BVB-Rekordtransfer Mats Hummels - auf Anhieb wieder der Boss

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Die Rückkehr von Mats Hummels hat sich für den BVB ausgezahlt. Der Abwehrchef kann auf ein gutes Jahr zurückblicken - und doch nicht vollends zufrieden sein.

Dortmund

, 17.07.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jürgen Klopp wusste schon weit vor Mats Hummels‘ Pflichtspiel-Comeback beim BVB, wie es ausgehen würde. „Das ist top, das passt einfach“, sagte der ehemalige Dortmunder und heutige Liverpooler Erfolgstrainer über die Hummels-Rückkehr nach Dortmund, als er in der vergangenen Sommer-Vorbereitung auf den BVB-Rekordtransfer (30,5 Millionen Euro Ablöse) angesprochen wurde. Der FC Liverpool trat in South Bend im US-Bundesstaat Indiana zum Testspiel gegen Borussia Dortmund an. Für ihn sei Hummels „einfach der beste deutsche Innenverteidiger“, sagte Klopp, „und ich habe mich gefreut, als ich von Mats‘ Rückkehr gehört habe“.

BVB-Abwehrchef Mats Hummels legt den Finger in die Wunde

Klopps Sätze sind mittlerweile fast genau ein Jahr alt. Das Testspiel im berühmten Notre Dame Stadium auf dem Campus der Notre Dame University, in dem sonst die „Fighting Irish“ ihre Football-Spiele austragen, endete 3:2 für den BVB. Das Ergebnis war zweitrangig, aber Klopp sagte noch mehr über Hummels. Er sei für ihn „ein natürlicher Führungsspieler“, meinte der heute 53-Jährige. „Mats ist nicht jeden Tag pflegeleicht, aber er verliert nie das große Ganze aus den Augen. Und was ich immer sehr an ihm geschätzt habe, ist, dass du bei aller Emotionalität - wir sind auch mal aneinandergeraten - super mit ihm zusammenarbeiten kannst.“

So gut wie alle Klopp-Aussagen haben sich in den vergangen zwölf Monaten bewahrheitet. Hummels und Borussia Dortmund, das passt auch im zweiten Anlauf noch sehr gut zusammen. Ob er der beste oder nur einer der besten deutschen Innenverteidiger ist, darüber lässt sich sicherlich streiten, aber Hummels ist auf jeden Fall, da gibt es deutlich weniger Diskussionsbedarf, der beste Dortmunder Innenverteidiger - und manchmal legte er, wie angekündigt, den Finger nach Niederlagen schonungslos in die Wunde.

Hummels-Klartext nach der 0:4-Klatsche in München

Nach dem 0:4 bei Bayern München in der vergangenen Hinrunde sprach Hummels beispielsweise folgende Worte: „Es ist ein Zeichen für uns, dass wir keine Toptruppe sind. Wir können an guten Tagen eine sein, aber eine Topmannschaft muss eben auch an schlechten Tagen trotzdem noch eine Topmannschaft sein. Das schaffen wir in dieser Saison vor allem auswärts zu selten.“

BVB-Rekordtransfer Mats Hummels - auf Anhieb wieder der Boss

© Deltatre

Es gehe ums „Dagegenhalten“, wenn der Gegner „voll da ist, auch körperlich“, meinte Hummels. Da gibt es ein paar zu viele Zweikämpfe, wo wir uns fallen lassen und einen Freistoß haben wollen, obwohl der Gegner einfach richtig im Zweikampf ist. Damit kann man eben auch ein Zeichen setzen - für die eigene Mannschaft, aber halt auch negativ für die andere Mannschaft.“ Hummels war mächtig angefressen nach der Klatsche bei seinen ehemaligen Mitspielern. Eigentlich war er mit dem BVB ja angetreten, um den Bayern die Meisterschale mal wieder zu entreißen.

Hummels ist auf Anhieb wieder der Boss auf dem Platz

Das, so viel ist längst klar, hat nicht geklappt. Der große Wurf ist ausgeblieben. Trotzdem darf Hummels auf ein erfolgreiches erstes Jahr nach seiner Rückkehr zum BVB blicken, vor allem was seine persönlichen Leistungen betrifft. Der 31-Jährige, der in 41 von 46 Pflichtspielen auf dem Platz stand, weist die zweitmeisten Ballkontakte (2.640) bei Borussia Dortmund in der vergangenen Spielzeit auf, nur Achraf Hakimi (2.832) hatte mehr.

Seine Passquote lag, obwohl er in der Spieleröffnung gerne immer wieder den Risikopass wählt, bei 90 Prozent - und seine Zweikampfquote (64,1 Prozent gewonnene Duelle) stellt die beste Quote aller Vielspieler des BVB dar. Hummels war, wenngleich er freilich nicht fehlerlos blieb, auf Anhieb wieder der Boss auf dem Platz, was spätestens nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs Mitte Mai auch akustisch sehr deutlich wurde. Alles beim BVB hört auf sein Kommando.

Hummels will mit dem BVB noch einmal für Furore sorgen

Vollends zufrieden wird Hummels mit seiner Comeback-Saison in Dortmund trotzdem nicht sein. Das frühe Scheitern im DFB-Pokal, das frühe Scheitern in der Champions League, Platz zwei in der Liga: Der ehemalige Nationalspieler will mehr als das, er will noch einmal Titel gewinnen, noch einmal für Furore sorgen mit dem BVB. So wie früher. In der Liga, in Europa.

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Die Meisterschaft müsse „mit dieser Mannschaft immer das Ziel“ sein, hat Hummels gesagt, unmittelbar nachdem er und seine Mannschaftskollegen die Vizemeisterschaft durch einen 2:0-Sieg in Leipzig am 33. Spieltag gesichert hatten. Die Stoßrichtung ist klar, Hummels wird auch in der neuen Saison vorangehen. Zur Not wird er auch die unangenehmen Wahrheiten ansprechen. Mal sehen, mit wem er so aneinandergerät.

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