Will mit dem BVB Titel gewinnen: Thomas Meunier. © imago / Christian Schroedter
Exklusiv-Interview

BVB-Routinier Meunier: „Ich bin enttäuscht – und Sie wahrscheinlich auch“

Thomas Meunier blickt auf einen turbulenten Start beim BVB zurück. Im Exklusiv-Interview gibt sich der Belgier selbstkritisch, fordert Mentalität ein und spricht über seine Liebe zur Kunst.

Sie interessieren sich für Kunst. Woher kommt dieses für einen Fußballer außergewöhnliche Faible?
Das Kunst-Gen habe ich wohl von meiner Großmutter geerbt. Sie war der intellektuelle, kulturell interessierte Part in unserer Familie. Sie hat mir viel über Kunst erzählt, sie hat Museen besucht und mir viel vorgelesen. Sie hat mich viel gelehrt, als ich ein Kind war. Sie wollte mir auch das Klavierspielen beibringen, aber damals war ein Fußball alles, was ich wollte. Heute bereue ich das ein wenig.

Der Kunst sind Sie treu geblieben, nachdem der erste Ausflug in den Fußball vorzeitig endete.

Ja. Im Alter von 13 bis 15 Jahren habe ich im Fußball-Internat bei Standard Lüttich gelebt, danach bin ich wieder in die Heimat zurückgezogen und habe Buchhaltung gelernt. Nach zwei Jahren habe ich die Ausbildung gewechselt, ich wollte nicht nur rumsitzen und Zahlen aufschreiben. Dann habe ich Kunstgeschichte belegt, erstmal zwei Wochen zum Testen. Und es war perfekt! Die Lehrerin war selbst Künstlerin und hat ihre Leidenschaft auf mich übertragen. Drei Jahre habe ich Kunst studiert, wir haben Museen in London und Paris besucht, eine geniale Zeit.

Was hat Sie so fasziniert?

Es gab einmal eine Art Erweckungserlebnis. In Saarbrücken gab es eine Ausstellung zum Krieg. Eines der Bilder bestand aus einer großen, weißen Fläche, und darin gab es eine einzige schwarze Linie. Was sollte das bedeuten? Das Kunstwerk stammte von einem Mann, der beide Weltkriege erlebt und seine ganze Familie und Freunde verloren hatte. Er war die schwarze Linie, und um ihn herum war nichts mehr da. Alles tot, alles leer. Das hat mich schwer beeindruckt. Durch das Verständnis von Kunst habe ich viel über Geschichte, Politik und uns Menschen gelernt. Mir gefallen vor allem moderne, zeitgenössische Werke. Kubismus und Street Art zum Beispiel, wie Graffiti. Ich bin auf meine Art auch ein Kind der Straße, ich bin so groß geworden. Ich lese und lerne gerade viel über Architektur. Kunst generell zieht mich einfach magisch an. Ich kann auch überall Kunst entdecken, wie beim Fußball.

Wie das?

Das Stadion und Tausende Fans auf den Rängen, das sind doch Bilder, die sehr viel aussagen und bei uns viele Emotionen wecken. Kunst will etwas in uns bewegen, uns anrühren. Wenn ich Lionel Messi Fußball spielen sehe, dann hat das auch etwas von Kunst. Er hat seine eigene Handschrift, es ist einzigartig, wie er mit dem Ball spielt. Das alles kann Kunst sein.

Mit wem teilen Sie diese Leidenschaft?

Es ist leider sehr schwer, mit Leuten über Kunst zu sprechen, denen das tiefere Verständnis dafür fehlt. Kunst erschließt sich nicht immer von selbst. Bei der jungen Generation, die nur auf Social Media steht und stundenlang vor Handy und Playstation hockt, wird das immer schwerer.

Haben Sie sich selbst mal ausprobiert als Künstler?

