BVB-Spaßfußballer Julian Brandt: Aus der Coronapause befreit

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Fußballspielen als Beruf und Berufung: Für Julian Brandt gehört der Spaßfaktor immer dazu, er wirkte beim Re-Start wie befreit. So könnte der BVB-Spielmacher ein Trumpf im Titelkampf werden.

Dortmund

, 18.05.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gesundheit zählen fast alle auf. Familie und Freunde gehören unbedingt dazu. Und im besten Fall kommt noch ein Beruf dazu, der Freude bereitet. Während der Corona-Pandemie haben viele Menschen den Leerlauf der Wochen im Ausnahmezustand genutzt, um die Prioritäten in ihrem Leben noch einmal zu überdenken. Glücklich schätzen kann sich, wer geerdet ist und gute Leute in seinem Umfeld verortet. Julian Brandt von Borussia Dortmund gehört zu diesen glücklichen Menschen, spätestens seit Samstag. Seit er nach langer Auszeit endlich wieder seiner Leidenschaft, seinem Beruf nachgehen kann.

Voller Spielwitz drehte Brandt im Derby gegen Schalke 04 auf, als habe sich die Kreativität angestaut und müsse nun mit einem großen Schwall ausgeschüttet werden. „Es wäre für mich das Schlimmste, wenn man mir ansähe, dass ich keinen Spaß mehr am Fußball hätte“, hat Brandt reflektiert, „denn dann müsste ich mir eingestehen, die Basis für alles verloren zu haben.“

Julian Brandt bleibt geerdet

Während der fußballreduzierten Zeit hat sich Brandt mit anderen Hobbys beschäftigt, Grillen zum Beispiel (ganz passabel) oder als DJ am Computer (ausbaufähig). Einige Runden „Fortnite“ dürften es auch geworden sein. Den Blick über den Tellerrand hat er, bodenständig in Bremen aufgewachsen, dabei nicht verloren. Ob beim Projekt „We kick Corona“, bei der Spendenaktion der Nationalmannschaft oder dem Gehaltsverzicht beim BVB, für den gerade 24-jährigen Profi war es eine Selbstverständlichkeit, sich zu engagieren, ohne mit Promotion in den sozialen Medien extra Öffentlichkeit zu generieren. „Ich behalte das lieber für mich“, sagt er, „ich bin kein Held oder sowas.“

Pöhlen ist Julian Brandt lieber als Publicity. Wenn die Bundesliga nur mit Geisterspielen weiterlaufen könne, sei das unschön, vor allem für die Fans. „Uns allen wäre es natürlich lieber, wenn die Bedingungen wieder normal wären.“ Doch bis das wieder möglich ist, komme es darauf an, „wer diese besondere Situation am besten annehmen“ könne. Was ihn selbst betrifft, so hat er die Antwort am Samstag bereits gegeben.

BVB-Profi Julian Brandt: Einer der besten Dortmunder im Derby

Kein anderer Spieler auf dem Rasen führte mehr Zweikämpfe (31), kein anderer drückte mit Eleganz und Effizienz dem Spiel so sehr seinen Stempel auf. Zwei Treffer bereitete Julian Brandt direkt vor, zwei weitere Tore leitete er ein mit aushebelnden Pässen in die entblößte Schalker Abwehr. Fünfmal assistierte er für einen Abschluss. Eine Eins für die Nummer 19, deren größte Stärke die Flexibilität ist, solange er irgendwo im Zentrum, am Puls des Geschehens, seine Kreise ziehen darf.

Weit draußen auf dem Flügel, wo ihn sein Trainer Lucien Favre zu Beginn der Saison aufstellte, fühlte sich der Neuzugang weniger wohl. Als Achter vor der Dreierkette sammelte er im Spätherbst seine Meriten, jetzt tut sich ein vielleicht noch idealerer Wirkungsbereich auf. Zu Mittelstürmer Erling Haaland passen zwei verkappte Spielmacher hinter der Spitze besser als zwei Flügelflitzer, diese Rolle als halber Zehner scheint maßgeschneidert für Brandt. Immer anspielbar, sehr ballsicher, begnadet kreativ, wird er von der Defensive gesucht und findet dann im Angriff die Abnehmer. Wie am Samstag, als Schalkes Sechser-Riegelchen mit Suat Serdar und Weston McKennie meist nur staunend zuschauen konnte. „Man versucht seinen Spaß zu finden, ich finde auch, dass man sehen konnte, dass wir den streckenweise hatten.“ Sagt der Spaßfußballer Julian Brandt.

BVB muss weiter auf Brandt setzen

Auf ihn muss der BVB in den nächsten Wochen weiter setzen in dieser Paraderolle als offensives Schwungrad. Zumal die Mannschaft nicht auf Kapitän Marco Reus bauen kann, der seit drei Monaten aussetzen muss und nur noch wenige Spiele (in Teilen) absolvieren wird. Ein Faktor beim erwünschten Duell um die Meisterschale mit dem FC Bayern München heißt Julian Brandt, der sich unbändig freute, endlich wieder kicken zu können. „Und was gibt es Schöneres, als mit so einem Sieg wieder in die Saison einzusteigen?“ Eine Antwort auf diese rhetorische Frage könnte lauten, die Saison mit einem Triumph zu beenden.

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