BVB, Sancho, Manchester: Viel Mitleid für Sky-Reporter Gary Cotterill

Borussia Dortmund

Gary Cotterill fliegt aus England ein, um in Dortmund für Sky über das Unmögliche zu berichten: BVB-Spieler Sancho wechselt doch noch zu Manchester United. Ein Tag voller Pleiten, Pech und Pannen.

Dortmund

, 30.09.2020, 14:06 Uhr / Lesedauer: 3 min
Sky-Reporter Gary Cotterill (l.) wartete am Dortmund Airport vergeblich auf Jadon Sancho.

Sky-Reporter Gary Cotterill (l.) wartete am Dortmund Airport vergeblich auf Jadon Sancho. © Groeger

Er hatte eine pikante Mission im Gepäck. Er sollte der ersehnten Wende in letzter Minute hautnah beiwohnen. Und live berichten. Sky Sports aus England schickte am Dienstag extra Reporter Gary Cotterill nach Dortmund, um Jadon Sanchos auf der Insel trotz aller Dementis des BVB noch immer heiß diskutierten Wechsel zu Manchester United final auf den Grund zu gehen.

Gary Cotterill stößt in Dortmund an seine Grenzen

Cotterill hat ohne Zweifel schon viele Reporter-Schlachten erfolgreich geschlagen, doch in Dortmund stieß auch der Routinier an seine Grenzen. Seine erste Bremse: die Pandemie. Da der Sky-Reporter spontan aus dem Corona-Hotspot Großbritannien einreiste, konnte ihm Borussia Dortmund weder Zugang zum Trainingsgelände noch zur Medienrunde gewähren. Cotterill baute sich also auf dem Aki-Schmidt-Platz vor den Toren der Anlage mit seiner Kamera auf und harrte im Nieselregen aus. Die Profis rauschten in ihren Autos an ihm vorbei, er sprach mit deutschen Journalisten und einigen Fans über Sancho, er telefonierte mit einem BVB-Sprecher. Sancho selbst aber bekam er nicht vor die Kamera.

Dann die erste Live-Schalte ins englische TV - und Cotterill gab sich sensationsfrei ehrlich. Ein Sancho-Wechsel sei in Dortmund kein Thema, betonte er, und: „Die Leute hier ziehen die Augenbrauen hoch und lachen über uns, dass wir immer noch an die Chance glauben, Sancho würde kommen.“ Cotterill blickte dabei so traurig und ratlos in die Kamera, dass man ihn am liebsten trösten wollte.

Der BVB lässt Jadon Sancho in diesem Sommer nicht ziehen

„Warum bist du hier?“, habe man ihn gefragt. Nachvollziehbar, denn bereits seit sieben Wochen ist klar, dass Jadon Sancho, der mit einer Party in England für Aufregung sorgte, weiter für Borussia Dortmund spielen wird. Alle BVB-Bosse hatten das mehrfach in einer Deutlichkeit betont, die eigentlich längst kein Körnchen Zweifel mehr gelassen hatte. Zumindest auf dieser Seite des Ärmelkanals. Selbst wenn Manchester United in den letzten Minuten des Transferfensters noch mehr als die von Dortmund bis zum Fristablauf am 10. August geforderten 120 Millionen Euro Ablöse bieten würde, würde die Borussia kategorisch ablehnen.

Als dann auch noch Kapitän Marco Reus am Dienstag in einer Medienrunde erklärte, sich darüber zu freuen, dass Sancho noch ein Jahr beim BVB bleibt, zitierte Cotterill Reus‘ Worte mit dem Zusatz: „Der Wechsel wird nicht passieren.“ So als müsste das doch nun wirklich jeder Manchester-Funktionär oder -Fan endlich verstehen - obwohl gerade wieder ein angebliches 100-Millionen-Angebot aus Manchester die Runde machte. Cotterill fasste seine Eindrücke zusammen: „Manchester braucht ein neues Ziel.“

Sky-Reporter wartet am Dortmund Airport vergeblich auf Sancho

Cotterill aber legte seine Mission nicht zu den Akten. Er witterte eine zweite Chance, Jadon Sancho noch persönliche Worte zu der Transfer-Entscheidung zu entlocken. Am Dortmunder Flughafen. Denn dort checkte der BVB am Dienstagabend ein für den Flug zum Supercup nach München. Cotterill postierte sich am Check-In-Schalter, die Dortmunder Spieler schritten nach und nach zum Flugsteig. Doch ausgerechnet er fehlte: Sancho. Wenig später vermeldete der BVB: „Atemwegsinfekt, Sancho reist nicht mit nach München.“ Reporterpech.

Sky Sports schaltete am Abend aus England noch einmal live zu Gary Cotterill, auch am Mittwochvormittag hatte er wieder mit seiner Kamera Position bezogen vor dem Trainingsgelände in Dortmund-Brackel. Er wollte einfach nicht aufgeben, hielt unablässig Ausschau nach Jadon Sancho. „Vielleicht holt er sich Medikamente bei den BVB-Ärzten ab“, sagte er und blickte hoffnungsvoll hinüber zum Parkplatz der BVB-Profis. Wie lange Cotterill das noch tun muss, ist nicht überliefert. Das Transferfenster schließt am 5. Oktober.

Dembele-Deal würde BVB weitere Millionen Euro in die Kasse spülen

Vielleicht aber landet der Sky-Reporter noch einen Glückstreffer. Denn schnappt sich Manchester statt Jadon Sancho nun den offenbar als Option zwei umworbenen früheren Borussen Ousmane Dembele, so könnte Cotterill in Dortmund direkt Stimmen einfangen. Zu welchem Thema? Was der BVB mit den mehreren Millionen Euro anstellen will, die er aus einem Dembele-Weiterverkauf vom FC Barcelona an Manchester United kassieren würde. Vielleicht also wird es mit dem abschließenden Dessert der Sancho-Transferposse noch etwas dauern.

Lesen Sie jetzt