BVB kassiert viele Tore über die linke Abwehrseite

10 von 14 Gegentreffern

Der BVB kassiert zu viele Gegentore, und nicht selten kassiert er sie auf erstaunlich leichtfertige Arten. Und sogar nach sich wiederholenden Mustern. Allein 10 der 14 Einschläge in der Bundesliga kamen nach Flanken und Pässen von rechts, also der linken defensiven Seite des BVB, zustande. Die Ursachen für dieses Symptom sind vielschichtig.

DORTMUND

, 01.12.2016, 06:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Zeichnung zeigt: Die meisten Gegentreffer kassierte der BVB nach Angriffen über seine linke Seite.

Die Zeichnung zeigt: Die meisten Gegentreffer kassierte der BVB nach Angriffen über seine linke Seite.

Individuelle Fehler: Marcel Schmelzer wird sich selbst am wenigsten den Stellungsfehler verzeihen, den er am Samstag beim 0:1 der Frankfurter Eintracht beging. Er stand jedoch nur bei der Hälfte der Gegentore überhaupt auf dem Platz. Joo-Ho Park demonstrierte in Ingolstadt mehrfach, dass er kein bundesligataugliches Format hat. Auch der wackere wie unerfahrene Felix Passlack erlaubte sich einige Schnitzer, die man ihm nachsehen muss. Doch wer gegen den BVB spielt, der ahnt und plant, dass man über diese Seite Gefahr heraufbeschwören kann.

Jetzt lesen

 

Positionierung: Das liegt sicherlich auch an der vom Trainer vorgegebenen hohen Positionierung. Nicht selten schieben sich die Außenverteidiger von Borussia Dortmund weit vor in die gegnerische Hälfte. Das verursacht großen Druck auf den Gegner, der tief verteidigen muss. Bei eigenen Ballverlusten, die trotz des konstant hohen Ballbesitzes beim BVB zu oft auftauchen, bleibt die Flanke dann verwaist. Chance und Risiko halten sich die Waage, die offensiven Außen bleiben ein riskantes Spiel.

 

Unterstützung: Ex-Abwehrchef Mats Hummels verdrehte immer genervt die Augen, wenn Gegentore alleine den nominellen Abwehrspielern zugeschrieben wurden. Oft verständlich, denn wer kollektiv angreift, wie es die Borussen nicht selten tun, der muss im Umkehrschluss auch kollektiv verteidigen. In den ersten Wochen in seiner neuen sportlichen Heimat fand zum Beispiel Linksaußen Ousmane Dembélé nicht immer rechtzeitig den Rückwärtsgang oder die sichere Ablage – mit entsprechend gravierenden Folgen bei dem hohen Niveau der Bundesliga.

Jetzt lesen

Spielte der BVB mit einer Viererkette, wirkten die linken Innenverteidiger Marc Bartra und Matthias Ginter auch nicht immer stabilisierend auf das Gefüge ein (Bundesliga-Notenschnitt 3,6). Obendrein steht mit dem nicht sonderlich formstarken Julian Weigl nur ein defensiver Mittelfeldspieler zur Verfügung, der dann oft nicht mehr rechtzeitig unterstützend eingreifen kann.

 

System: Dreierkette, Viererkette, ein Sechser, zwei Stürmer – immer wieder änderte Thomas Tuchel das nominelle Grundmuster für die Herangehensweise, die vielen Personalwechsel kommen erschwerend hinzu: Da ist es fast eine logische Konsequenz, dass Abstimmungsfehler auftauchen, Abstände nicht stimmen, Zuständigkeiten ungeklärt sind. So gut ein Training auch sein mag, der finale Schliff erfolgt immer unter Wettbewerbsbedingungen, und da hat sich beim BVB in dieser Saison – auch verletzungsbedingt – noch keine Formation einspielen können.

 

Fazit: In der Defensive ist Borussia Dortmund über seine linke Abwehrseite vergleichsweise leicht zu knacken. Das haben die Gegner längst bemerkt. 49 zugelassene Chancen insgesamt sind nur ein Wert im Mittelfeld der Liga. Der BVB muss seine Problemzonen dringend schließen.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt