Dortmunds Neuzugang Thomas Meunier (r.) hat in seiner kurzen Zeit beim BVB noch nicht alle Kritiker überzeugt. © picture alliance/dpa
Borussia Dortmund

BVB-Neuzugang Meunier: Kritiker sollten den Optiker aufsuchen

Die breite Masse an BVB-Fans hat Neuzugang Thomas Meunier noch nicht von sich überzeugen können. Doch Sportdirektor Michael Zorc schwärmt geradezu vom Belgier.

Der Konter sah vielversprechend aus. Nach einer Freiburger Ecke marschierte Thomas Meunier auf der rechten Seite mit viel Tempo nach vorne, mehrere Mitspieler liefen in Position. Borussia Dortmunds belgischer Außenverteidiger schaute hoch, dribbelte weiter, schaute noch einmal und passte den Ball dann derart scharf in Richtung Strafraum, dass auch der technisch beschlagene Raphael Guerreiro das Zuspiel nicht verwerten konnte. Chance vertan!

Am klaren Sieg des BVB gegen den SC Freiburg änderte diese Szene nichts, doch manche Beobachter rauften sich die Haare. Meunier (29) sei noch nicht richtig angekommen in der Mannschaft, lautete manches – frühe – Urteil. Komplett überzeugt hat der Neuzugang, ablösefrei von Paris Saint-Germain gekommen, bislang nicht alle Fans der Schwarzgelben. Einen entscheidenden Mann hat er jedoch auf seiner Seite: Sportdirektor Michael Zorc. Er empfiehlt den Kritikern Meuniers (RN-Durchschnittsnote: 3,8) bildlich gesprochen einen Besuch beim Optiker.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc: Meunier macht sehr, sehr wenig Fehler

„Thomas sorgt für eine sehr gute Balance in seinem Spiel. Seine körperliche Präsenz und seine Ausstrahlung helfen uns enorm“, sagte Zorc im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten voller Überzeugung über seinen Einkauf. „Außerdem macht er sehr, sehr wenig Fehler.“

Die „Heatmap“ von Thomas Meunier im letzten Bundesligaspiel gegen den SC Freiburg. © deltatre © deltatre

Am Samstag galt das nicht in Gänze, verrät der Blick in die Datenbank. Meunier gewann nur einen (!) seiner acht Zweikämpfe, obwohl er doch vor allem in der Defensive seinen Tätigkeitsschwerpunkt hat. Allerdings zog er mit Abstand die meisten Sprints an (34) und erinnerte damit an seinen Vorgänger auf der rechten Außenbahn, Achraf Hakimi. Doch an dessen 19 Scorerpunkten aus der vergangenen Saison kann und darf man Meunier nicht messen, weil er schlicht ein anderer Spielertyp ist.


Der WM-Dritte von 2018 kann offensiv Akzente setzen, das beweist seine Quote von 13 Toren und 21 Assists in 128 Partien für PSG, hinzu kommen sieben Treffer in 40 Länderspielen. Seinen besonderen Wert erhält er jedoch durch seine taktische Disziplin, seinen Fleiß und seine Verlässlichkeit. Gerade wegen der vielen jungen Wilden auf dem Platz benötigt der BVB hinten rechts keinen Hakimi light, sondern einen gestandenen, abgezockten Profi wie Meunier.

Nicht nur Meunier: BVB schnürt fast 50 Millionen Euro schweres Paket

„Mindestens genauso wichtig wie die Verpflichtung von Jude Bellingham war der Transfer von Thomas Meunier“, sagte Zorc dieser Tage, „er bringt extrem viel Erfahrung mit, eine Top-Mentalität und eine enorme körperliche Robustheit.“

Seinen Wert werde der flotte Postbote (Topspeed: 33,6 km/h), dessen Gesamtpaket mit Handgeld und Provisionen bei vier Jahren Vertragslaufzeit an die 50 Millionen Euro schwer sein soll, auch den Skeptikern noch beweisen, davon ist man beim BVB überzeugt. Gelegenheiten wird es ab Mitte Oktober en Masse geben, auf seiner Position könnten ihn Felix Passlack und der genesene Mateu Morey punktuell entlasten. Doch eine Gemeinsamkeit haben Meunier und Hakimi gleichwohl: Beide Flügelflitzer sind sehr belastbare Athleten.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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