BVB im Vorteil - Portos Probleme mit dem Pressing

Europa League

Nach einem dominant geführten Hinspiel will der BVB im Auswärtsspiel beim FC Porto den Sack zumachen. Die Frage ist, ob der taktische Kniff von Trainer Thomas Tuchel aus dem Hinspiel noch ein zweites Mal funktionieren kann. Unsere Taktikanalyse.

DORTMUND

von Martin Rafelt (spielverlagerung.de)

, 25.02.2016, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Den Zweikampf gewinnen und Ruhe ins Spiel bringen - klingt nach einer Aufgabe für Julian Weigl (r.), hier in einer Szene aus dem Hinspiel im Zweikampf mit Ruben Neves.

Den Zweikampf gewinnen und Ruhe ins Spiel bringen - klingt nach einer Aufgabe für Julian Weigl (r.), hier in einer Szene aus dem Hinspiel im Zweikampf mit Ruben Neves.

Gegen Porto überraschte Tuchel vor einer Woche mit einer außerordentlich konsequenten Systemverschiebung. Gegen den Ball praktizierten die Borussen ein unspektakuläres 4-4-1-1. Bei eigenem Ballbesitz jedoch schob Marcel Schmelzer links weit nach vorne, während Lukasz Piszczek tief zurückblieb und Innenverteidiger Mats Hummels hinter Schmelzer nach außen rückte. So entstand eine Dreierkette im Aufbau, die Porto große Schwierigkeiten bereitete.

In Unterzahl

Das Problem für die Portugiesen waren die Strukturen auf beiden Flügeln. Auf Dortmunds linker Seite waren sie gegen Hummels, Schmelzer und Marco Reus schlichtweg in Unterzahl. Auf dem anderen Flügel waren Piszczek und in der Folge auch Henrikh Mkhitaryan so tief positioniert, dass Portos Spieler unheimlich weit aus ihrer Position rücken mussten, um Zugriff zu bekommen.

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Immer wieder versuchte Linksaußen Yacine Brahimi, Druck auf Piszczek zu machen, der sich dann aber mit einem simplen Pass auf Mkhitaryan lösen konnte; nun blieb Linksverteidiger Miguel Layun entweder gleich zurück und ließ den Armenier im Mittelfeld laufen und spielen, oder er rückte eine ganze Linie nach vorne und hinterließ eine große Lücke neben der Abwehr.

Simple Lösung

Porto arbeitet im Pressing viel mit Druck und Mannorientierungen aus einer kompakten Ordnung heraus. Das kollektive, ruhige Verschieben zum Ball haben sie nicht so gut verinnerlicht. Daher konnten sie die strukturellen Probleme nicht auffangen, sondern öffneten ständig Lücken und liefen dann hinterher. Anders als Bayer Leverkusen übrigens, das in der zweiten Hälfte des Bundesliga-Spitzenspiels am Sonntag mit dem gleichen BVB-System konfrontiert worden war.  

Eine simple Lösung für Porto wäre die Umstellung auf ein 4-3-3 oder 4-1-4-1. Entweder könnte der Dreiersturm direkt den Aufbau verhindern und die Achter könnten am Flügel unterstützen, oder die Flügelstürmer könnten zurückbleiben, während die Dreierkette von den Achtern angelaufen wird.

Mit dem Rücken zur Wand

Blöd für Porto: Tuchel könnte darauf sofort reagieren und mit dem üblichen Aufbausystem die Überzahl gegen den alleinigen Mittelstürmer ausspielen. Mit einer deutlich passiveren Ausrichtung könnte Porto die strukturellen Probleme abfedern, aber dagegen spricht der Rückstand und Dortmunds Fähigkeit, tiefstehende Defensiv-Formationen zu dominieren und zu knacken.

Porto steht also mit dem Rücken zur Wand - nicht nur vom Ergebnis her, sondern auch taktisch. Früher oder später wird sich ein aggressives, ungeordnetes Spiel einstellen, wenn die Portugiesen den Rückstand wettmachen wollen. Dann müssen die Borussen ihre neugewonnene Stabilität unter Beweis stellen – und ihre Kontermöglichkeiten sauber ausspielen.

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