Die Diskussionen um einen möglichen Wechsel von BVB-Torjäger Erling Haaland halten an. © imago / Norbert Schmidt
Borussia Dortmund

BVB sicher: Torjäger Erling Haaland bleibt in Dortmund

Geht er oder bleibt er? Die Diskussionen um einen Wechsel von Torjäger Erling Haaland reißen nicht ab. Beim BVB geben sich die Bosse betont gelassen. Aus guten Gründen.

Es war absehbar. Von Anfang an. Ein Deal mit dem umstrittenen Starberater Mino Raiola, eine Ausstiegsklausel für Torjäger Erling Haaland – seit Wochen wird jetzt das Wechseltheater Kapitel für Kapitel weitergeschrieben. In der ersten Reihe sitzen bei diesen Aufführungen die Verantwortlichen von Borussia Dortmund. Sie schauen sich die Spielchen gelassen an, sie sind sicher: Haaland spielt auch in der nächsten Saison beim BVB. Worauf sie sich eingelassen haben, war ihnen bewusst.

Um Haaland zu bekommen, stimmte der BVB der Ausstiegsklausel zu

Um zu verstehen, warum die BVB-Bosse diesem Konstrukt zugestimmt haben, muss man zurückblicken. Als Haaland im Herbst 2019 auf den Markt kam, hatte er zwar noch keinen Superstar-Status. Halb Europa war trotzdem an ihm interessiert. Für den Zuschlag stimmte Dortmund der eigentlich verhassten Ausstiegsklausel ausnahmsweise zu und legte zu den fixierten 20 Millionen Euro Ablöse bei Handgeld und Nebenabsprachen nochmal viele Millionen drauf. Dass der BVB nicht sparsam ist bei zusätzlichen finanziellen Anreizen für Agenten und Makler hat vorige Woche ManCity-Trainer Pep Guardiola angemerkt. Der deutsche Spielerberater Stefan Backs behauptet: „Dortmund zahlt auch im internationalen Vergleich großzügige Berater-Provisionen, um sich seine Top-Talente zu sichern. Das lockt automatisch Typen wie Mino Raiola an.“

Im Sommer 2022 kann Team Haaland die festgelegte Ausstiegsklausel aktivieren. Die genaue Summe steht nach Informationen der Ruhr Nachrichten nicht fest, weil sie eine Reihe leistungsbezogener Variablen beinhaltet. Es dürfte auf einen Betrag von mehr als 80 Millionen Euro hinauslaufen, auf eine dreistellige Millionensumme wird sich der Preis nicht erhöhen. Aktuell beträgt Haalands Wert laut Transfermarkt.de 110 Millionen Euro. In der Realität müsste ein Interessent viel mehr bieten. Und bekäme im Sommer 2021 trotzdem keinen Zuschlag.

Bei Lewandowski und Sancho blieben die BVB-Boss hart

Natürlich ist und bleibt es trotz des bestehenden Vertrags in jeder Transferperiode Gegenstand von Spekulationen, ob Haaland beim BVB bleibt. Champions League hin oder her. Bei Robert Lewandowski im Jahr 2013 oder zuletzt Jadon Sancho blieben die Bosse hart, weil der sportliche Wert den ökonomischen Verlust bei einer weiteren Spielzeit in beiden Fällen überstieg. Bislang ist man der Überzeugung, dass dies auch beim norwegischen Torjäger so sein wird. Selbst bei einer Fabelsumme will der BVB nicht Kasse machen.

Wer wäre international überhaupt in der Lage, eine Ablöse im Bereich von 150 bis 200 Millionen Euro zu zahlen? Plus üppige Handgelder, Beraterprovisionen und ein stattliches Gehalt für eine Vertragslaufzeit von vier bis fünf Jahren? Die Coronakrise schüttelt vor allem auch die umsatzstärksten Klubs durch, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie bleiben bei vielen noch unabsehbar. Das Haaland-Paket ist rekordverdächtig schwer.

Der BVB bleibt aus mehreren Gründen gelassen im Haaland-Poker

Aus der obersten Etage der europäischen Fußballelite, und nichts anderes kann Haalands Ziel sein, scheiden nach derzeitigem Ermessen eigentlich alle Kandidaten aus. Sie sind entweder hoch verschuldet (Barcelona, Real Madrid). Oder sie sind finanziell nicht potent genug oder nicht willens, einen Batzen von 300 Millionen Euro für einen Spieler zu zahlen (FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, Juventus Turin, Bayern München). Oder im ganz großen Maßstab eine Nummer zu klein, wie etwa der FC Chelsea.

