BVB macht existenzbedrohende Situation öffentlich

Heute vor zehn Jahren

Gerade erst hatte der Schiedsrichter-Wettskandal um Robert Hoyzer den deutschen Profi-Fußball erschüttert, da sorgte in Borussia Dortmund ein Traditionsklub für ein erneutes Beben. Am 17. Februar 2005, heute vor zehn Jahren, meldet der BVB in einer Börsen-Pflichtmitteilung eine "existenzbedrohende Ertrags- und Finanzsituation". Wir blicken zurück.

DORTMUND

, 17.02.2015, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hans-Joachim Watze bei der Pressekonferenz am 17. Februar 2005.

Hans-Joachim Watze bei der Pressekonferenz am 17. Februar 2005.

Wenige Stunden später lädt der Klub zu einer Pressekonferenz ins Stadion. Auf dem Podium sitzen der damalige Manager Michael Meier, der neue Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Dr. Jochen Rölfs, ein Wirtschaftsberater, der sich als Sanierer einen Ruf erworben hat und in Düsseldorf die Wirtschaftsberatung „RölfsPartner“ leitet.

Sanierungsplan gebastelt

Mit seinen Mitarbeiten hat Rölfs im Hintergrund seit Monaten am Sanierungsplan für den BVB gebastelt, der nun vorgestellt werden soll. Eine der federführenden Personen bei der Ausarbeitung eines Konzepts für den hoch verschuldeten Klub ist dabei Thomas Treß, den Watzke später zum BVB und an seine Seite holt.

Meier wird gefragt, ob das von ihm geführte Unternehmen noch liquide sei. Mehr als 100 Journalisten sitzen im Raum, es ist mucksmäuschenstill nach der Frage. Ein bedrückendes Schweigen folgt, ehe Meier zögernd erwidert: „Herr Rölfs, antworten Sie …“ Rölfs spricht Sätze, deren brutale Klarheit die monatelange Verschleierungs- und Hinhalte-Taktik des BVB beenden. „Lehnen die Gläubiger den Sanierungsplan ab, war’s das. Dann ist Schluss. Der BVB hat nichts mehr in der Hinterhand!“

"Durch Verluste aufgezehrt"

Die folgenden Ausführungen der Geschäftsführung belegen das ganze Ausmaß der Misere. Unter Berücksichtigung der Verluste aus den Vorjahren seien rund 79 Prozent des eingezahlten Kapitals der Aktionäre in Höhe von 179,5 Millionen Euro „durch Verluste aufgezehrt“. Für das gesamte Geschäftsjahr rechne man mit einem Defizit von 68,8 Mio. Euro, damit würde der Schuldenberg auf 135 Millionen Euro anwachsen. Die Börse reagiert prompt, die BVB-Aktie verliert im Laufe dieses Tages rund 30 Prozent.

 

Meier erläutert, dass die Gläubiger nicht auf ihre Forderungen verzichten, sondern den Fälligkeitszeitraum ausdehnen und dafür eine entsprechende Verzinsung erhalten sollen. „Einige haben ihre Zustimmung signalisiert, drei müssen wir noch überzeugen.“

Endgültige Rettung am 14. März

Am Tag nach dem Offenbarungseid einigen sich die Finanzgläubiger an gleicher Stelle auf ein „Zins- und Tilgungsmoratorium“, wie der Klub in einer Ad-hoc-Meldung mitteilt. Doch erst am 14. März gelingt es Watzke und Präsident Dr. Reinhard Rauball in einer Eventhalle des Düsseldorfer Flughafens, auch die Anleger des Stadionfonds Molsiris vom Sanierungsplan zu überzeugen. Kernpunkt ist dabei der Rückkauf der Stadionanteile.

Acht Tage späte zieht der Klub den kompletten Schluss-Strich unter ein beispielloses Missmanagement. Der BVB teilt mit, dass der Ende Juni 2005 auslaufende Vertrag von Geschäftsführer Michael Meier nicht verlängert wird. In den folgenden Jahren muss die Borussia knallhart sparen und erlebt infolgedessen eine sportliche Dürrephase. Dann kommt der 23. Mai 2008. Es ist der Tag, an dem der BVB Jürgen Klopp als neuen Trainer vorstellt. Der Wendepunkt.

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