BVB-Torjäger mit DFB-Pokal: Erling Haaland. © imago / Witters
Borussia Dortmund

BVB-Spielerzeugnis: Haaland überragt alle – doch es geht noch besser

Schwarzgelbe Lebensversicherung, sprintender Superlativ oder einfach „Torweger“: BVB-Stürmer Erling Haaland überragt alle und will noch höher hinaus. Es gibt Verbesserungspotenzial.

Irgendwann im Laufe der Saison, Erling Haaland hatte gerade einen seiner zehn Doppelpacks in der Bundesliga zu einem Sieg beigesteuert, musste auch Michael Zorc passen. Für die Tore und Trefferquoten, die der Torjäger des BVB reihenweise lieferte, fand sein Sportdirektor kaum noch ausdrucksstarke Worte. „Alles, was ich bisher gesagt habe zu ihm“, erklärte Zorc, „und dann das Ganze hoch zwei.“ Superlative im Quadrat: Es benötigt eine sprachlich-mathematische Unmöglichkeit um zu dokumentieren, welche Bedeutung Erling Haaland in seiner ersten kompletten Spielzeit für Borussia Dortmund eingenommen hat.

Erling Haaland wird seinen Weg beim BVB weitergehen

Um einige der Topwerte vorwegzuschicken: In der Champions League ist der 20-Jährige mit zehn Treffern Torschützenkönig geworden, obwohl der BVB bereits im Viertelfinale ausgeschieden ist. Mit 41 Treffern bei 41 Pflichtspieleinsätzen (plus zwölf Vorlagen) ist ein Haaland-Tor pro Spiel quasi garantiert – im Durchschnitt trifft der blonde Büffel alle 86 Minuten. Von den Usern der Ruhr Nachrichten gab es dafür die Saison-Note 1,1 – Platz eins mit Abstand vor Jadon Sancho (1,7) und Mats Hummels (1,8).

Mit 36 km/h avancierte Haaland zum zweitschnellsten Spieler der Bundesliga, doch ihn und sein Spiel auf das einfache Schema „Steilpass-Tor“ zu reduzieren, wird ihm uns seiner Mannschaft längst nicht mehr gerecht. Ja, das Spiel von Borussia Dortmund ist extrem auf den Norweger zugeschnitten, er ist der erklärte Zielspieler. Zugleich hat er sich auf anderen Gebieten sichtlich weiterentwickelt und wird dies weiter in Westfalen tun. Nachdem die BVB-Bosse mehrfach wiederholt hatten, bei einem potenziellen Wechselwunsch nicht gesprächsbereit zu sein, hat auch Haaland angemerkt, er werde seinen Vertrag „respektieren“. Die Show kann also weitergehen.

Erling Haaland beim BVB: Statistiken der Superlative

In der Bundesliga ist Haalands Quote exzellent: In 28 Spielen erzielte er 27 Tore bei 94 Versuchen, ein irre guter Wert. Lediglich zwei vergebene Strafstöße schmälern die Bilanz. 39 Torchancen legte er auf, neunmal fand der Ball den Weg ins Netz. Die Zweikampfquote von 48 Prozent gewonnener Duelle ist für einen Stürmer ein ausgezeichneter Wert. Haalands Durchsetzungsvermögen, gespeist von Schnelligkeit und Wucht, findet hier ihren Niederschlag. Ebenfalls interessant: In der Luft gewinnt der 1,94 Meter lange Angreifer „nur“ 45 Prozent seiner Duelle. Platz eins im teaminternen Ranking ist ihm sicher bei den Toren (27), den Scorerpunkten (36), den Torschussbeteiligungen (133) und dem Topspeed (36,0 km/h).

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Im ligaweiten Vergleich lässt sich festhalten, dass Torschützenkönig Robert Lewandowski für seine 41 Treffer 138 Abschlüsse benötigte, der zweitplatzierte Andre Silva (28 Tore) mit 114 auch noch 20 Schüsse mehr als Haaland. Der Borusse ist der effektivste Stürmer. Sein Trainer Edin Terzic formuliert es nüchtern: „Wir wissen, dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass er trifft, wenn er eine Vielzahl an Chancen hat.“

Haaland macht beim BVB bemerkenswerte Fortschritte

Wie die Analyse-Plattform Smarterscout wenig überraschend aufzeigt, ist Haalands herausstechende Fähigkeit – wenig überraschend – das Toreschießen. Wird ihm der Ball aufgelegt, im oder nahe vor dem Strafraum, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer exorbitant hoch. Bei den „Expected Goals“ nach verwertbaren Vorlagen kommt er auf nahezu 100 Prozent. Da fällt es weniger ins Gewicht, dass er nur bedingt Kopfballduelle gewinnt, sein Defensivverhalten wenig Wirkung zeigt und er kaum mal den Ball nach vorne passt und selten bis wenig erfolgreich ins Dribbling geht.

Was seine Weiterentwicklung hin zu einem kompletteren Fußballer betrifft, hat Haaland bemerkenswerte Fortschritte gezeigt für einen 20-Jährigen. Anfangs, bei aller gerechtfertigten Bewunderung für seine Stürmer-Qualitäten, eher staksig und eindimensional (in die Tiefe) unterwegs, behauptet er mittlerweile fast jeden zweiten Ball im Kräftemessen mit seinen Gegenspielern. So wird er als Anspielstation immer wichtiger, um seinen Mitspielern Raum und Zeit zu geben, weil sie nachrücken können, während er Aufmerksamkeit und Kontrahenten auf sich zieht. Mehr denn je ist Haaland unter Trainer Terzic zu einem mannschaftsdienlichen Spieler gereift, der für seine Freiheiten in der Defensivarbeit mit Toren, Toren, Toren zurückzahlt.

BVB-Torjäger Haaland auf einer Stufe mit Lewandowski und Mbappe

Als bester Nachwuchsfußballer der Welt darf sich der „Golden Boy“ bereits bezeichnen, in der Generation nach den Superstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi bringt nur der Vergleich mit Robert Lewandowski (Bayern München) oder Kylian Mbappe (Paris Saint-Germain) den Borussen ins Schwitzen.

Fazit:

Erling Haaland war in der abgelaufenen Spielzeit Borussia Dortmunds Lebensversicherung. Ohne seine Tore und den Schrecken, den er bei Gegnern verbreitet, hätte der BVB seine Saisonziele schwerlich erreicht. Nicht ohne Grund fiel die mit schwächste Saisonphase Anfang Dezember in die Zeit, in der Haaland wegen eines Muskelfaserrisses sechs Partien verpasste.

Haaland kann Ausstiegsklausel beim BVB im Sommer 2022 ziehen

Aktuell gibt es keine Anzeichen, dass der „Torweger“ den BVB im Sommer noch verlassen könnte. Das Gesamtpaket aus Ablöse (ca. 150 Millionen Euro) sowie Honoraren und Gehalt kann sich kein Klub leisten, und in Dortmund möchte man ihn unter allen Umständen halten. Eine Ausstiegsklausel mit mehreren Variablen könnte „Team Haaland“ erst für den nächsten Sommer ziehen, dem BVB würde die Ablöse je nach Verlauf an die 90 Millionen Euro bescheren.

Doch das ist (noch) Zukunftsmusik. Hier und jetzt hat Haaland die Chance, sich noch weiter zu steigern. Wer den ehrgeizigen Burschen kennt, der weiß: Liebend gerne würde er sich auch die Torjägerkanone in der Bundesliga sichern. Auf den Wettstreit mit Robert Lewandowski freut er sich schon jetzt.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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