Jubeln durfte Haaland schon länger nicht mehr über ein eigenes Tor. Seit sieben Pflichtspielen ist er ohne Treffer für den BVB. © imago images/Moritz Müller © imago images/Moritz Müller

Auch das ist ein Grund, warum die Chefs der Borussia nicht nur in der Öffentlichkeit „ganz entspannt“ (O-Ton Sportdirektor Michael Zorc) mit dieser Personalie umgehen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Zorc haben dem „Team Haaland“ persönlich mitgeteilt, dass der Mittelstürmer für den Neuaufbau im Sommer unter Trainer Marco Rose fest eingeplant ist. Als Eckpfeiler. „Wir haben eine klare Botschaft gegeben“, betonte Zorc am Mittwoch, „und diese ist, dass wir mit ihm weiter planen. Dass sein Berater Mino Raiola das eventuell anders sieht, mag sein. Fakt ist, ohne unsere Unterschrift geht da nichts. Unabhängig davon, ob wir uns noch für die Champions League qualifizieren oder nicht.“

Was will der potenzielle Weltstar Haaland selbst?

Bleibt die Frage, was der potenzielle Weltstar der angebrochenen Dekade selbst will. Er wird bei ausreichender Reflektion sehen, wie gut ihm die Entwicklung in Dortmund bisher tut. Wie sehr er sich in vielen bei ihm noch ausbaufähigen Details des Fußballspiels verbessert, auch wenn er – erstmals – eine Durststrecke von sieben Pflichtspielen ohne Torerfolg durchleiden muss. Das Geschacher in seinem Umfeld beeindruckt auch den betont coolen Haaland. Er ist erst 20 Jahre alt. Wie sehr würde ihn eine Saison ohne Champions League, seinen erklärten Lieblingswettbewerb, bei seinem Sprint an die internationale Torjäger-Spitze bremsen?

Letztlich läuft die Entscheidung auf eine Abwägung zwischen Geduld und Gier hinaus. Bisher hat das „Team Haaland“ die richtigen Schlüsse gezogen und den Weg über Bryne, Molde und Salzburg hin nach Dortmund gewählt, obwohl auch namhafte Adressen wie Manchester United oder Juventus Turin ihr Interesse hinterlegt hatten. Der bisherigen Karriere des Ausnahmestürmers hat diese stetige Entwicklung nicht geschadet.

Watzke über Haaland: „Wollen, dass er mit Überzeugung für den BVB Tore schießt“

Zorc meint: „Seine Zeit ist hier noch nicht beendet.“ Sein Wunsch und geltendes Vertragswerk sind die Väter dieses Gedankens. Beides hat im Raubtiergeschäft Profifußball grundsätzlich eine begrenzte Halbwertszeit. Die öffentlichkeitswirksame Reise von Raiola und Vater Alfie Haaland gehört zum typischen Klappern im Geschäft. Sie kam zwar zur Unzeit, aber nicht überraschend. Vor Erling Haalands Wechsel zum BVB jettete United-Trainer Ole-Gunnar Solskjaer auch nach Salzburg, Team Haaland flog demonstrativ nach Leipzig und Dortmund.

Um Haaland vom BVB weiter zu überzeugen, muss der Klub nur auf den geltenden Kontrakt pochen. Eine klare Perspektive schadet auch nicht. „Wir wollen ja auch, dass er gerne bei uns bleibt. Dass er mit Überzeugung nächstes Jahr für den BVB Tore schießt“, sagte Hans-Joachim Watzke. Eine bewährte Strategie der Vergangenheit kommt diesmal nicht zum Zug: Für ein verbessertes Gehalt, erkauft mit einer nach oben korrigierten Auslöse-Forderung im Sommer 2022, sieht man in Dortmund wohl keine Notwendigkeit. Dem Vernehmen nach gehört der Norweger bereits zu den Top-5-Verdienern im Verein.

Die Chancen für einen Haaland-Verbleib beim BVB stehen gut

Die Haaland-Seite würde sich damit auch nicht ködern lassen. Bei den bisherigen Konditionen könnten für einen Transfer in kommenden Jahr mehr Klubs in den Bieter-Wettstreit einsteigen und den Preis nach oben treiben, die Differenz zwischen fixierter Ablöse und tatsächlichem Marktwert gilt als Anhaltspunkt für die Provisionen.

Gier oder Geduld? Bleibt er oder geht er? Die Chancen für eine weitere Saison von Haaland in Schwarzgelb stehen dem Vernehmen nach viel besser, als man es in England oder Spanien wahrhaben will. Beim BVB ist man sicher: Haaland bleibt.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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