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Borussia Dortmund

BVB-Spielerzeugnis: Raphael Guerreiro ist der verkappte Spielmacher

Raphael Guerreiro gehört zu den besten Fußballern im BVB-Kader. Hakt es, gibt der Linksverteidiger einen verkappten Spielmacher. Die fehlende Konkurrenz auf seiner Position birgt Probleme.

Dieses Tor stand stellvertretend für den BVB-Fußball in der Endphase der Saison 20/21. In der wegweisenden Partie gegen Leipzig lief beim Stand von 2:2 bereits die Schlussphase: Julian Brandt leitete einen Konter über Jadon Sancho ein, der Engländer stoppte kurz ab und legte den Ball dann per Hacke auf den losstürmenden Raphael Guerreiro. Der wiederum schaute kurz hoch, erblickte wieder Sancho und passte gefühlvoll in die Mitte. 3:2 für Borussia Dortmund. Ein Meilenstein auf dem Weg in die Champions League.

Raphael Guerreiro stellt einen persönlichen BVB-Bestwert auf

Es war eine von elf Vorlagen des Portugiesen in der vor wenigen Wochen abgelaufenen Spielzeit. Insgesamt sammelte Guerreiro in 27 Bundesliga-Spielen 16 Scorerpunkte – persönlicher Bestwert im BVB-Trikot. Dabei kommt der 27-Jährige fast ausschließlich als Linksverteidiger zum Einsatz, was die Quote in einem noch besseren Licht erstrahlen lässt.

Wenn es im Dortmunder Spiel hakt, gibt Guerreiro auch gerne mal den verkappten Spielmacher. Daraus resultieren mitunter herausragende Torvorlagen, das kann aber auch zu einem Ungleichgewicht im Defensivverbund führen. Auch ist es ein offenes Geheimnis, dass Guerreiro gerne offensiver spielen würde – die kaum vorhandene Konkurrenzsituation auf der linken Defensivseite (Nico Schulz, Felix Passlack) lässt das jedoch nicht zu.

BVB-Allrounder Guerreiro: „Das ist schon manchmal hart“

Edin Terzic wolle nicht, „dass ich von meiner Position weg und ins Mittelfeld gehe“, sagte Guerreiro im Februar im Interview mit „bundesliga.com“. „Das ist schon manchmal hart, wenn ich sehe, dass im Spiel nichts vorangeht. Ich habe einen starken Offensivdrang und will Pässe in die gefährlichen Zonen spielen, um Lücken zu finden. Wenn ich meine Position verlasse, weiß ich, dass ein Teamkollege sich darum kümmern wird.“

Diese Problematik führte in der vergangenen Saison dazu, dass Guerreiro auch mal als launische Diva auftrat – unübersehbar war dies, als Lucien Favre die während der Saison 19/20 eingeführte Fünferkette im Sommer 2020 wieder zur Viererkette umfunktionierte. Andererseits füllt Guerreiro diese Position seit Jahren ohne Murren überzeugend in der portugiesischen Nationalmannschaft aus. „Raphael war 18 oder 19, als ich ihn in die Nationalmannschaft berufen habe, noch bevor er nach Deutschland gegangen ist“, sagte Portugals Nationaltrainer Fernando Santos während der gerade laufenden Europameisterschaft. 2014 debütierte Guerreiro im A-Team. „Er war ein Junge, der in Frankreich in einer Mannschaft spielte, deren Namen niemand kannte.“ Das hat sich mittlerweile grundlegend geändert.

Fazit:

Raphael Guerreiro ist einer der wichtigsten Spieler im Dortmunder Kader, der seinen Stammplatz sicher hat. Das wird, wenn der Portugiese seine in den BVB-Anfangsjahren immer wieder aufgetretenen Verletzungsprobleme im Griff behält, auch unter Marco Rose so sein. Sollte der neue Trainer in der Defensive eine Systemumstellung präferieren, wäre Guerreiro sicherlich davon angetan.

Zuletzt aufgekeimten Gerüchten, Real Madrid – und vor allem Carlo Ancelotti – würde Guerreiro gerne zur kommenden Saison verpflichten, können die BVB-Verantwortlichen entspannt entgegenblicken. Sein Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2023. Im nächsten Sommer dürfte die Personalie Guerreiro jedoch wieder heiß werden.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Premium-Jahrgang 1981. Besetzte im Mittelfeld von Rot-Weiß Unna die Acht, bevor die Position überhaupt erfunden wurde. Studium der Germanistik und Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, anschließend ablösefreier Wechsel zu Lensing Media. Im BVB-Team polyvalent einsetzbar.
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Florian Groeger

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