BVB-Profi Brandt: „Für Platz zwei lässt niemand die Korken knallen“

Borussia Dortmund

Julian Brandt blickt auf eine turbulente BVB-Saison zurück. Mit Platz zwei dürfe Borussia Dortmund nicht zufrieden sein. An eine Partie erinnert sich der 24-Jährige besonders gerne zurück.

Dortmund

, 21.06.2020, 16:53 Uhr / Lesedauer: 4 min
Starke Vorstellung gegen Leipzig: BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt (r.).

Starke Vorstellung gegen Leipzig: BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt (r.). © Kevin Voigt/Jan Huebner/Pool

Bevor BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt nach dem Sieg in Leipzig seine zwei freien Tage genießen konnte, stellte er sich in einer Videokonferenz den Journalisten.


Julian Brandt sprach dabei über ...


… den BVB-Auftritt in Leipzig: „Wir haben nach dem Spiel gegen Mainz zurecht viel Kritik einstecken müssen. Auch das Spiel davor in Düsseldorf war schon schlecht. Deswegen war es wichtig, gerade auch gegen Leipzig zu zeigen, dass wir jederzeit unsere Qualität abrufen können. Unser Gesicht am Samstag war ein anderes als in den Wochen davor.“

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Zoom-Interview: Brandt über Titelkampf, BVB-Entwicklung und Sancho

… die Saison nach dem Bayern-Spiel: „In dem Spiel ging es um alles, da hatten wir eine große Chance, noch in den Titelkampf einzugreifen. Wenn du dann verlierst und sieben Punkte hinter den Bayern stehst, dann weißt du, dass es schwer wird, sie noch einzuholen. Wir hätten zumindest eins der direkten Duelle gegen München gewinnen müssen. Aber das allein war nicht der Knackpunkt der Saison, das waren andere Spiele, in denen wir unnötig Punkte abgegeben haben. Wir hatten in der Hinrunde 30 Punkte, in der Rückrunde sind es vor dem letzten Spieltag schon 39. Insgesamt haben wir durch die vielen Unentschieden in der Hinrunde Punkte liegen gelassen. Mit einer besseren Ausgangssituation hätten wir mehr Druck ausüben können. Gleichzeitig muss man anerkennen: Die Bayern spielen eine fantastische Rückrunde und haben jetzt 15 Siege hintereinander eingefahren, da muss man auch den Hut vor ziehen.“


… die Bedeutung der Winter-Neuzugänge: „Wir haben in Erling Haaland und Emre Can zwei sehr, sehr wichtige Spielertypen hinzubekommen, die uns in der Hinrunde gefehlt haben. Ein Stoßstürmer wie Erling, physisch und dazu noch so schnell, gibt uns mehr Möglichkeiten und mehr Tiefe im Spiel. Und Emre ist einfach da! Er macht Meter, hat eine unglaubliche Präsenz, haut dazwischen. Es wäre eine andere Situation entstanden, wenn wir die gesamte Saison mit diesem Kader gespielt hätten. Es gab Siege in der Rückrunde, wo wir die Spiele in der Hinrunde nicht gewonnen hätten. Aber das soll keine Entschuldigung sein: Wir hatten auch in der Hinrunde genügend Qualität, um mehr Punkte zu holen.“

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… die Vizemeisterschaft: „Für Platz zwei lässt niemand die Korken knallen. Jeder Sportler will gewinnen, wir wollten das ganz Große. Wir hatten uns vorgenommen, an der Spitze zu stehen und nicht hinter einem Konkurrenten. Der BVB ist jetzt zweimal Vizemeister geworden und ist der erste Bayern-Jäger. Wir werden es in der nächsten Saison aufs Neue versuchen und wollen Wettbewerbe gewinnen. Diese Rückrunde macht ja auch Mut - den müssen wir mitnehmen. Sollten wieder Fans zugelassen werden, würde das auch nochmal beflügeln, gerade bei unserem tollen Publikum in Dortmund. Wir dürfen mit Platz zwei nicht zufrieden sein. Die Mannschaft ist hungrig, wir haben Bock, Titel zu gewinnen und wir können das auch. Wir müssen die Messlatte hoch legen. Wir sind nicht wütend. Aber auch nicht zufrieden. Wir wollen mehr. Dazu brauchen wir ein verdammt gutes Jahr, vom Anfang bis zum Ende.“