Als ich noch jünger war, habe ich gezeichnet. Aber als unser erstes Kind kam, wurde die Zeit dafür zu knapp, leider. Ich lese viel. Vielleicht fange ich eines Tages wieder an zu malen.

Ein einfacher Junge aus dem kleinen Ort Lavacherie in den Ardennen, der Kunst liebt und Fußballprofi wird …

Mir sagen meine Freunde tatsächlich manchmal, dass ich atypisch bin. Anders als die anderen. Aber ich mache einfach das, was ich liebe, wie hoffentlich alle Menschen. Beim Fußball durfte ich mein Hobby sogar zum Beruf machen, obwohl ich nicht den geradlinigen Weg gegangen bin. Ich habe, bis ich 20 Jahre alt war, ganz normal die Schule besucht und gearbeitet. Bis auf die zwei Jahre in Lüttich habe ich ein ganz normales Leben geführt. Kino, Feten, Freundinnen, Arbeit und vor allem Fußball.

Von 2011 bis 2016 spielte Thomas Meunier für den FC Brügge. © imago / Belga © imago / Belga

Sehen Sie es heute als Vorteil, dass Sie als Postbote und in einer Fabrik gearbeitet haben?

Ja, absolut. Ich habe die Zeit genossen damals. Als ich im Januar 2011 einen Profivertrag bei Club Brügge unterschrieben habe, war ich noch Lagerarbeiter bei Autover, einem Hersteller von Autofenstern. Ich habe 1200 Euro pro Monat verdient, noch in der dritten Liga Fußball gespielt und bei meiner Mutter gewohnt. Das war okay. Dann kam Brügge, dann Paris Saint-Germain, jetzt Borussia Dortmund – ich denke, ich kann gut einschätzen, was für ein Leben ich heute führen darf. Ich verdiene viel mehr Geld. Aber dadurch hat sich nicht alles zum Besten verändert.

Was hat sich denn verändert?

Was ich am Leben schätze ist, Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Ich mag es nicht besonders, im Rampenlicht zu stehen. Mit meiner Bekanntheit hatte ich in der Vergangenheit sogar Schwierigkeiten. Ich musste lernen, mit der Popularität und den Anfragen der Leute umzugehen und habe mich zurückgezogen. Das war kompliziert, als ich mich nicht mehr ungestört in eine Kneipe setzen und mit meinen Kumpels reden konnte. Ich beschwere mich nicht, verstehen Sie mich nicht falsch, aber Profifußballer zu sein, bedeutet bei diesem Aspekt manchmal auch Opfer. Ich komme aus einem 500-Seelen-Dorf, die nächste Stadt hat ein paar Tausend Einwohner. Jeder kennt dich, jeder spricht dich an. Und es geht immer nur um Fußball. Das war mir zu einseitig. Ich bin nicht nur Thomas Meunier, der Fußballer. Sondern auch der Mensch Thomas Meunier, der an seinen Freunden und am Leben interessiert ist.

Wie schwer ist es Ihnen im Sommer gefallen, in ein fremdes Land zu ziehen und wegen der Corona-Beschränkungen nur das Trainingsgelände und Ihre Wohnung zu sehen?

Für mich persönlich hat sich gar nicht so viel geändert. So lebt man als Fußballprofi: Zuhause, Trainingsgelände, Hotel, Spiel. Und wieder von vorne, Jahr für Jahr, seit elf Jahren. Meiner Frau und vor allem unseren drei Jungs fällt das gerade schwerer, ihnen fehlen die Schule, der Kindergarten und die Treffen mit Freunden. Da ergeht es uns wie allen Familien aktuell.

Stichwort Veränderungen: Was hat sich für Sie als Fußballer verändert, als Ihnen Ihr Trainer Georges Leekens 2012 gesagt hat, Sie sollten ab sofort rechter Verteidiger spielen?

