BVB-Neuzugang Julian Brandt ist allen ein Rätsel - auch sich selbst

mlzBorussia Dortmund

Julian Brandt wechselte im Sommer mit vielen Vorschusslorbeeren zum BVB. Doch der wortgewandte Blondschopf gibt immer mehr Rätsel auf. Die Partie in München bekräftigt diesen Eindruck.

München

, 12.11.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Ende der 90 Minuten, die Julian Brandt sogar durchspielen durfte, meinte es die Statistik gnädig mit dem Dortmunder. Man konnte nachlesen, dass er viel gelaufen war (12,73 Kilometer), und die Zweikampfquote von 50 Prozent gewonnener Duelle ist für einen Kreativspieler wie Brandt, der in vorderster Front eher körperlich robusten und manchmal auch Angst einflößenden Gesellen begegnet, auch nicht so schlecht.

Die Zahlen aber gaben nicht wieder, was die Zuschauer auf dem Feld gesehen hatten. Einen zaudernden, ängstlichen, mutlosen und nun gar nicht kämpferischen Julian Brandt, dem auch Dynamik und Zielstrebigkeit vollkommen abgingen. Die Stärken, die er besitzt, konnte er auch in München nicht abrufen. Brandt ist allen ein Rätsel. Auch sich selbst.

Die Körpersprache von Julian Brandt ist ein Alarmzeichen

Brandts Körpersprache reihte sich ein in die der meisten Mitspieler. Er signalisierte: Okay, ihr seid heute hier die Besseren, wir geben auf. Die Bayern hatten die Partie früh in den Köpfen für sich entschieden. Auch Julian Brandt spürte wohl den Lauf der Dinge, wehren dagegen konnte auch er sich nicht.

„Ich dachte, wir wären nach den drei Siegen zuletzt etwas weiter. Ich hatte gehofft, wir würden Schwung mitnehmen daraus.“
Julian Brandt

Was da ablief auf dem Rasen, konnte der 23-Jährige später messerscharf analysieren. „Viele Fehler“ habe man gemacht, „wir waren immer zu weit weg, hatten wenig Ideen. Die Konzentration hat gefehlt, und wir haben uns viel zu tief reindrängen lassen.“ Und das Hauptproblem: „Gegen Inter waren wir nach der Pause mutig, haben auch mal riskant gespielt. Das war heute nicht so.“

Weil Marco Reus nur auf der Bank saß, durfte Brandt sogar auf seiner Lieblingsposition agieren, enttäuschte dort aber über alle Maßen. Seine Körpersprache war ein Alarmzeichen, der Kopf lähmte unübersehbar die Beine. „Ich dachte“, meinte Brandt ernüchtert, „wir wären nach den drei Siegen zuletzt etwas weiter, ich hatte gehofft, wir würden Schwung mitnehmen daraus.“ Brandt sagte „wir“, nicht „ich“, dennoch passte sein Satz vor allem auf seine eigene Leistung.

Brandt hofft auf einen BVB-Neustart gegen Paderborn

Am Montag nach dem 0:4 in München brach Brandt zur Nationalmannschaft auf, die Aufarbeitung den München-Spiels wird Lucien Favre wieder einmal verschieben müssen, bis dann zehn, elf Tagen später alle Nationalspieler wieder zurück in Dortmund sind. Vielleicht, sinnierte Brandt noch, sei das aber gar nicht so schlecht. „Vielleicht“, meinte er, „ist das ganz gut, dass wir jetzt ein paar Tage auseinander gehen und dann gegen Paderborn neu anfangen.“

BVB-Neuzugang Julian Brandt ist allen ein Rätsel - auch sich selbst

© Deltatre

Man kann nur hoffen, dass das veränderte Umfeld in den kommenden Tagen den Kopf auch bei Julian Brandt kräftig durchlüftet. Frei und mit Leichtigkeit Fußball zu spielen, davon ist er meilenweit entfernt. Derzeit arbeitet er eher Fußball, was bei einem Kreativspieler immer nach großer Mühe aussieht. Brandt muss um jedes kleine Erfolgserlebnis ringen. Und wird aktuell immer wieder von Rückschlägen geplagt. Das ist für ihn und den BVB kein gutes Zeichen.

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