… seine Saisonbilanz: „In der Hinrunde war es ein Auf und Ab, in der Rückrunde haben wir sehr konstant gespielt, auch die Punktausbeute war dann gut. Das Aus im DFB-Pokal gegen Werder tut sicher heute noch weh. Die Chance war groß, bis ins Finale zu kommen. In der Champions League war es ein Ausscheiden in einer besonderen Situation, doch da wäre auch mehr möglich gewesen.“

… Verbesserungspotenzial: „Wir müssen es schaffen, auch in den Spitzenspielen zu gewinnen. Das Spiel in Leverkusen haben wir abgegeben, das 3:3 im Hinspiel gegen Leipzig, dazu zweimal gegen die Bayern verloren - da muss unsere Ausbeute besser werden. Du musst die Manschaften, die um dich herum stehen, bezwingen. Und die Gegner, die unten stehen, genauso ernst nehmen. Ein 3:3 zuhause gegen Paderborn darf uns nicht passieren. Wir werden nicht 34 Spiele gewinnen, aber mehr als ein, zwei schwächere Leistungen sind schon zu viel. Und nach Führungen noch so viele Punkte abzugeben, wie es uns passiert ist, das geht gar nicht. Da sind wir noch nicht ausgereift, anders als die Bayern. Aber da müssen wir hinkommen und ich glaube, wir schaffen das auch.“


… sein erstes Jahr beim BVB: „Turbulent! In den ersten Monaten musste ich mich einfinden, da habe ich auf vielen verschiedenen Positionen gespielt und kannte die Jungs auch noch nicht so gut. Das lief anfangs noch unharmonisch. Mittlerweile bin ich voll integriert in der Mannschaft und im Spiel. Meiner Meinung nach war es ein Jahr mit tollen Momenten. Ich erinnere mich zum Beispiel gerne an das Spiel gegen Inter Mailand. Ich bin echt zufrieden, weil es das erste Jahr war. Aber es kann und es wird auch noch viel besser werden.“

BVB-Profi Brandt: „Für Platz zwei lässt niemand die Korken knallen“

© Deltatre

… einen möglichen Wechsel von Jadon Sancho: „Ich bin schon zuversichtlich, dass Jadon auch nächstes Jahr noch bei uns spielt, und würde mich darüber freuen. Aber Fußball ist ein Tagesgeschäft, morgen kann alles schon wieder anders aussehen. Durch die Krise hat sich nochmal viel verändert. Ich drücke unserem Sportdirektor die Daumen, dass er da Lösungen findet. Ich bin mir sicher, dass wir auch in der kommenden Saison eine starke Mannschaft auf dem Platz haben werden.“


… das Saisonfinale: „Körperlich fühlen wir uns alle noch gut, obwohl wir einige Verletzte hatten. Vom Kopf her, mental, war die Saison sehr anstrengend. Seit 16 Wochen hocken wir nur zuhause rum und versuchen, die Quarantäne-Regeln einzuhalten, während um uns herum vieles wieder öffnet. Ich habe monatelang nur meine Familie gesehen und wenige Freunde, aber sonst niemanden außerhalb der Mannschaft. Ich freue mich auf mehr Freiheiten und darauf, mal wieder rauszugehen oder in einem Restaurant zu sitzen. Das geht den anderen Jungs ähnlich, viele sehnen sich nach Normalität. Ich bin ehrlich froh, dass die Saison bald zu Ende ist. Und ich hoffe sehr, dass in der nächsten Saison wieder die Tore für Zuschauer geöffnet werden können. Fußball ist für alle da!“

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