Ich habe diese Situation immer noch klar vor Augen, wir standen nebeneinander im Treppenhaus. Unser rechter Verteidiger fiel aus, wir hatten keinen Ersatz. Als Stürmer hatte ich mich nicht durchgesetzt, das war meine einzige Chance zu spielen. Ich glaube, er hat mich ausgesucht, weil ich der Jüngste war und nicht Nein sagen konnte. Wir spielten in der Europa League gegen Maritimo Funchal, ich machte meine Sache gut und war froh, auf dem Rasen zu stehen. Aber ich werde für immer bereuen, dass ich das getan habe.

Entweder, oder …

  • Kylian Mbappe oder Erling Haaland? Das sind zwei ganz unterschiedliche Spieler. Kylian spielt heute noch so Fußball wie mit zehn Jahren. Er denkt gar nicht nach, macht alles instinktiv und lässt sein Talent sprechen. Erling agiert erwachsener. Er hat weniger Talent, aber er arbeitet sehr hart. Er kann auch Weltklasse werden. Wenn ich Klubpräsident wäre, würde ich beide verpflichten.
  • Abwehr oder Angriff? Angriff
  • Prinzenpark oder Signal Iduna Park? Signal Iduna Park
  • Blondes Bier oder roter Wein? Blondes Bier
  • Andy Warhol oder Christo? Andy Warhol
  • Auto oder Rennrad? Ich mag beides, aber ich fahre leider viel häufiger mit dem Auto.
  • Axel Witsel oder Thorgan Hazard? Beide!
  • Rote Teufel oder Gelbe Wand? Das ist schwer. Sobald Zuschauer im Stadion sind, sage ich definitiv Gelbe Wand. Bis dahin: Rote Teufel.


Warum?

Rechter Verteidiger zu sein war nicht das, was ich wollte. Ich sehe mich als Offensivspieler, kreativ, ich wollte Tore schießen, den Unterschied ausmachen. Als Verteidiger habe ich eine gute Karriere hingelegt als Nationalspieler, ich habe in Paris gespielt und jetzt in Dortmund, bei großen Klubs. Als Stürmer wäre mir das wohl nicht gelungen. Aber ich habe meinen Traum, ein Angreifer zu sein, aufgeben müssen. Welches Kind trägt denn ein Trikot von einem rechten Verteidiger? Wir wollen Show, Tore, Dribblings. Ich habe damals dem Team geholfen, und unterbewusst mir selbst. Wenn ich in die Vergangenheit reisen könnte, würde ich zu Leekens „Nein“ sagen. Nur um zu sehen, was passiert. (lacht)

Haben Sie Edin Terzic gefragt, ob er Sie mal als Stürmer ran lässt?

Nein, Erling Haaland hat den Vibe, er ist gut drauf. Ich lasse ihm noch ein wenig den Vorzug.

Damals haben die Fans in Brügge ausgerechnet Ihnen, dem Kunstliebhaber, den Spitznamen „La machine“ gegeben. Was bedeutet Ihnen diese Bezeichnung?

Das klingt brutal! Aber ich weiß ja, woher das kommt. Ich bin nicht nur Fußballer, sondern auch ein guter Athlet. Ich kann nonstop rennen, für Stunden. Bei PSG hatte ich immer die besten Fitnesswerte beim Laufen, beim Sprinten, bei der Beschleunigung. 13 Kilometer pro Spiel sind kein Problem. Ich bin nicht super talentiert, aber ich arbeite hart.

Ihre Mannschaftskollegen haben Ihre tadellose Einstellung gelobt. Sie würden auch im Training alles geben und das auch von den anderen einfordern.

Ja, das ist meine Haltung. Manchmal denke ich mir, ich könnte es auch ruhiger angehen lassen. Aber so bin ich einfach nicht. Wenn ich etwas tue, dann zu 100 Prozent. Auch im Training. Die Kollegen beschweren sich manchmal, wenn ich sie in Zweikämpfen mal härter erwische. Aber so läuft das bei mir. Ich habe keinen Energiesparmodus.

