BVB-Lizenzspielleiter Sebastian Kehl: „Wir sollten weiter mutig sein“

Borussia Dortmund

BVB-Lizenzspielleiter Sebastian Kehl spricht über die Rückkehr von Marco Reus, über Sorgenfalten, über System-Diskussionen und über seine anstehende Vertragsverlängerung.

Dortmund

, 04.09.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 5 min
Sebastian Kehl bei der Medienrunde am Rande des BVB-Trainings am Freitag.

Sebastian Kehl bei der Medienrunde am Rande des BVB-Trainings am Freitag. © Christopher Neundorf/Kirchner-Media

Sebastian Kehl stand nur bildlich im Regen, als er am Freitag vor die Presse trat. Es tropfte unentwegt vom Himmel. Eigentlich aber hat der Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung gut lachen. Seine Vertragsverlängerung bei Borussia Dortmund steht kurz bevor, seine Perspektiven im Verein sind vielversprechend. Auf die neue Saison blickt er grundsätzlich sehr optimistisch, auch wenn es in der Vorbereitung Wermutstropfen und Sorgenfalten gab.

Das sagt BVB-Lizenzspielleiter Sebastian Kehl über...


… seine anstehende Vertragsverlängerung: „Es gibt noch nichts, was ich heute verkünden kann. Wir haben uns nochmal zusammengesetzt und ein paar Dinge besprochen. Das ist auch für mich persönlich wichtig, wie es in Zukunft weitergehen soll. Wir haben unsere Vorstellungen noch einmal übereinander gelegt, aber wir sind noch nicht zu einer finalen Entscheidung gelangt. Das wird aber nicht mehr so lange dauern.“

… Marco Reus: „Ich habe einen sehr guten Eindruck von Marco. Er hat in den vergangenen zwei, drei Wochen sehr gut trainiert. Er hinterlässt im Moment, nachdem er ja im Sommer eine schwierige Phase hatte, einen unheimlich guten und positiven Eindruck. Er versprüht sehr viel Freude. Er wird am Montag im Testspiel gegen Sparta Rotterdam auch spielen. Und das freut uns natürlich. Die Leidenszeit war sehr lang – und wir haben mit ihm gelitten. Aber jetzt ist er wieder in einer guten Verfassung und freut sich extrem, wieder mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen. Er kann alles absolvieren, aber er wird natürlich noch ein paar Einheiten nachholen müssen. Das ist ja auch ganz normal. Erst einmal sind wir aber heilfroh, dass er zurück ist. Und wir hoffen, dass er dauerhaft gesund und stabil bleibt.“

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Marco Reus kurz vor BVB-Comeback – Dan-Axel Zagadou fehlt länger

… Marco Reus‘ Weg zurück aus der Verletzungspause: „Marco hat leider schon einige dieser Erfahrungen sammeln müssen in seiner Karriere. Er hat einige Verletzungen auskurieren müssen. Auch diese war sicherlich nicht einfach für ihn, das ist doch klar. Wir haben ihn die ganze Zeit betreut, es ging immer wieder hoch und runter. Das ist manchmal so in einer Verletzungspause. Wir mussten uns viel Zeit nehmen, auch wenn wir ihn sehr gerne früher dabei gehabt hätten. Er hat es trotzdem sehr gut gemacht, er ist auch im Umgang mit Verletzungen reifer geworden. Das Entscheidende wird sein, dass er dauerhaft gesund bleibt und wieder ins Stadion einlaufen darf. Dann wird er auch wieder seine Rolle bei Borussia Dortmund einnehmen.“

… den Stand der Vorbereitung: „Wir hatten ja am vergangenen Freitag die beiden Testspiele gegen Paderborn (1:1, Anm. d. Red.) und den VfL Bochum (1:3, Anm. d. Red.). Da waren die Nationalspieler noch dabei. Danach ist unsere Mannschaft geteilt worden. Das ist sicherlich nicht ganz glücklich für die Vereine, dass diese Länderspielphase jetzt ansteht, aber es war eben auch nicht anders zu regeln. Gut ist, dass der eine oder andere vielleicht ein bisschen Pflichtspiel-Praxis sammeln kann. Hier in Dortmund konnten wir in den vergangenen Tagen trotzdem gut arbeiten. Gestern gab es zwei Einheiten, heute auch, am Wochenende wird auch gearbeitet, Montag folgt dann das Testspiel. Wir versuchen also, die Zeit zu nutzen. Wir wissen, dass der eine oder andere noch ein bisschen Zeit brauchen wird. Das gilt zum Beispiel für Reinier, aber auch er wird am Montag spielen und macht einen guten Eindruck. Mahmoud Dahoud hat die Zeit genutzt, um nach seiner Verletzung wieder zurückzukommen. Am Montag wird man hier also das eine oder andere Gesicht auf dem Platz sehen, das wir zuletzt schmerzlich vermisst haben. Der Kader füllt sich langsam. Und wir werden sehr, sehr gut vorbereitet sein, wenn die Saison losgeht. Und wir freuen uns auf den Start.“

