BVB-Profi Julian Brandt: zwischen Genie und Wahnsinn

mlzBorussia Dortmund

Julian Brandt kann mit dem Ball wunderbare Dinge anstellen. Immer wieder passieren aber auch Spiele wie das am Samstag. Mehr Konstanz ist das Ziel.

Dortmund

, 09.06.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In die Liste der Highlight-Spiele seiner ersten BVB-Saison wird es die Partie gegen die Berliner Hertha mit ziemlicher Sicherheit nicht schaffen. Julian Brandt gab einen Torschuss ab, er bereitete immerhin per Kopf den entscheidenden Treffer von Emre Can vor. Ansonsten aber war es ein durchwachsener Auftritt des 24-Jährigen. Zu hoch für seine Verhältnisse die Quote an Ballverlusten (29 Prozent seiner Pässe kamen nicht an), zu schwach seine Zweikampfbilanz (nur 35 Prozent gewonnener Duelle). Nach 68 Minuten holte ihn Lucien Favre vom Feld.

BVB-Profi Julian Brandt kann, wenn er will

Daran hat sich der Blondschopf gewöhnen müssen in den vergangenen Wochen. Brandt spielte nach dem Re-Start der Bundesliga nur im ersten Spiel gegen Schalke durch, dort trumpfte er mit zwei Assists und großer Spielfreude auf. Es war eins der Spiele, in denen Julian Brandt sein schier unerschöpfliches Potenzial voll ausschöpfte. In Wolfsburg (65.), gegen die Bayern (45.), in Paderborn (80.) und am Samstag hingegen war das nicht der Fall, dort wurde er ausgewechselt.

Nur zum Teil liefert die schwierige Vorbereitung auf die Saisonfortsetzung dafür eine Erklärung, auch wenn Favre die Notwendigkeit zu einer Steuerung der Belastung stets betont. Es sind auch die starken Schwankungen in seinen Leistungen, die dafür sorgen, dass Brandt im Dortmunder Trikot deutlich häufiger zum Teilzeitarbeiter wird, als das zuvor bei Bayer Leverkusen der Fall war. Dort spielte er in seiner letzten Saison in 20 Bundesliga-Partien über die kompletten 90 Minuten. Im BVB-Trikot waren es bei bislang bei 29 Saison-Einsätzen nur sieben Spiele.

Schwarzgelbe Achterbahn: BVB-Profi Julian Brandt

Partien wie am Samstag, in denen Brandt auffällig deutlich von seinem Potenzial nach unten abweicht, ziehen sich durch die gesamte Saison. In München enttäuschte er wie alle seine Mitspieler, aber auch in Freiburg, bei Union Berlin und gegen seinen Ex-Klub Leverkusen blieb er erstaunlich blass. Dem starken Schalke-Spiel vor gut drei Wochen folgte ein schwacher Auftritt in Wolfsburg, gefolgt von einem schwachen Spiel gegen die Bayern.

Brandt reflektiert sein Tun wie kaum ein anderer Dortmund-Profi. Mit den Auswechslungen komme er klar, sagt er, dass jeder Spieler immer über die 90 Minuten spielen wolle, der Trainer aber „20 Spieler mitnehmen muss“, sei ein normaler Vorgang bei einem Kader, der die Qualität des BVB aufweist. Nur die Auswechslung gegen die Bayern habe „schon ein bisschen“ wehgetan.

Julian Brandt spielt beim BVB weniger als in Leverkusen

Im Schnitt spielt Julian Brandt in Dortmund rund 18 Minuten weniger pro Partie als in Leverkusen. In vielen Statistiken erreicht er deshalb schlechtere Werte. Allerdings hat sich seine Rolle im Vergleich zum Vorjahr verändert. Bei Bayer war Brandt zuletzt in der Zentrale gesetzt, in Dortmund muss er auf die Flügel ausweichen. Seine stärkste Phase hatte er in den Wochen nach dem Systemwechsel, als ihn Favre aus der Tiefe kommen ließ. Das geglückte Experiment legte der Schweizer nach der Winterpause zu den Akten.

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Vielleicht muss man den Feingeistern dieses Sports stärkere Schwankungen in ihrem Spiel zugestehen. Sie sind für die besonderen Momente zuständig, sie riskieren mehr als andere, dazu gehört auch, dass sie öfter scheitern. Etwas mehr Konstanz in seinem Spiel wird sich aber auch Julian Brandt selbst wünschen. Als Blaupause dient das Heimspiel gegen RB Leipzig kurz vor Weihnachten. Sein Tor zum 2:0 war einer der schönsten Treffer dieser Bundesliga-Saison, sein Aussetzer vor dem 2:2 ermöglichte RB die Rückkehr in dieses Spiel. „Zwischen Genie und Wahnsinn“ titelte der „kicker“ danach. Julian Brandts Saison umschreibt das ganz gut.

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