BVB-Sieg wird zur Nebensache: Die Hetze eskaliert - es läuft etwas gewaltig schief

mlzKommentar

Der BVB-Sieg gegen Freiburg wird in Anbetracht der Anfeindungen gegen Dietmar Hopp zur Nebensache. Die Hetze eskaliert - es läuft etwas gewaltig schief.

Dortmund

, 29.02.2020, 21:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir haben einen Punkt erreicht, der so nicht mehr zu tolerieren ist.“ Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc brachte es nach dem erzitterten 1:0-Sieg des BVB gegen den SC Freiburg auf den Punkt. Es muss eine Lösung her, die anhaltende Hetze in den Bundesliga-Stadien zu stoppen. Wenn der Fußball von Schmährufen und Beleidigungen komplett in den Hintergrund gedrängt wird und Spiele deshalb kurz vor dem Abbruch stehen, dann läuft etwas gewaltig schief in den Kurven der Bundesliga-Stadien.

Dass die Borussen-Ultras die vom DFB jüngst verkündete Strafe, die Aussperrung aller BVB-Fans in Hoffenheim für die nächsten zwei Jahre, nicht reaktionslos hinnehmen würden, war klar. Sie nutzten das Spiel am Samstag gegen Freiburg, um Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp per Schmähgesängen unüberhörbar erneut zu diffamieren. Und sie nahmen so bewusst die nächste Stufe der Eskalation in Kauf - der Schiedsrichter drohte mit dem Abbruch der Partie.

Es müssen klügere Lösungen her als die Kollektivstrafe gegen den BVB

In Hoffenheim, wo sich Bayern-Anhänger mit den Borussen am Samstag solidarisierten und Hopp per Banner beleidigten, stand das Spiel noch viel näher an einem Abbruch als in Dortmund. Ähnliche Szenen gab es in der Vorwoche in Gladbach zu sehen: Hopps Gesicht inmitten eines Fadenkreuzes - so wie einst auch schon im Dortmunder Fanblock.

Kein Zweifel: Für dieses scharfe und sich offenbar immer weiter hochschraubende Problem müssen dringend Lösungen her. Und es müssen klügere sein als die Kollektivstrafe, die der DFB vor wenigen Tagen gegen den BVB ausgesprochen hat. Tausende Fans werden ausgesperrt, weil sich eine kleine Gruppe nicht an die Regeln hält. Das schürt nur Wut. Zum Beweis: Aus der Freiburger Fankurve schalten am Samstag Anti-DFB-Gesänge hinüber.

Die Verantwortlichen des BVB beziehen klar Stellung

Auch die Drohung von Spielabbrüchen erreicht letztlich nicht die gewünschte Abschreckung. Dafür sind die Fronten zwischen Ultras und DFB längst zu verhärtet. Die Auseinandersetzung ist längst zu einem Machtkampf mutiert, der dieses Chaos immer weiter verschlimmert. Rufen die Schalker Fans im Revierderby in zwei Wochen „BVB Hurensöhne“, wird dann die Partie wirklich abgebrochen? Unvorstellbar.

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Dass sich die Verantwortlichen des BVB nach der Partie klar positionierten und die Aktion der Fans scharf verurteilten, war gut und absolut richtig. Es setzte für alle Anhänger ein deutliches Zeichen gegen jede Art von Anfeindungen: Hetze gegen Menschen gehört weder ins Stadion noch sonst irgendwohin. Die Ansage der BVB-Bosse wird dennoch die Probleme nicht lösen. Nächsten Samstag steht das Duell der Borussias in Gladbach auf dem Plan - es ist zu befürchten, dass dann aus beiden Fanlagern neues Öl ins Feuer gegossen wird. Und die Lage erneut eskaliert. Die beiden Klubs werden in den nächsten Tagen versuchen, sich bestmöglich zu wappnen, auf ihre Ultras einzuwirken - doch wird das reichen? Vermutlich zumindest nicht nachhaltig.

Im Härtefall müssen den Worten auch Taten folgen

Auch Freiburgs Trainer Christian Streich hatte am Samstagabend keine optimale Lösung parat. Aber er lieferte einen Ansatz, der nachdenkenswert klang. „Wehret den Anfängen. Vielleicht müssen wir dann einfach vom Platz gehen und mit dem Spiel aufhören, falls diese Hetze nicht aufhört“, sagte Streich und begründete: „Es geht um Haltung. Und es gibt Wichtigeres als Fußball. Ich bin der Erste, der vom Platz geht.“

Ja, vielleicht ist genau das der kluge, der nachhaltige Ansatz. Dass die Fußballer selbst zeigen, dass es so nicht weitergehen kann auf der Tribüne. Dass sie ihren Anhängern klar machen: Wir hören sofort mit dem Spiel auf, wenn gegen Hopp, gegen Menschen anderen Glaubens oder anderer Hautfarbe gehetzt wird. Und im Härtefall Worten auch Taten folgen lassen. Im Millionenspiel Profifußball klingt das zwar zunächst reichlich naiv. Aber dass bei einem Fußballspiel nicht mehr der Fußball im Mittelpunkt steht, das kann keiner wollen, dem dieses Spiel am Herzen liegt.

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