BVB-Kapitän Marco Reus fordert mehr Druck nach vorne

Nationalmannschaft

Schlecht verteidigt, fahrig gespielt, wegen dummer Fehler zurecht verloren. Nach dem 2:4 der DFB-Elf gegen die Niederlande richtet BVB-Kapitän Reus einen deutlichen Appell an seine Mitspieler.

Hamburg

, 07.09.2019, 10:42 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Kapitän Marco Reus fordert mehr Druck nach vorne

© dpa

Nico Schulz schloss sich gewiss mit ein, als er klipp und klar bekannte: „Wir haben schlecht verteidigt.“ Der Linksverteidiger in Diensten von BVB und DFB hatte mit fehlerbehaftetem Defensivverhalten - wie einige andere auch - seinen Anteil an der 2:4-Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Niederlande. „Vier Gegentore“, stöhnte Schulz, „sind einige zu viel.“

Schulz: „Zu passiv gespielt“

In der Fehleranalyse eines phasenweise irritierenden Auftritts der DFB-Auswahl spiegelte sich eine Zerrissenheit, die recht gut den unsicheren Zustand kennzeichnet, in der sich die Mannschaft nach dem Umbruch und mit dem neuen Spielsystem befindet. Einerseits wollte Deutschland den Gegner durchaus tiefer stehend erwarten, um dann selbst auf schnelles Umschalten und gute Kontermöglichkeiten zu setzen. Doch so weit in der eigenen Hälfte zu stehen, „dass man fünf Minuten lang nur hinterher laufen muss“, wie Schulz nachvollziehbar beschrieb, das war dann doch nicht gemeint und gewollt.

„Als Offensivspieler wünschst du dir natürlich, dass wir mit mehr Druck nach vorne spielen.“
Marco Reus

„Zu passiv“ sei das eigene Spiel gewesen, meinte Schulz, und die abwartende Haltung führte zu zweierlei Problemen. Deutschland gelang es nicht, konstruktiv und sicher den Ball in den eigenen Reihen zu halten, weil nach dem intensiven Verteidigen Kraft und Konzentration fehlten. Im Aufbau gingen die Bälle schneller verloren als Taschengeld im Casino. Zum anderen blieb selbst nach den wenigen Balleroberungen ein weites Stück bis zum gegnerischen Tor. „Wenn du dann noch 70, 80 Meter vor dir hast“, sagte Marco Reus kopfschüttelnd, „dann wird es schwer.“

Schulz zeigte einige gute Ansätze, wenn er sich in die Offensive einschaltete, und Mängel bei gegnerischen Angriffen und im Passspiel. Auf der Gegenseite standen ihm und seinen Abwehrkollegen in Depay, Promes, Babel oder de Roon nicht nur Spieler vom höchsten Kaliber gegenüber. Doch es reichte Oranje, um der Mannschaft von Joachim Löw mit zunehmender Spieldauer immer mehr Schaden zuzufügen. Kurios: Eigentlich wollte Deutschland kontern, und verlor dann die Kontrolle nach flotten Angriffen der Holländer. Den Rest trugen eigene „dumme Fehler“ (O-Ton Reus) zur Niederlage bei.

Brandt wird (zu) spät eingewechselt

Eine System-Diskussion wollte Marco Reus nicht eröffnen. „Weil wir auf diese Weise auch schon eine Menge gute Spiele gemacht haben“, sei es nicht an der Zeit, die Variante mit Fünferkette und nur zwei zentralen Mittelfeldspielern grundsätzlich in Frage zu stellen. Doch der BVB-Kapitän verschwieg auch nicht, was er sich erhofft: „Als Offensivspieler wünschst du dir natürlich, dass wir mit mehr Druck nach vorne spielen.“ Mit sieben Akteuren auf dem Feld, die mit verteidigenden Aufgaben beschäftigt waren, ließ sich jedoch kein Pressing organisieren oder gar Angriffswucht entfalten.

BVB-Kapitän Marco Reus fordert mehr Druck nach vorne

Wurdeerst kurz vor Schluss eingewechselt: Julian Brandt (l.). © imago

Julian Brandt, der dritte Dortmunder im Bunde, wurde einmal mehr erst kurz vor Schluss eingewechselt. Für grundlegende Zweifel sah er keine Berechtigung, wohl aber Ansätze, um Veränderungen zu bedenken. „Vielleicht“, meinte er, „spielen wir ja in Nordirland mit einem anderen System.“

Ginter und Tah offenbaren bedenkliche Schwächen

Wenn nämlich kreativer Offensivfußball gefordert sein wird, muss auch Löw Männer aufs Feld schicken, die für Gefahr sorgen können. Wie zum Beispiel Brandt. Oder Ilkay Gündogan. Oder Kai Havertz. Denn noch eines irritierte bei der Niederlage gegen den Erzrivalen. Deutschlands bester Außenverteidiger, Joshua Kimmich, spielte im zentralen Mittelfeld. Drei starke Mittelfeldspieler saßen stattdessen auf der Bank, während in Matthias Ginter und Jonathan Tah neben dem soliden Niklas Süle zwei Innenverteidiger auf dem Platz standen, die bedenkliche Schwächen erkennen ließen. Den besten Abwehrspieler der vergangenen Saison, Mats Hummels, hatte der Bundestrainer ja vorab aussortiert.

Als Löw im Spielverlauf dann von außen eingreifen wollte und wechselte, fand sich Gündogan als Linksaußen und Havertz im Sturmzentrum wieder. Ideen, auf die man erst einmal kommen muss. Der Bundestrainer: „Das Spiel ist aber nicht entscheidend besser geworden.“ Wahrlich nicht, die Ordnung ging flöten, und statt das zwischenzeitlich glückliche 2:2 zu sichern, kam der nächste Nackenschlag postwendend. „Das war keine gute Vorstellung von uns“, fasste Schulz den Abend zusammen. Womit er recht hatte.

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