BVB-Neuzugang Meunier trifft auf Ex-Klub Brügge: „Wie ein altes Auto“

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Thomas Meunier haben bislang weder Umwege noch Rückschläge aus der Bahn geworfen. Auch nicht sein komplizierter BVB-Start. Die Formkurve zeigt vor dem Wiedersehen mit Ex-Klub Brügge nach oben.

Dortmund

, 03.11.2020, 16:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor die Wahl gestellt, ging Thomas Meunier die Sache pragmatisch an. So hatte er seine Angelegenheiten bisher immer gelöst. Die Augenbrauen mögen zwar hochgeschnellt sein, die Fragezeichen zeichneten sich wohl auch auf der Stirn ab, als Brügges Trainer Georges Leekens ihn vor die Wahl stellte. Ob er denn ein guter Spieler werden wolle, oder ein ganz Großer? Meunier, 21 Jahre jung, stellte der belgischen Trainerlegende keine Gegenfragen. „Ich wollte auf jeden Fall spielen“, erklärte er später, warum er ab dem Sommer 2012 seinen Dienst beim blau-schwarzen Traditionsklub fortan als rechter Verteidiger versah und nicht mehr als Flügelstürmer.

2012 traf Thomas Meunier die beste Entscheidung seiner Laufbahn

Den geraden, den direkten Weg hatte der Junge, im Südosten des Nachbarlandes aufgewachsen, selten eingeschlagen. Mit seinem Talent im Fußball machte er durchaus früh auf sich aufmerksam, aber als er 15 Jahre alt war, sortierte ihn Standard Lüttich - anders als Axel Witsel oder Christian Benteke - in der Jugendakademie aus. Nicht genug Potenzial. Meunier, Sohn eines Technikers und einer Krankenschwester, bei der er nach der Trennung der Eltern aufwuchs, fing wieder unten an, sportlich gesehen in der dritten Division, und jobbte nach seiner Schulzeit als Postbote oder agerarbeiter bei einem Hersteller von Autofenstern.

Nach der Mittagspause ging es zum Training, am Wochenende schoss er Tore. So viele, dass ihn 2011 der Ruf aus Brügge ereilte. Ein Jahr später traf Meunier die wohl beste Entscheidung seiner Fußballer-Laufbahn, siehe oben. In Belgien wurde er Publikumsliebling im Jan-Breydel-Stadion, Meister und Pokalsieger. Mit Paris Saint-Germain sammelte er ab 2016 elf Titel, mit der Nationalmannschaft wurde er WM-Dritter.

Die Mentalität von Thomas Meunier passt sehr gut zum BVB

Seit dem Sommer ist der 29-Jährige Dortmunder Borusse und wartet mit einer Berufsauffassung auf, die sehr gut ins Ruhrgebiet passt. „Ich bin nicht super talentiert“, meint Meunier, aber ich arbeite hart und beschwere mich nicht, auch wenn ich etwas nicht mag. Ich mache es einfach, weil es Teil des Jobs ist. Und ich gebe nie auf.“

Von seinen Fähigkeiten als Torjäger mag er einige eingebüßt haben auf seinem Weg, große Tormöglichkeiten etwa bei Lazio in Rom oder im Supercup beim FC Bayern München vergab er reichlich ungeschickt. Den Windhund auf der rechten Seite, der er früher war und heute nicht mehr sein will und soll, den Dauerläufer mit unbändigem Offensivgeist, den gibt es nicht mehr. Von Thomas Tuchel bei PSG habe er gelernt, seinen Vorwärtsdrang zu zügeln, ähnlich übrigens wie sein BVB-Vorgänger Lukasz Piszczek.

BVB-Neuzugang Meunier steht für eine sehr robuste Athletik

Heute steht Meunier für eine gute Balance im Spiel, für eine sehr robuste Athletik, für Sicherheit zuerst und Angriff bei Gelegenheit. Auch wenn die ersten Wochen beim BVB nicht wie geplant verliefen, sich die Kritik mehrte, blieb er betont konzentriert: „Alles war neu für mich. Das habe ich aber auch so erwartet.“ Inzwischen konnte er „gut Fuß fassen nach sieben Monaten Pause bei PSG. Wir hatten alle wenig Spielpraxis. Aber das kommt zurück.“ Für Meunier steht fest: „Ich trage meinen Teil zum Ganzen bei.“ Die letzten drei Siege ohne Gegentor „zeigen, dass wir uns auf dem aufsteigenden Ast befinden und uns weiter verbessern“.

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Vor dem Wiedersehen am Mittwoch (Anpfiff: 21 Uhr/live im TV) lobt er seinen alten Klub. „Brügge ist es gelungen, Konstanz an den Tag zu legen. Das Rückgrat der Mannschaft ist über die Jahre im Verein geblieben.“ Beim Vergleich mit dem BVB sieht er viele Ähnlichkeiten. „Beide Vereine sind sehr beliebt, sie haben viele Fans im ganzen Land und dieselbe Mentalität. Dortmund muss man nicht beschreiben. Schon am Fernsehen sieht man, wie es ist, für den BVB zu spielen.“ In Frankreich habe man großen Respekt vor der Borussia, in Belgien sei die Wertschätzung noch größer. „Ich bezeichne den BVB gern als die Weiterentwicklung meines Heimatklubs Brügge: ambitioniert und authentisch und auf angenehme Weise bodenständig.“

Nur Mats Hummels kommt beim BVB auf mehr Einsatzminuten

Bodenständig bleiben und kämpfen bis zum Umfallen, das sind Tugenden, die sich Meunier selber vornimmt. Er ist sehr belastbar, in seiner Mannschaft hat von den 900 möglichen Pflichtspielminuten nur Mats Hummels (882) mehr auf dem Rasen verbracht als er (792), trotz einer Muskelverletzung im August. Zwei Länderspieleinsätze für Belgien kommen noch dazu. Im Rahmen seiner Vorstellung beim BVB hat er, Kunstfreund, in einem Porträt ein passendes Bild dazu gemalt: „Je weniger ich spiele, desto mehr Probleme häufen sich. Ich bin wie ein altes Auto, das man auf dem Parkplatz zurücklässt. Es wird schmutzig, Sand kriecht in den Motor, und deshalb muss man ständig zur Reparatur in die Werkstatt.“ Seine Folgerung: „Das Beste für mich ist, mich Kilometer machen zu lassen. Mein Körper ist es gewohnt, alles zu geben.“

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In Belgien weiß man das. In Dortmund zeigte die Formkurve nach schwachem Start zuletzt nach oben. Wenn er am Mittwochabend wieder im Breydel-Stadion einläuft, erinnert er sich vielleicht auch noch an Georges Leekens. Dessen Idee war damals gar nicht so schlecht.

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