BVB-Profi Julian Brandt. © imago images/Team 2
Borussia Dortmund

BVB-Lieblingsposition oft blockiert: Brandt sucht Form und Leichtigkeit

Das 1:2 gegen Köln ist auch für Julian Brandt persönlich ein Rückfall. Einer der begnadetsten BVB-Spieler sucht weiterhin Form und Leichtigkeit. Seine Lieblingsposition ist oft blockiert.

In der zweiten Folge der Dokumentation über den BVB, die der Streamingsender „DAZN“ in dieser Saison produziert, hat Julian Brandt über die mentalen Herausforderungen als Profifußballer gesprochen. Für den Fußball selbst, hat Brandt dort gesagt, sei der Kopf „gar nicht so wichtig. Fürs Drumherum ist der Kopf wichtig!“ Gemeint hat der 24-Jährige damit die Situationen, wenn öffentliche Kritik laut wird. Oder die Drucksituationen zum Beispiel im Hotel, in den Stunden vor wichtigen Spielen.

BVB-Profi Julian Brandt: entspannt unter Druck

Er hat auch darüber geredet, wie er damit umzugehen versucht, wenn es sportlich nicht läuft und er nur auf der Bank sitzt. Eigentlich, hat Brandt dazu gesagt, gehe er auch mit diesen Phasen „entspannt“ um, „wobei es natürlich nicht so ist, dass es mir egal ist, wenn ich in der Spielersitzung erfahre, dass ich nicht von Anfang an spiele.“

Brandt kennt diese Situation. Er saß in der vergangenen Saison zu Beginn sehr häufig draußen, am Ende absolvierte er dennoch 42 Pflichtspiele. Er erlebt einen ähnlichen Verlauf in dieser Saison, in der er in allen bisherigen 15 Pflichtspielen auf dem Platz stand – acht Mal aber nur von der Bank kam.

Brandt braucht Leichtigkeit beim BVB

Das Spiel, das Julian Brandt auszeichnet, lebt von seiner Leichtigkeit, von der Unbeschwertheit, die ihn geniale Sachen machen lässt. So wie vor knapp einem Jahr im Heimspiel gegen Leipzig, als er eins der schönsten Tore seiner Karriere erzielte. Es locke ihn, „auf dem Rasen Sachen zu machen, wo andere vielleicht sagen würden: Ne, da gehe ich jetzt lieber den sicheren Weg.“ Das ist ein schmaler Grat: Funktioniert es, springen Treffer wie der gegen Leipzig dabei heraus. Gelingen diese besonderen Dinge nicht, sieht Julian Brandt oft schlecht aus.

Brandts Problem aber scheint nicht so sehr zu sein, dass ihm mit nicht gerade ausgeprägtem Selbstvertrauen die besonderen Aktionen derzeit öfter misslingen als gelingen. Lucien Favre hat in der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Köln einen bemerkenswerten Satz gesagt, der ein Thema wieder an die Oberfläche spült, das es schon zu Beginn der Dortmunder Zeit von Julian Brandt gegeben hat. „Er sucht seine richtige Position in dem System“, hat Dortmunds Trainer erklärt. Schon vor 18 Monaten, nach seiner Verpflichtung, war nicht die Frage, ob Brandt eine Verstärkung für den BVB darstellt. Sie lautete eher: Wo soll er spielen?

Julian Brandt fühlt sich beim BVB im Zentrum wohl

Die Position am Samstag war nun nicht ungewohnt für Brandt. Dennoch fühlt sich der Blondschopf aus Bremen eigentlich im Zentrum wohler, als Freigeist hinter den Spitzen. Dort hatte er in seinem letzten Jahr in Leverkusen viele herausragend gute Spiele. Dort zeigte er auch für Borussia Dortmund seine besten Leistungen. Meistens aber besetzt beim BVB der Kapitän diese Planstelle, Marco Reus. Dort fühlt sich auch Giovanni Reyna am wohlsten. Brandt muss häufig außen versuchen, Spuren auf dem Feld zu hinterlassen. Seine großen Qualitäten entfaltet er dort aber viel zu selten.

Es ist bislang unbestritten noch nicht die Saison von Julian Brandt, seine Unzufriedenheit ist ihm oft auch anzumerken. Sportdirektor Michael Zorc attestiert dem 24-Jährigen „zuletzt einen klaren Aufwärtstrend. Gegen Köln ist er wie seine Mitspieler deutlich unter seinen Möglichkeiten geblieben.“ Die unausgesprochene Hoffnung ist die, dass Julian Brandt öfter das zeigt, was ihn zu einem besonderen Spieler macht. Grundsätzliche Zweifel an seinen Fähigkeiten hegt noch niemand.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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