Präsentierte sich im letzten Saisondrittel in Topform: BVB-Kapitän Marco Reus. © imago
Borussia Dortmund

BVB-Spielerzeugnis: Kapitän Reus hat großen Anteil an der Aufholjagd

Marco Reus erlebt beim BVB eine seiner schwierigsten Spielzeiten. Erst läuft wenig zusammen, doch in der entscheidenden Phase ist der Kapitän zur Stelle - weil er sein Spiel umgestellt hat.

Zu seinem 32. Geburtstag bekam Marco Reus viele Glückwünsche von Teamkollegen, in den sozialen Medien ließ sich nachverfolgen, dass auch einige Ex-Kollegen wie Julian Weigl zu den Gratulanten gehörten. Reus wird das womöglich gelesen haben, während er seine auf einem Pferd sitzende kleine Tochter begleitete. Anders als erwartet nach einem furiosen Saisonfinale befindet sich Reus derzeit nicht im deutschen Teamhotel nahe Seefeld in Tirol und bereitet sich auf die anstehende Europameisterschaft vor. Der Dortmunder Kapitän erholt sich daheim von der Saison und genießt den Urlaub.

An der BVB-Aufholjagd hatte Marco Reus großen Anteil

Reus‘ Verzicht auf die EM hat rund um das Saisonende für Aufsehen gesorgt. Er habe gemeinsam mit dem Bundestrainer abgesprochen, nicht für Deutschland zu spielen, „nach einer komplizierten Saison“ brauche sein Körper Erholung. Für diese Entscheidung erntete Reus viel Zuspruch, auch von den BVB-Fans, die sich nun darauf freuen dürfen, dass ihr Kapitän erstmals seit etlichen Jahren wieder eine komplette Vorbereitung im Sommer bestreiten wird.

Entsprechend hoch dürften die Erwartungen an Marco Reus sein, der vor allem im letzten Saisondrittel eindrucksvoll gezeigt hat, wie wertvoll er noch sein kann. Sieben seiner acht Assists in der Bundesliga steuerte er im Kalenderjahr 2021 bei, fünf seiner acht Bundesliga-Tore erzielte er in den letzten sieben Saisonspielen. An der Aufholjagd Richtung Champions League hatte Reus einen großen Anteil.

BVB-Kapitän Marco Reus wurde 20 Mal ausgewechselt

Dass er schwer in die Gänge kam, gehört zur Saisonbewertung von Marco Reus hinzu. Im Herbst reihte er sich ein in eine große Gruppe von Spielern, die aus unterschiedlichsten Gründen ihrer Top-Form hinterherliefen. Bei Reus waren die Schwierigkeiten erklärbar, sie waren die Folge seiner Sehnenentzündung im Adduktorenbereich, die ihn in der Rückrunde der Spielzeit 2019/20 mehrere Monate lang beschäftigt hatte und deren Folgen in die gerade beendete Spielzeit ausstrahlten.

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Denn der damalige Trainer Lucien Favre packte einen seiner wichtigsten Spieler in Watte. Reus stand zwar regelmäßig auf dem Platz, Favre belastete ihn aber wohl deutlich weniger, als Reus selbst das gewollt hatte. So kommt der Kapitän zwar gemeinsam mit Giovanni Reyna auf die zweitmeisten Bundesliga-Spiele (32) hinter Mats Hummels (33), liegt bei den Einsatzminuten (2291) nur auf Platz vier. 20 Mal verließ er vorzeitig das Feld, nicht immer war er einverstanden mit den Auswechslungen.

Reus macht 48 von 50 BVB-Spielen – und wirkt trotzdem topfit

Es dauerte daher, bis Reus zu alter Stärke fand, damit war er im Kader nicht allein. Auffällig ist, dass der 32-Jährige trotz der vielen Spiele (48 von 50) gerade am Ende einen topfitten und spritzigen Eindruck hinterließ.

Reus unterfütterte den optischen Eindruck mit Toren und Assists, er war dazu in einigen weiteren Kategorien wertvoll. 59 Mal schoss er aufs Tor, nur Erling Haaland suchte häufiger selbst den Abschluss, zu 63 Torschüssen von Mitspielern lieferte Reus die Vorarbeit. 30 Sprints pro Spiel sind ebenfalls ein Top-Wert.

Reus leistet wichtige Defensivarbeit für das BVB-Team

Über den Tempoverlust in Marco Reus‘ Spiel ist viel geschrieben worden. Er gehörte auch in der abgelaufenen Saison nicht zu Dortmunds schnellsten Spielern und hat daher sein Spiel umgestellt. Unter Edin Terzic war auffällig, dass ein Punkt stärker zur Geltung kam, der lange nicht zu den Kernkompetenzen des Offensivspielers zählte. Reus bestritt 547 Zweikämpfe, 17,1 pro Spiel. Die Quote von 48,2 Prozent gewonnener Duelle ist ansprechend. Dass auch die Offensivspieler wie Reus Defensivarbeit leisteten, war am Ende ein Schlüssel für die deutlich stabileren Auftritte, gerade defensiv.

Fazit:

Insgesamt kann Reus daher auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken, das einzige Manko in der Rückschau sind die zwei verschossenen Elfmeter. Es wird ihm guttun, dass er sich auch erfolgreich durch ein Tal gekämpft hat – so wie schon mehrfach in seiner Karriere.

Der Ausblick in die Zukunft lässt daher hoffen: Reus‘ Entscheidung, auf die EM zu verzichten, wird ihm hoffentlich helfen, gleich von Beginn an auf Top-Niveau agieren zu können. Mit seinen nun 32 Jahren wird wichtig bleiben, sehr genau auf den eigenen Körper zu hören. Bleibt er verletzungsfrei, dürfte Borussia Dortmund auch in der neuen Saison stark von Marco Reus profitieren.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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