BVB-Geschäftsführer Cramer über Corona-Krise: Spüren ein großes Verantwortungsbewusstsein

mlzBorussia Dortmund

Bei Borussia Dortmund ruht der Ball wegen des Coronavirus, dafür hat Carsten Cramer umso mehr zu tun. Der BVB-Marketingchef muss einiges regeln.

Dortmund

, 21.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Arbeitstag von Carsten Cramer kann in diesen Tagen eigentlich nicht genug Stunden haben. Es gibt jede Menge zu tun angesichts der Ungewissheit. Borussia Dortmunds Marketing-Geschäftsführer ist permanent am Telefon. Kontakt halten zu den Sponsoren, Kontakt halten zu den Mitarbeitern und Verantwortlichen in den Fanshops. Und da gibt es ja auch noch die BVB-Dependancen in Asien. Von dort erhält Cramer mittlerweile Mut machende Nachrichten.

BVB musste Fanshops schließen, Cramer freut sich über Verständnis

Am Dienstag vergangener Woche hat der BVB in enger Abstimmung mit den Verantwortlichen an den einzelnen Standorten seine Fanshops geschlossen. Bei den Mitarbeitern, sagt Cramer im Gespräch mit dieser Redaktion, sei man für diese einschneidende Maßnahme auf sehr viel Verständnis getroffen.

„Wir spüren ein großes Verantwortungsbewusstsein“, lobt der 50-Jährige den besonnenden Umgang der Angestellten mit der speziellen Situation. Cramer hat natürlich Verständnis für viele Fragen – und auch für so manche Unsicherheit. „Es ist ein richtiger Eingriff nicht zu wissen, wann der eigene Laden wieder aufmachen kann“, meint der Marketing-Chef, „dennoch erlebe ich unsere Mitarbeiter als sehr ruhig und besonnen.“

Borussia Dortmund hat sich früh und konsequent vorbereitet

Dass Borussia Dortmund sich sehr früh und konsequent auf die drohenden einschneidenden Maßnahmen vorbereitet hat, käme dem Klub nun entgegen. Die Krise durch das Coronavirus bringt viele Menschen und Unternehmen in allen Bereichen an ihre Belastungsgrenzen. Auch den BVB, der sich aber bestmöglich gewappnet sieht.

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Auf die dramatischen finanziellen Einschnitte hat Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schon vor der Vollversammlung der Deutschen Fußball-Liga Anfang der vergangenen Woche hingewiesen. Borussia Dortmund hat sich, lange bevor die Krise durch das Coronavirus absehbar war, nach einem Bericht des Kicker schon im Januar die Kreditlinie erweitern lassen. Lag der maximale Überziehungskredit zuvor bei einer Summe von 30 Mio. Euro, könnte der BVB nun kurzfristig auf bis zu 60 Mio. Euro Überziehungskredit zurückgreifen.

BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer: „Haben Rahmenbedingungen geschaffen“

Nutzen musste die Borussia die ursprüngliche Kreditlinie aufgrund der überaus gesunden Kassenlage bislang noch nie. Das könnte sich je nach Dauer der Pause des Spielbetriebs jedoch ändern. „Wir haben die Rahmenbedingungen geschaffen, dass der Betrieb weitergeht“, bestätigt Cramer.

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Als börsennotiertes Unternehmen hat Borussia Dortmund schon in der vergangenen Woche in einer Ad hoc-Mitteilung betont, dass „keine existenzielle Bedrohung“ des Unternehmens bestehe. Die Arbeitsplätze seien sicher, bekräftigt auch Cramer. Er sagt auch: „Aber jeder weiß, dass es eine ernste Lage ist.“

Kontakt zu BVB-Partnern und Sponsoren halten

Cramer hat noch deutlich mehr als sonst üblich das Telefon benutzt, um Kontakt zu den BVB-Partnern und Sponsoren zu halten. Das empfinde er als selbstverständlich, meint der 50-Jährige. Da keine Branche vor den Auswirkungen der Corona-Krise geschützt ist, könnten sich, wenn Partner in wirtschaftliche Turbulenzen geraten, negative Effekte auch auf die Partnerschaft mit der Borussia ergeben. „Wir sind im engen Austausch mit unseren Partnern und spüren auch dort sehr viel Besonnenheit“, sagt Cramer.

„Wir rücken gerade sehr eng zusammen, um gemeinsam gestärkt aus dieser Situation herauszukommen.“ Wie stark mögliche Einschnitte in allen Bereichen ausfallen, wird vor allem davon abhängen, wann die Situation wieder die Rückkehr in einen annähernd normalen Betrieb zulässt.

Langfristige Planungen sind beim BVB wegen des Coronavirus schwierig

Cramer und sein Team arbeiten vor allem im Hier und Jetzt. Langfristige Planungen sind schwierig angesichts sich permanent verändernder Faktenlagen. Was heute richtig erscheint, wird morgen über den Haufen geworfen.

Als der Klub schon vor einigen Wochen die geplante Asientour der Profis in der Sommervorbereitung absagte, war die dramatische Zuspitzung der Situation noch nicht absehbar. In der Schublade gab es noch Alternativpläne. Die intensiv zu verfolgen, macht aktuell keinen Sinn, weil überhaupt noch nicht klar ist, wie eine Sommervorbereitung aussehen kann. Wie die Folgen des Coronavirus den weiteren Jahresverlauf und damit auch langfristige Planungen für die Profimannschaft beeinflussen, ist heute kaum abschätzen.

Borussia Dortmund kann auch positive Nachrichten vermelden

Doch es gibt in diesen Zeiten auch positive Nachrichten. In Shanghai und Singapur, wo Borussia Dortmund seit einigen Jahren Büros betreibt, normalisiert sich das Leben allmählich, seit die Neu-Infektionsrate quasi auf null zurückgegangen ist. „Die Büros können partiell wieder öffnen, dort wird gerade wieder ein Stück Normalität erreicht“, sagt Cramer erfreut. „Das ist eine positive Nachricht.“

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