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… Sorgenfalten nach den zuletzt enttäuschenden Testspiel-Eindrücken: „Ja, die Sorgenfalten gab’s. Das haben wir ja auch zugegeben und es konnte ja auch jeder sehen. Es ist trotzdem noch Vorbereitung. Das darf nicht die Ausrede sein für viele Dinge, der eine oder andere wird sich definitiv steigern müssen. Das haben wir auch besprochen. Ich denke aber, dass die Mannschaft schon am Montag ein ganz anderes Gesicht zeigen wird. Wir haben eine lange und intensive Saison vor uns. Die Testspiele sollte man jetzt noch nicht überbewerten.“


… die Pläne mit Immanuel Pherai und Ansgar Knauff: „Wir hatten den einen oder anderen jungen Spieler dabei. Nnamdi Collins war ja auch noch da. Es war gut für die Jungs, mal bei uns reinzuschnuppern und sich auf diesem Niveau zu testen. Auch der Trainer konnte sie mal sehen. Sie werden bis zum Pokalspiel erst einmal bei uns bleiben und dann werden wir eine grundsätzliche Entscheidung treffen, wie es für die Jungs weitergeht. Der eine oder andere hat aber sicherlich sehr gut auf sich aufmerksam gemacht. Trotzdem haben wir natürlich eine hohe Qualität, gerade im offensiven Bereich. Die Verträge von Immanuel Pherai und Ansgar Knauff laufen im nächsten Sommer aus. Da werden wir uns zu gegebener Zeit mit beschäftigen.“

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… die Personalsituation in der Abwehr: „Leider war es so, dass wir den einen oder anderen Spieler in der Vorbereitung nicht zur Verfügung hatten. Dan-Axel Zagadou laboriert immer noch an einer Knieverletzung und wird auch noch ein bisschen ausfallen. Es ist für ihn und für uns sehr ärgerlich, dass ihn erneut eine Außenbandverletzung zur Pause zwingt. Eine richtige Prognose ist einfach schwierig, aber es wird noch ein paar Wochen dauern. Davon müssen wir ausgehen. Es standen leider nicht alle Stammkräfte zur Verfügung in der Vorbereitung. Mats Hummels hat ja am Anfang auch gefehlt. Ich denke, das Thema Defensive wird sich jetzt langsam stabilisieren. Und der Trainer wird sich natürlich sehr viele Gedanken darüber machen, in welcher Formation und welcher personellen Besetzung er dann spielen lassen wird. Im Moment mache ich mir deswegen noch nicht so viele Sorgen.“


… nur drei gelernte Innenverteidiger im Kader: „Wir haben ein paar Spieler im Kader, die auf unterschiedlichen Positionen spielen können. Und es hängt sicherlich auch vom System ab. Auch darüber machen wir uns natürlich Gedanken, das ist Teil unseres Jobs. Wir tauschen uns natürlich auch mit dem Trainer darüber aus – und wir werden uns die Situation selbstverständlich weiter genau anschauen.“

… die Systemfrage: „Es stimmt, dass der Trainer in der Vorbereitung sehr, sehr häufig die Viererkette gewählt hat. Er hat aber auch die Dreierkette trainieren lassen. Das System haben wir in der vergangenen Saison sehr häufig gespielt. Ich glaube, dass sich der Trainer darüber sehr viele Gedanken macht. Und natürlich diskutieren wir auch darüber mit dem Trainer. Er möchte flexibel sein und verschiedene Systeme einstudieren. Am Ende wird er eine Entscheidung treffen, in welcher Formation und in welcher personellen Besetzung wir spielen. Wir haben verschiedene Möglichkeiten und sind, glaube ich, auch personell in verschiedenen Systemen ganz gut aufgehoben. Es gibt immer Spieler, die das eine oder das andere System favorisieren. Aber am Ende trifft der Trainer die Entscheidung – und das ist richtig und wichtig so.“


… eine mögliche Zuschauer-Rückkehr in die Stadien: „Das ist ein Thema, das uns sehr beschäftigt. Wir versuchen, uns bestmöglich auf alle Szenarien vorzubereiten. Einzelne Vereine dürfen wieder mit Zuschauern spielen. Ich glaube, das ist ein guter Schritt. Einfach deshalb, um dem Fußball die Möglichkeit zu geben, sich weiter zu beweisen. Wir sind in den vergangenen Monaten sehr verantwortungsvoll vorgegangen. Am Ende ist es ja eine Entscheidung, die über den Fußball hinausgeht, auch die Kultur ist davon betroffen. Ich finde, wir sollten weiter mutig sein. Wir dürfen uns als Fußball nicht überhöhen, aber trotzdem müssen wir versuchen, den Weg zurück in die Normalität zu finden. Wir fordern keine ausverkauften Stadien oder hohe Zuschauerzahlen. Aber ein sukzessiver Start in diese Richtung tut der ganzen Branche gut, auch den kulturellen Betrieben. Deswegen wünsche ich mir, dass diese Tests, die jetzt bei manchen Vereinen anlaufen, alle gut ausgehen. Auch die wissenschaftlichen Studien, die von der DFL in Auftrag gegeben werden, sind ein positiver Aspekt. Wir beleuchten genau, was wir da tun. Und wir können es gegebenenfalls auch nochmal anpassen.“

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