BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball sagt über die Trennung von Lucien Favre: „Menschlich tut mir die Trennung von ihm sehr leid. Es gibt aber Situationen im Fußball, die Entscheidungen erfordern, die man aus rein menschlicher Sicht womöglich nicht treffen würde.“ © imago / Eibner
Exklusiv-Interview

BVB-Präsident Rauball: „Zeit, die Mannschaft in die Verantwortung zu nehmen“

Das 1:5-Debakel gegen Stuttgart lässt Dr. Reinhard Rauball nicht los. Im Exklusiv-Interview erklärt der BVB-Präsident, warum die Trennung von Trainer Lucien Favre unvermeidlich war.

Die jüngsten schwachen Leistungen des BVB in der Bundesliga hallen nach – und die Führungskräfte der Borussia erwarten jetzt eine klare sportliche Reaktion der Mannschaft. Allen voran Klub-Präsident Dr. Reinhard Rauball.

Herr Rauball, ein extrem hartes Wochenende liegt hinter Borussia Dortmund. Wie sehr steckt ihnen das Erlebnis des 1:5 gegen Stuttgart noch in den Knochen?
Das steckt noch merklich in den Knochen. Auch, weil es sich an die Spiele gegen Frankfurt und Köln anschließt. Die Niederlage war der Tiefpunkt dieser unangenehmen Reihe von Spielen, bei denen ich einen anderen Ausgang erwartet hätte. Und nicht nur der Tabellenstand sorgt uns, sondern auch der enger werdende Raum, der hinter uns in der Tabelle liegt. Wir dürfen die Lage also keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen.

Was hat sie am meisten erschreckt?

Es sind nicht nur die verlorenen Punkte. Das Spiel unserer Mannschaft hat sich verändert. Und das ist nicht nur eine Sache des Trainers. Es ist an der Zeit, die Mannschaft in die Verantwortung zu nehmen. Sie hat es in der Hand. Egal, welches System man spielt, ob man es liebt oder nicht liebt, egal, welche Aufstellung man hat: Die elf Spieler, die auf dem Platz stehen, sind gefordert, das Beste für Borussia Dortmund zu geben. Alles aus sich herauszuholen. Geht nicht, gibt es nicht.

Sind Sie enttäuscht von der Mannschaft?

Die Borussia-Tugenden haben eindeutig gefehlt. Wir haben hoch qualifizierte Spieler, aber sie rufen augenscheinlich nicht immer alles ab, was möglich wäre.

Welche Erwartungen haben Sie jetzt an die BVB-Profis?

Auf allen, insbesondere aber auf den Spielern liegt jetzt eine Bringschuld. Es geht um die Punkteausbeute auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite muss sich die Mannschaft besinnen auf das, was Borussia-Dortmund-like ist – und was sie ja auch früher schon gezeigt hat.

Der jüngste sportliche Trend gestaltet sich klar negativ. Machen Sie sich Sorgen, die Saisonziele zu verpassen?

Die Sorge ist natürlich da, es besteht aber auch kein Grund zu Panik. Ein erstes Saisonziel ist schon erreicht, das Achtelfinale der Champions League, aber wir würden natürlich gern weiter kommen im Wettbewerb. Besorgniserregend war das Spiel gegen Stuttgart aber mit Blick auf unsere Ziele in der Bundesliga.

Warum konnte es keine Zukunft mit Lucien Favre mehr geben?

Die Entscheidung, jetzt zu reagieren und sich von Trainer Lucien Favre zu trennen, war nach Meinung aller Verantwortungsträger alternativlos. Favre ist ohne Zweifel ein geachteter Fachmann und ein Mensch, mit dem man sich gerne umgibt. Sogar im Restaurant ist er mal aufgestanden und hat mir haargenau erklärt vor allen Leuten, wie ein Innenverteidiger zu stehen hat. Es hat Spaß gemacht. Menschlich tut mir die Trennung von ihm sehr leid. Es gibt aber Situationen im Fußball, die Entscheidungen erfordern, die man aus rein menschlicher Sicht womöglich nicht treffen würde. Wir werden deshalb auch nicht vergessen, dass wir auch sehr gute Zeiten mit Lucien Favre hatten. Zwei erfolgreiche Spielzeiten mit jeweils der Vize-Meisterschaft und Erfolgen in der Champions League.

Nun soll es Edin Terzic als Nachfolger Favres richten. Terzic war zuvor noch nie Chefcoach. Birgt das nicht ein großes Risiko?

Gegenfrage: War Hansi Flick vorher in der Bundesliga schon einmal Cheftrainer, bevor er den FC Bayern übernommen und erfolgreich geführt hat?

Nein.

Es ist also ein gutes Beispiel dafür, dass es auch so gehen kann. Ich bin ohnehin ein Freund davon, nicht nur eingetretene Pfade zu gehen, sondern auch neue Wege zu wagen. Ganz klar: Wir trauen es Edin Terzic zu. Ich freue mich darauf, wenn er die BVB-Tugenden, die er schon lange kennt, in den kommenden Monaten als Cheftrainer umsetzen kann.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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