BVB-Spieler gehen mit einem faden Nachgeschmack in die Sommerpause

mlzBorussia Dortmund

Borussia Dortmund kann nach der peinlichen Niederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim nicht einfach so in die Sommerpause gehen. Es bleibt ein fader Nachgeschmack.

Dortmund

, 28.06.2020, 19:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

An Wegstrecke kommen knapp 100 Meter zusammen von der grünen Liegewiese des benachbarten Freibads bis zum grünen Rasen im Dortmunder Stadion. Die Sonnenanbeter im Volksbad versprühten am Samstagmittag aber mehr Elan als so mancher Borusse, der sich beim Saisonfinale auch ohne Handtuch und Badematte einen ruhigen Tag genehmigte. Blöd nur, dass die TSG 1899 Hoffenheim (nicht) mitspielte: Das 0:4 (0:2) am letzten Spieltag der Saison hinterlässt einen mehr als faden Nachgeschmack, der sich über die Sommerpause hinaus bis in die Vorbereitung halten dürfte.

„Wir wollten die Saison so nicht beenden, denn das sind nicht wir“, sagte Axel Witsel, der wie einige Mitspieler sichtlich Mühe hatte, sich über den Platz zu schleppen. „Das war ein schlechter Tag, den müssen wir jetzt schnell vergessen.“ Damit wollte der belgische Ballmagnet einen Ticken zu rasch zur Tagesordnung übergehen, beziehungsweise in den Urlaub. Denn spätestens in der Saisonanalyse der Verantwortlichen und – eine selbstkritische Reflektion vorausgesetzt – auch bei vielen Spielern muss das Thema der mangelhaften Motivation auf die Agenda.

BVB-Keeper Bürki spricht Probleme an

Roman Bürki, als ehrliche Haut bekannt, ging da nicht mit. Er sah am Samstag „eine Mannschaft auf dem Platz, die nicht viel Lust hatte. Wir müssen weiter an unserer Gewinner-Mentalität arbeiten. Das ist das, was Bayern mehr hat als wir. Über eine Saison sind das dann die kleinen Dinge, die eben fehlen, um ganz oben zu stehen. Daran müssen wir arbeiten.“

Weil tabellarisch nichts mehr anbrennen konnte, ließen die Borussen gegen Hoffenheim das Spiel und die Gegenspieler desinteressiert vorbeilaufen. Andrej Kramaric erzielte als erster Spieler der TSG einen Viererpack (8., 30., 48., 50.), mit dem die Gäste sich direkt für die Europa League qualifizierten und diesen Coup nach dem Abpfiff lauthals auf dem Rasen feierten. Die Dortmunder begaben sich auch körperlich dorthin, wo sie geistig zuvor weilten: in die Ferien.

BVB-Coach Favre mach bei der Pressekonferenz das nächste Fass auf

Während die Spieler also einzeln vom Hof brausten, machte Trainer Lucien Favre bei der virtuellen Pressekonferenz das nächste Fass auf. „Wir haben unser Ziel vor einer Woche in Leipzig erreicht, wo wir ein gutes Spiel gemacht haben“, erklärte der 62-jährige Schweizer. Mit dem fixierten Vizetitel sei die Saison gelaufen gewesen. Über die Bayern „müssen wir nicht sprechen“, sagte Favre, der eher die Konkurrenz auf den Plätzen hinter der Borussia fürchtet. Anders als die Wortführer in der Mannschaft und die Bosse aus der Chefetage verweigerte sich der Trainer wie vor Saisonbeginn den allseits gehegten Titelambitionen und sorgte so dafür, dass zusätzlich zu den Dissonanzen im Umgang mit ihm auch noch handfeste Differenzen über die Saisonziele das Verhältnis belasten. Gemeinsamen Träumen bereitet man so keinen Nährboden.

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Wenn Borussia Dortmund über die Sommerpause hinaus so in Erinnerung bleibt, wie sich die Mannschaft am Samstag verabschiedet hat, bedeutet das nicht nur Gutes. Der BVB bleibt der beste Klub vom Rest der Liga, für die Meisterschaft reicht es aber wieder nicht. „Wir haben den Kader, um die Bayern zu schlagen, aber nicht ihre Einstellung“, sagte Bürki.

Damit wäre eine dringliche Aufgabe für den Sommer klar umschrieben.

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