BVB-Sportdirektor Michael Zorc: Anfeindungen sind unerträglich

Hopp, DFB, Kollektivstrafe

Hetze, Spielunterbrechungen, offene Konfrontation: In den Bundesliga-Stadien herrscht Ausnahmezustand. BVB-Sportdirektor Michael Zorc spricht Klartext.

Dortmund

, 05.03.2020, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Sportdirektor Michael Zorc: Anfeindungen sind unerträglich

BVB-Sportdirektor Michael Zorc hat zu den Vorfällen vom vergangenen Wochenende eine klare Meinung. © Kirchner Media

Eine Kollektivstrafe gegen die Fans von Borussia Dortmund für die nächsten beiden Spiele in Hoffenheim. Weitere Anfeindungen gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp und den Deutschen Fußball-Bund in vielen anderen Stadien. Spielunterbrechungen, angedrohte Spielabbrüche.

Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc (57) hat sich bei der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel bei Borussia Mönchengladbach (Samstag, 18.30 Uhr) unmissverständlich zu den Vorkommnissen am vergangenen Samstag geäußert.


Michal Zorcs Aussagen im Wortlaut:

  • „Ich bin der Meinung, es ist zielführend, wenn wir die Problematik differenziert betrachten. Ich habe verschiedene Kommentare gesehen, wo alles in einen Topf geworfen wurde, die Vorfälle vom letzten Wochenende mit Homophobie und Rassismus. Das wird der Sache nicht gerecht.“


  • „Was aufhören muss, sind diese Diskriminierungen und Beleidigungen, diese Schmähungen gegen einzelne Menschen. Da muss ein klarer Konsens herrschen, auch bei den Ultragruppen. Was wir am vergangenen Wochenende gesehen haben, das war ja fast eine konzertierte Aktion gegen Dietmar Hopp. Das ist unerträglich. Das ist nicht akzeptabel.“
  • „Ich plädiere trotzdem dafür, dass man einen Dialog aufrechterhält. Ich bin kein Freund einer Law-and-order-Mentalität. Damit kommen wir hier nicht weiter. Wir müssen auch sehen, und da spreche ich jetzt über Borussia Dortmund, dass große Teile der Ultragruppierungen bei uns dafür verantwortlich sind, dass wir im Stadion keine rechte Hetze haben. Dass wir da nicht Braun verseucht sind, da wird tunlichst drauf geachtet. Als wir die Schweigeminuten wegen Hanau im Stadion hatten, da kamen aus dieser Ecke die „Nazis raus“-Rufe. Das ist auch eine wichtige Funktion, die die Ultras da haben.“


  • „Wenn Grenzen überschritten werden, müssen wir das auch klar benennen. Da muss es notfalls auch Sanktionen geben. Trotzdem müssen wir immer im Dialog bleiben. Mir hat ein alter Manager früher immer gesagt, durch Gespräche wurden schon ganze Kriege verhindert. Warum sollten wir das nicht auch an dieser Stelle tun?“
  • „Ich warne auch davor, an dieser Stelle das Kind mit dem Bade auszuschütten. Das Stadion war schon immer ein Ort, wo nicht unbedingt die erste These über political correctness geschrieben wurde. Ich habe in den 80er-Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Sie wissen, welche Wörter den Torhüter da beim Abschlag begleitet haben. Wie über den Schiedsrichter geschimpft wurde in manchen Sprechchören. Ich will das nicht unbedingt gutheißen, es war nicht alles gut so, wie es früher war. Aber trotzdem muss das Stadion ein Ort der Meinungsfreiheit bleiben, ein Ort, den Menschen auch mal als Ventil benutzen dürfen, um ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Deshalb müssen wir sehr differenziert an dieses Thema herangehen. Wir haben mit unseren Leuten darüber gesprochen.“


  • „Ich bin ein positiv denkender Mensch. Ich hoffe und glaube auch, dass wir einen Spielverlauf sehen, wo kein Spielabbruch droht.“
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