BVB-Profi Mats Hummels über seine Mitspieler: „Werden von den Gangsta-Rappern unterdrückt“

Borussia Dortmund

Mats Hummels ist bei Borussia Dortmund einer der Anführer. Der BVB-Verteidiger kann sich bei einer Sache in der Kabine aber nicht durchsetzen.

Dortmund

, 18.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Profi Mats Hummels über seine Mitspieler: „Werden von den Gangsta-Rappern unterdrückt“

BVB-Profi Mats Hummels (l.) spricht mit Trainer Lucien Favre. © Kirchner-Media

BVB-Verteidiger Mats Hummels ist nach seiner Rückkehr zu Borussia Dortmund vom FC Bayern München sofort wieder ein Anführer auf dem Platz geworden. Der Vollblutprofi spricht im Interview mit dem Fußballmagazin 11Freunde über...


... Mentalität im Profi-Fußball: „Ich sage immer: „Mangelnde Mentalität“ ist der kleine Bruder des Stellungsfehlers. Der Begriff wird immer dann genutzt, wenn man nicht so genau weiß, was falsch gelaufen ist. Das ist ein Oberbegriff für viele Dinge. Mut etwa ist sehr wichtig, vor allem, wenn man gegen die ganz Großen spielt. Den Begriff „Einstellung“ kann man benutzen, um zu beschreiben, wie man an ein Spiel herangeht. Konzentration und Zielstrebigkeit sind ebenfalls ganz wichtig.“


... seinen Einfluss auf das Spielgeschehen: „Das sind die Szenen, in denen man mich mit weit ausgestreckten Armen über den Platz rufen sieht. Aber während einer Halbzeit Einfluss auf das Spielgeschehen zu nehmen, ist fast unmöglich.“


BVB-Profi Hummels: „Diese Mannschaft muss sich vor der BVB-Mannschaft von 2012 nicht verstecken“

... den aktuellen Kader des BVB: „Keine Mannschaft der Welt ist immer da, hat nie einen schlechten Tag oder geht ein Spiel nicht mal falsch an. Aber das darf nicht zu oft passieren! Und uns ist das in der Hinrunde zu oft passiert. Seriosität und Zielstrebigkeit hochzuhalten, sind für uns die ganz großen Punkte, denn wir haben begnadete Fußballer. Diese Mannschaft muss sich vor der BVB-Mannschaft von 2012 nicht verstecken.“



... die Zielstrebigkeit des FC Bayern München: „Das habe ich da auch noch mal mehr gelernt. Wenn Trainingsspiele in München anstanden, wollten die Leute gewinnen. Da war richtig Feuer drin, und wer verloren hat, war sauer. Es muss eine Wettbewerbssituation im Training geschaffen werden, wenn man im Mai einen Pokal oder die Schale hochhalten will. Wenn man auf dem Platz steht, ist das Gewinnen Priorität Nummer eins.“


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... die BVB-Winterneuzugänge Emre Can und Erling Haaland: „Im Winter haben wir mit Emre Can und Erling Haaland zwei ganz wichtige Bausteine dazubekommen, die immer Gas geben und gegen den Ball arbeiten. Sie helfen uns sehr, sowohl als Typen, als auch vom Fußball her. Vor allem wissen sie, dass sie spielen, um zu gewinnen, um Tore zu schießen und Tore zu verhindern, und nicht, um einen Hackentrick zu machen. Fünf Leute auf dem Platz, denen es wichtiger ist, den Gegner so auszutricksen, dass es für einen Instagram-Clip taugt, bringen nicht so viel wie einer, der einfach jedes Mal an seinem Gegner vorbeigeht.“


... die Künstler bei Borussia Dortmund: „Die braucht es auch, denn sie machen am Ende oft den Unterschied aus. Aber man kann keine fünf, sechs Künstler in einer Mannschaft vertragen, denn dann wird das Spiel so, wie es in der Hinrunde oft war. Da wurde es manchmal erst nach einem Rückstand seriös und zielstrebig. Ich bin fest davon überzeugt: Wenn man konzentriert arbeitet, können die Jungs, die dazu in der Lage sind, trotzdem zaubern. Aber zuerst kommen die Basics.“


BVB-Verteidiger Hummels bevorzugt Schnittstellenpässe

... sein gutes Aufbauspiel und eine bessere Alternative zu den langen Bällen: „Den Schnittstellenpass auf die Zehn oder Acht, wo man fünf, sechs Gegner mit einem flachen Ball überspielt, wie etwa vor dem zweiten Tor im Hinspiel gegen Paris Saint-Germain. Solche Pässe halte ich für die erfolgversprechendsten im Fußball, sie sind natürlich aber etwas unauffälliger.“


... die Philosophie von BVB-Trainer Lucien Favre: „Er legt ganz viel Wert auf Details. Wir sollen nicht nur anspielbar sein, sondern auf eine Weise, dass wir auch Gegner überspielen. Es ist eine Wissenschaft für sich, in welchen Räumen man sich auf dem Platz anbietet oder in welchem Winkel man den Gegner anläuft.“


... die Dortmunder Sehnsucht nach Jürgen Klopp: „Er ist halt eine absolute Ausnahmeerscheinung, er und Pep Guardiola sind für mich die besten Trainer der letzten zehn Jahre. Pep ist taktisch genial. Und Kloppo kann wie kein anderer die Menschen für eine Sache begeistern. Er war sieben Jahre hier und die Leute erwarten immer noch, dass man bei der Pressekonferenz fünf Mal herzhaft lacht. Die Leute vergleichen seine Nachfolger immer noch mit Kloppo, wie ich immer noch manchmal Euro in D-Mark umrechne. Die Zeit mit ihm war unendlich schön, aber das muss irgendwann mal vorbei sein.“

... Unsportlichkeiten im Fußball: „Ich finden den neuen Umgang mit den Schiedsrichtern sehr gut. Ich hoffe auch, dass es gang und gäbe wird, dass die Bälle nicht mehr weggeschlagen werden. Wenn ich Handball anschaue, liebe ich es: Pfiff, alle sprinten nach hinten.“


... die Zeit nach der Karriere und was er am Fußball nicht vermissen wird: „Ich habe eine tiefe Sehnsucht danach, erst einmal aus dieser Welt der geregelten Abläufe auszubrechen. Am wenigsten werde ich vermissen, dass in der Kabine immer die gleichen Deppen die Musik machen dürfen. (Lacht) Inzwischen werden wir alle von den Gangsta-Rappern unterdrückt.“

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