Thomas Meunier sagt: „Ich habe keinen Energiesparmodus.“ © imago / PanoramiC © imago / PanoramiC

Ich würde behaupten, dass manchen Ihrer Kollegen diese Einstellung fehlt.

Ich kann nicht aufgeben oder verlieren, da werde ich auch mal lauter. Aber es gibt solche Typen, die einfach lockerer trainieren. Das ist ihre Art und für sie okay.

Als Sie nach Dortmund kamen, haben Sie voller Begeisterung vom Stadion und den Fans geschwärmt, sie haben mit PSG dieses Tollhaus in der Champions League als Gast erlebt. Wie sehr frustrieren Sie diese Geisterspiele?

So sehr wie alle Fans, alle Spieler, überall auf der Welt. Ich habe mich für Dortmund entschieden, weil ich diese Fußballkultur erleben wollte. Als ich zum ersten Mal in der Stadt war, habe ich bestimmt 50 Autos mit BVB-Aufklebern am Heck gesehen. Die Menschen hier sind verrückt nach Fußball. Auch Paris hat tolle und treue Fans, aber es sitzen eben auch Schauspieler, Sängerinnen, Popstars auf der Tribüne. Hier beim BVB oder in England, da leben und fühlen die Menschen Fußball. Das habe ich gesucht. Als die Anfrage vom BVB kam, musste ich nicht lange überlegen. Ich kann es kaum erwarten, dass die Fans zurückkommen. Es geht uns allen so, vor ein paar Tagen war das extrem zu spüren.

Warum?

Wir saßen bei der Videoanalyse, die Trainer haben uns Auszüge von dem Spiel gegen Leipzig gezeigt, das 3:3 ausging, im Dezember 2019. Als ein Tor fiel und das Stadion förmlich explodierte, saßen wir alle in diesem abgedunkelten Videoraum, haben uns angeschaut und hatten Gänsehaut. Eines Tages wird es hoffentlich so weit sein.

Immerhin ist es ein Privileg, dass Sie Ihren Beruf noch ausüben können. Halten Sie es für richtig, dass die Profifußballer weiterspielen dürfen?

Ja. Ohne Fans besteht kaum ein Risiko. Unsere Gruppe umfasst vielleicht 30 Leute, wir arbeiten an der frischen Luft. Wir hatten in Dortmund bisher drei Coronafälle. Das beweist doch, dass wir hier sehr verantwortungsbewusst handeln. Der Klub tut alles, um den Spielern und ihren Familien zu helfen. Und wir Spieler vermeiden alles, was gefährlich werden könnte. Der Fußball hat das Recht, weiterzuspielen.

Und wenn Sie an die Europameisterschaft im Sommer denken, in zwölf verschiedenen Ländern?

Daran glaube ich nicht, ehrlich gesagt. Die UEFA muss einen Ort finden, wo alle Spiele stattfinden können. Ich denke da an diese Region, an Westfalen und das Rheinland. Wo sonst in Europa gibt es so viele Stadien und Trainingsmöglichkeiten mit so kurzen Wegen? Wir könnten in Dortmund spielen, auf Schalke, in Bochum, Leverkusen, Köln, Düsseldorf, Gladbach. Das wären perfekte Bedingungen, mir fällt kein geeigneterer Ort ein, wenn man höchste Qualitätsansprüche anlegt. Schade, dass Fans vermutlich nicht in die Stadien kommen dürfen. Mal abwarten, wir müssen respektieren, was die UEFA entscheidet.

Bis zur Euro ist es noch ein halbes Jahr. Wie fällt denn Ihr persönliches Fazit der ersten sechs Monate beim BVB aus?

