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Borussia Dortmund

BVB-Spielerzeugnis: Moukoko erlebt turbulente Premierensaison – glänzende Perspektiven

BVB-Talent Youssoufa Moukoko erlebt eine aufregende erste Bundesliga-Spielzeit. Nicht immer verläuft sie nach seinem Geschmack. Die Perspektiven des 16-Jährigen in Dortmund sind glänzend.

Das Foto taugt für den Highlight-Band der diesjährigen Pokalsaison. Youssoufa Moukoko, aus vollem Halse lachend, neben ihm Sportdirektor Michael Zorc, der von Borussia Dortmunds jüngstem Kader-Mitglied ganz offensichtlich eine ordentliche Bier-Dusche abbekommen hat. Auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions konnte das Super-Talent im Pokalfinale nicht mitwirken, nach dem Abpfiff gehörte er zu den auffälligsten Borussen.

BVB-Youngster Moukoko hat schon jetzt großes Selbstvertrauen

Der BVB-Fangemeinde ging das Herz auf bei diesem Bild, auch Moukokos Bossen. Was sagt das aus, wenn ein Newcomer, gerade mal 16 Jahre alt und in allen Bereichen ein Novize, sich traut, dem erfahrensten Manager der Liga, ein BVB-Urgestein noch obendrein, ein ordentlich gefülltes Glas Bier über den Kopf zu kippen? Und der sich darüber auch noch tierisch freut?

Es spricht natürlich für die überschäumende Freude, der alle Dortmunder nach einer überaus komplizierten Saison in diesem Moment freien Lauf ließen. Nach vier Jahren endlich wieder ein Titel gewonnen zu haben, das musste und durfte gefeiert werden. Es spricht vor allem aber auch für das große Selbstvertrauen, mit dem Moukoko sich in nach nur wenigen Monaten in der Profi-Blase bewegt und mit dem er auch die Bundesliga-Bühne betrat.

Moukoko lässt Rekord um Rekord purzeln

Schüchtern ist Moukoko nur in Interviews. Dann lächelt er verlegen, sucht nach den richtigen Worten. Auf dem Platz ist er hingegen in seinem Element. Bundesliga-Debüt am 21. November beim 5:2 in Berlin, einen Tag nach seinem 16. Geburtstag. 17 Tage später: Debüt in der Champions League. Erster Startelf-Einsatz kurz vor Weihnachten, wieder in Berlin. In der Alten Försterei schießt Moukoko auch sein erstes Bundesliga-Tor. Moukoko lässt Rekord um Rekord purzeln, verhindern kann das Tor die Niederlage nicht.

Mit den ersten Minuten in Deutschlands höchster Spielklasse lässt Moukoko schwierige Wochen hinter sich. Er gehört seit dem Sommer zum Kader, aber er darf vor seinem 16. Geburtstag nicht in Spielen eingesetzt werden, auch nicht in Testpartien. Seit dieser junge Mann nach Deutschland gekommen ist, hat er auf diesen Tag in der Hauptstadt hingearbeitet. Er soll der Startpunkt sein – für eine möglicherweise ganz große Karriere. Der BVB führt ihn behutsam heran, die Partie bei Union Berlin bleibt seine einzige über 90 Minuten. Zwei weitere Treffer gelingen ihm aber noch, ehe eine Bänderverletzung bei der U21-Nationalmannschaft seine Saison schon im März beendet.

Moukoko hat in seiner ersten Profi-Saison beim BVB Eindruck hinterlassen

Das sind die Schattenseiten des Geschäfts. Dennoch hat Youssoufa Moukoko Eindruck hinterlassen in seinen am Ende 14 Bundesliga-Partien. In seinen 413 Einsatzminuten schießt er 19 Mal aufs gegnerische Tor, alle 21 Minuten gibt es statistisch einen Moukoko-Torschuss. Erling Haaland, hinter dem er in Ruhe wachsen soll, braucht dafür 46 Minuten. Diese Zielstrebigkeit ist auffällig. Sie hat ihn in den U-Mannschaften Tor-Rekorde förmlich pulverisieren lassen. Auch mit seiner Schnelligkeit kann Moukoko Akzente setzen, er sprintet mit 34,7 Km/h, nur drei Borussen sind noch schneller unterwegs.

Dass er noch ganz am Anfang steht, belegen andere Werte. Nur 75,8 Prozent seiner Pässe kommen beim Mitspieler an, im Kader haben nur Haaland und Ansgar Knauff schlechtere Passwerte. Manchmal will er mit dem Kopf durch die Wand, was in der U19 gelingen mag, gegen gestandene Abwehrspieler aber nicht funktioniert. Timing, Gespür für die richtige Handlungsweise, Zweikampfhärte – all das muss sich noch entwickeln bei Youssoufa Moukoko.

Zum BVB-Trainingsstart will Moukoko wieder fit sein

Dass er nur ein Etappenziel erreicht hat, weiß der 16-Jährige, dass er noch viel lernen muss, weiß er auch. Moukoko erstaunt die Trainer beim BVB mit seinem Ehrgeiz und der klaren Analyse darüber, wo er bei sich Verbesserungspotenzial sieht. Und so postet er seit einigen Wochen bereits Fotos aus der Reha, die zeigen, wie akribisch er sich auf sein Comeback vorbereitet. Am 1. Juli will er wieder dabei sein – und dann wieder voll durchstarten.

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Fazit

Das in ihn gesetzte Vertrauen hat Youssoufa Moukoko gerechtfertigt. Borussia Dortmund hat bewusst auf die Verpflichtung eines Backups für Erling Haaland verzichtet, um dem 16-Jährigen Entwicklungs-Wege nicht möglicherweise zu verbauen. Das war nicht ohne ein gewisses Risiko, hat sich aber bezahlt gemacht. Bleibt der Torjäger so fokussiert und motiviert (und daran gibt es keine Zweifel), wird er seinen Weg weitergehen. Dass auch die zweite Saison als Profi ein Lehrjahr sein wird, mit Höhen, aber vielleicht auch einigen Rückschlägen, dessen sind sich alle bewusst.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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