BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt nach seinem Treffer zum 2:2 in Leverkusen. © imago / Team 2
Borussia Dortmund

BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt: Fußball zwischen zwei Extremen

Julian Brandt steht beim 4:3 in Leverkusen erstmals unter Marco Rose in der BVB-Startelf. Der Mittelfeldspieler trifft zum zwischenzeitlichen 2:2 – doch seine Gesamtleistung wirft erneut Fragen auf.

Gefragt danach, was Julian Brandt für einen Einsatz in Leverkusen als Vertreter des verletzten Giovanni Reyna prädestiniere, antwortete Marco Rose auf der Pressekonferenz vor dem Spiel mit entwaffnender Ehrlichkeit: „Dass wir ansonsten nicht so viele Achter haben.“ Der BVB-Trainer machte eine zweisekündige Pause, dann fügte er an: „Aber das würde Jule nicht gerecht werden. Er ist gut drauf, das prädestiniert ihn dafür.“ Brandt habe eine hervorragende Vorbereitung gespielt. „Wir wünschen uns, dass er seine Form der Vorbereitung bestätigt und auf den Platz bringt“, unterstrich Rose. Beim furiosen 4:3-Sieg gegen Bayer Leverkusen bestätigte Brandt (unfreiwillig) beide Aussagen seines Trainers.

Brandt wirkt teilweise gegen Leverkusen eher wie eine BVB-Notlösung

Mit einer gewissen Lässigkeit Fehler begünstigend, erweckte Brandt den Eindruck, dass er als Reyna-Ersatz keinesfalls prädestiniert, sondern mit dieser Leistung bestenfalls eine Notlösung ist. Mit dynamischen Offensiv-Vorstößen und seinem sehenswerten Treffer zum 2:2 wiederum demonstrierte der Blondschopf aber auch seine großen Fähigkeiten.

Es waren 90 Minuten, die einmal mehr exemplarisch die gesamte Bandbreite von Brandts bisherigem Wirken in Dortmund widerspiegelten. Für den 25-Jährigen war es nach überzeugender Vorbereitung und zweiwöchiger Corona-Quarantäne der erste Startelf-Einsatz. Marco Rose beorderte ihn auf die Zehn und damit direkt hinter die Doppelspitze. Eine Position, die Brandt gegenüber der auf dem Flügel oder der Halbposition eindeutig bevorzugt.

Schlampige BVB-Defensivarbeit: Brandt trabt Paulinho hinterher

Nach neun Minuten lag der BVB bereits mit 0:1 zurück. Und schon wenig später hätte Brandt an alter Wirkungsstätte für den raschen Ausgleich sorgen können. Doch nach feinem Zuspiel von Erling Haaland traf er den Ball nicht richtig, schob ihn am Leverkusener Tor vorbei.

Bedenklich war Brandts Reaktion, als er ebenso wie Thomas Meunier nach 24 Minuten von Paulinho überspielt wurde. Im Gegensatz zum Belgier unternahm Brandt nicht einmal ernsthaft den Versuch, sich an die Fersen des Brasilianers zu heften, sondern trabte gemächlich zurück. Beherzter Einsatz geht anders.

Brandt mit dem BVB in Leverkusen: Erst Ballverlust, dann Traumtor

Dennoch war er nach 38 Minuten an der Entstehung des Ausgleichs beteiligt, als er geistesgegenwärtig den Ball auf rechts zu Meunier verlagerte, der den 1:1-Kopfballtreffer Haalands per Flanke vorbereitete. Die Freude darüber währte nur kurz. Denn Brandts Ballverlust gegen Kerem Demirbay sorgte dafür, dass es für den BVB mit einem 1:2-Rückstand in die Kabine ging.

Eine Hälfte der Gegensätze, die auch nach Wiederanpfiff ihre Fortsetzung finden sollte. Der zweite Durchgang war gerade vier Minuten alt, da sorgte Brandt für den vielleicht schönsten Treffer des Nachmittags. Nach Vorlage von Erling Haaland stieß er blitzschnell ins Zentrum vor, schüttelte Jonathan Tah ab, nahm den Ball mit der rechten Hacke mit, legte ihn sich mit links selbst vor und hämmerte ihn aus spitzem Winkel zum 2:2 in die Maschen. Unwiderstehlich. Brandt schrie – umringt von seinen Mannschaftskollegen – seine Freude und wohl auch Erleichterung heraus.

Schwache Zweikampfquote – trotzdem ein Lob von BVB-Trainer Rose

„Er hat ein sehr schönes Tor gemacht“, lobte BVB-Coach Marco Rose, der aber auch den Ballverlust seines Schützlings vor dem 1:2 nicht verschwieg. Brandt führte am Samstag die meisten Zweikämpfe (24) aller Borussen. Aber er wies zugleich nach Mahmoud Dahoud (36,8 Prozent) die zweitschlechteste Zweikampfquote (37,5) auf. In seiner Defensivarbeit ließ Brandt in Leverkusen sehr zu wünschen übrig. Offensiv wiederum stellte er eine Bereicherung da. Es war nicht das erste Mal, dass sich der Mittelfeldspieler in diesem Spannungsfeld bewegte.

In der Nachbetrachtung des Nachmittags entschied sich BVB-Trainer Marco Rose aber für die positive Bewertung. „Wir sind froh, dass wir ihn und seine Qualitäten auf unterschiedlichen Positionen haben. Er ist ein richtig guter Fußballer, der in die Welt passt“, sagte Rose. Dass noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist, räumte aber auch der BVB-Trainer ein: „An den Dingen, an denen wir mit ihm arbeiten müssen, werden wir weiterarbeiten.“

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