Zuerst muss ich sagen, dass ich glücklich bin über die vielen Spiele, die ich machen durfte. Der Start ist mir sehr schwergefallen. Ich hatte sieben Monate nicht Fußball gespielt, nachdem in Frankreich wegen Corona alles stillgelegt wurde. Man verlernt Fußball nicht, aber nach so einer langen Pause ohne Wettkampf hat es gedauert, mein Niveau wieder zu erreichen. Die Fitness fehlte, der Rhythmus, das Ballgefühl. Anfangs war ich höchstens bei 75 Prozent. Es gab Tage, da hatte ich im Training echte Schwierigkeiten. Ich wusste gar nicht, was mit mir los war. Trotzdem durfte ich oft spielen, Lucien Favre hat mir viel Vertrauen geschenkt.

Zu Saisonbeginn stimmte auch die Defensivleistung der Mannschaft noch.

Wir haben acht Mal zu Null gespielt bis Weihnachten! Aber mir fehlen die guten Zahlen vorne, ich habe offensiv nicht genug geleistet. Bei einer Mannschaft wie Borussia Dortmund muss ich mich auch als Verteidiger besser in die Offensive einbringen. Ein Tor und eine Vorlage, da bin ich von mir enttäuscht, und Sie wahrscheinlich auch. Es ist langsam besser geworden. Das Spiel gegen Mainz, in dem ich ein Tor geschossen und einen Strafstoß herausgeholt habe, war vermutlich mein bestes Spiel. Das Gefühl kommt zurück, ich habe mehr Selbstvertrauen, mehr Schärfe in meinen Aktionen. Aber bei 100 Prozent bin ich immer noch nicht. Der Thomas Meunier, den alle erwarten, der muss ich erst wieder werden. Ich muss an mir arbeiten, das weiß ich selbst. Denn es geht mir nicht darum, nur mitzuspielen. Ich will vorangehen, der Mannschaft helfen, einen Unterschied ausmachen.

Mir sind diese Leistungsschwankungen aufgefallen mit ordentlichen Phasen, aber auch mit schlechten Spielen. Für Belgien haben Sie in 44 Spielen sieben Tore und zwölf Vorlagen erreicht, in Paris 35 Scorerpunkte in 128 Spielen. Diese Gefahr haben Sie beim BVB bislang nicht ausgestrahlt. Chancen waren da!

Ich erinnere mich mit Grauen an diese Szene beim Supercup in München, als ich quasi über das leere Tor schieße. Die Wiederholung habe ich mir 30, 40 Mal angeschaut und ich bin im Sofa versunken. Wie konnte ich den verschießen? Den mache ich doch normalerweise mit geschlossenen Augen! Fakt ist, mein Selbstvertrauen war weg. Ich musste mit den Basics anfangen und mein Spiel Stück für Stück wieder aufbauen. Seit Anfang des Jahres fühle ich mich besser. Ich glaube fest daran, dass ich mein vorheriges Niveau wieder erreiche.

Sie sind ein Arbeiter auf dem Rasen, ein emotionaler Spieler. Fehlen Ihnen die Anfeuerungen der Fans?

Ich persönlich brauche diese Atmosphäre, um meine beste Leistung zu bringen. Und die Mannschaft offensichtlich auch, uns fehlen diese zehn Prozent. Der BVB hatte ewig nicht zu Hause verloren, und plötzlich verlieren wir sogar gegen Köln oder Stuttgart. Das ist ein Desaster, das darf nicht passieren. Wir müssen wieder eine Macht werden im eigenen Stadion. Wenn bei den Gegnern das Auswärtsspiel in Dortmund im Kalender steht, müssen sie gleich einen roten Strich machen. Hier gibt es nichts zu holen, diese Ausstrahlung von Stärke und Aggressivität müssen wir wieder zeigen. Und wir dürfen keine Gnade zeigen.

Schauen Sie sich die letzten Spiele an. War das gnadenlos?

