die Schlüsselspieler unter Peter Bosz

Schlüsselrollen nehmen bei der risikoreichen, dafür offensiv aber umso wuchtiger daherkommenden Spielweise von Bayer Leverkusen Charles Aránguiz, Kai Havertz und Julian Brandt ein. Aránguiz gibt auf der Sechserposition den Rhythmus der Werkself vor und überzeugt dazu als unermüdlicher Kämpfer. „Charly ist ganz wichtig für uns. Er ackert sehr, sehr viel, gewinnt viele Bälle, gibt dem Spiel Struktur und hält uns in der Zentrale zusammen“, findet auch Teamkollege Brandt.

Ebenso wie der Chilene blüht auch der 22-jährige Nationalspieler unter Bosz auf. Kam Julian Brandt unter Herrlich noch vor allem über die Außenbahn, glänzt er bislang auf der Doppel-Acht an Seite von Freund und Teamkollege Havertz. „Er ist ein sehr guter Spieler und guten Spielern muss man oft den Ball geben“, erklärt Bosz Brandts neue Rolle.

BVB-Gegner im Fokus: Bosz nimmt in Leverkusen neuen Anlauf - „Ich war noch nicht fertig“

Fünf Bundesligaspiele, vier Siege. Bayer Leverkusen und Julian Brandt blühen unter Peter Bosz auf. © imago

Ein guter Spieler ist sicher auch Kai Havertz. Der 19-Jährige gilt nicht umsonst als eines der größten Talente im Weltfußball. Dass große Klubs bereits Schlange stehen, verwundert niemanden, der den gebürtigen Aachener Woche für Woche über die Rasen der Republik schweben sieht. Neben einer schier unglaublichen Leichtigkeit und einer exzellenten Technik überzeugt der Jung-Nationalspieler in dieser Saison auch als Vollstrecker: Mit neun Liga-Toren ist Havertz bester Schütze der Werkself.

Der Weg zur Spitzenmannschaft ist noch weit

Trotz aller berechtigten Euphorie die sich unter dem Bayer-Kreuz breitgemacht hat, muss die Werkself noch beweisen, dass der Erfolg auch von Dauer ist. Rückschläge wie das 0:1 zum Rückrundenstart gegen Mönchengladbach sowie das überraschende Aus im Pokal beim Zweitligisten Heidenheim (1:2) haben deutlich gemacht, dass der Weg zurück zur Spitzenmannschaft noch weit ist.

Die Hypothek aus der Hinrunde, die Leverkusen als Tabellenneunter abschloss, ist zudem groß. Sollte Bayer tatsächlich noch die Champions League erreichen, werden sie sich in Leverkusen aber vor allem bei einem Mann bedanken dürfen: Peter Bosz.

Zur Person

Sebastian Bergmann

BVB-Gegner im Fokus: Bosz nimmt in Leverkusen neuen Anlauf - „Ich war noch nicht fertig“
Sebastian Bergmann schreibt für die Rheinische Post über Bayer 04 Leverkusen.
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