Gegen Mainz müssen wir vor der Pause 4:0 führen, und selbst nach dem Rückstand noch gewinnen. In Leverkusen waren wir auf der Siegerstraße, dann sind wir eingebrochen. Gladbach haben wir phasenweise an die Wand gespielt. Und dann fällt das 2:2, und es ist aus bei uns. Es fehlt die Konstanz, über 90 Minuten, und über mehrere Spiele.

„Ich will niemanden ins Krankenhaus treten. Aber es darf dem Gegner auch mal wehtun.“

Thomas Meunier


Sie sind ein erfahrener Spieler. Was sind Ihre Erklärungen?

Wir müssen die erste Chance nutzen. Dann laufen die Spiele anders. Deswegen müssen wir von der ersten Minute an so auftreten, dass es keinen anderen Sieger geben kann.

Fehlt der Siegeswille?

Nein, die Mannschaft will. Wir spielen uns genug Chancen heraus und haben so viel Qualität. Manchmal fehlt Selbstvertrauen. Wir dribbeln ums Tor herum, statt draufzuschießen. Wir müssen wieder mehr wie „Killer“ sein, darüber sprechen wir jeden Tag. Jetzt müssen wir es auch zeigen. Es fehlt nicht viel.

Liegt Ihnen der aggressivere Spielstil von Edin Terzic mehr?

Für mich bedeutet ein intensiveres Pressing nicht mehr Aggressivität. Aggressiv zu sein bedeutet für mich, den Gegner einzuschüchtern. Im 50:50-Duell durchzuziehen. Zu zeigen, wer der Herr im Haus ist. Daran mangelt es bei uns: Wir müssen das Spiel mehr dominieren und mit allen Mitteln zu unseren Gunsten beeinflussen.

Es gibt nur eine Tabelle, in der Borussia Dortmund oben steht: die Fairnesstabelle.

Das ist doch der springende Punkt. Ich will niemanden ins Krankenhaus treten. Aber es darf dem Gegner auch mal wehtun. Emre Can ist ein gutes Beispiel, er ist immer positiv aggressiv. Mir gefällt sein Temperament. Er ist wie ein Pitbull auf dem Platz. Das brauchen wir. Jeder weiß grundsätzlich, was er zu tun hat. Edin Terzics Botschaft ist, dass es darauf ankommt, wie man es tut. Voller Überzeugung. Unnachgiebig. Daran müssen wir arbeiten.

„Wir müssen die Hunde sein, die den anderen vorne den Rücken freihalten. Dann sind wir gemeinsam stark.“

Thomas Meunier


Terzic sagt: Erst Mentalität, dann Talent.

Nicht jeder kann ein Bastard sein auf dem Platz. Jadon Sancho oder Gio Reyna haben ganz andere Stärken, sie übernehmen andere Aufgaben. Aber mit Emre, Thomas Delaney, Mats Hummels, Manuel Akanji und mir steht ein Haufen guter Bastarde auf dem Platz. Wir müssen die Hunde sein, die den anderen vorne den Rücken freihalten. Dann sind wir gemeinsam stark.

Sie sind in Belgien und in Frankreich Meister und Pokalsieger geworden. Gelingt das auch in Deutschland?

Schauen Sie sich mal unseren Kader an! Borussia Dortmund gehört zu den besten Klubs in Europa. Es muss unser Ziel sein, jedes Jahr mindestens einen Titel zu gewinnen. Supercup, DFB-Pokal, Meisterschaft. Und das Viertelfinale in der Champions League. Ich bin ein ehrgeiziger Mensch, und ich bin sicher, dass ich mit dem BVB etwas erreichen kann in den nächsten mindestens vier Jahren.

Und was sehen wir danach, Thomas Meunier als Stürmer oder als Künstler?

Wenn mein Körper mitmacht, würde ich gerne vor meinem Karriereende noch ein oder zwei Jahre wieder Stürmer spielen, vielleicht in der zweiten oder dritten Liga. Das wäre mit guten Erinnerungen an früher verbunden, da würde ich mich automatisch wieder jung fühlen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.