BVB-Sportdirektor Michael Zorc gibt zu: Wir haben gelitten

mlzBorussia Dortmund

Der BVB verschafft sich etwas Ruhe vor den wichtigen Auswärtsspielen in Mailand und auf Schalke. Sportdirektor Zorc ist erleichtert. Der Druck auf Mannschaft und Trainer bleibt aber hoch.

Dortmund

, 21.10.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie fragil so ein Gebilde namens Fußball-Mannschaft ist, das wurde deutlich, lange bevor Schiedsrichter Sascha Stegemann das Borussen-Duell anpfiff. Borussia Dortmund suspendierte für dieses wichtige Spiel nach einem erneuten Vorfall den öfter-Mal-zu-spät-Kommer Jadon Sancho, der dummerweise gleichzeitig bislang auch bester Dortmunder Scorer in dieser Saison ist. Und weil BVB-Trainer Lucien Favre von seinem Aufstellungsbogen auch die Namen Paco Alcacer (muskuläre Probleme) und Mario Götze (Infekt) streichen musste, kann man sich vorstellen, wie schwer ihm der Verzicht auf das Super-Talent aus England gefallen sein dürfte.

Jadon Sancho trainierte am Sonntag mit den BVB-Reservisten

Später konnte BVB-Sportdirektor Michael Zorc schmunzelnd über das ernste Gespräch mit Sancho berichten, der sich nicht zum ersten Mal nach einer Nationalmannschafts-Reise verspätet zurück zum Dienst in Dortmund gemeldet hatte. Das Verhalten sei durch die Suspendierung sanktioniert worden, „zudem auch monetär“, wie Zorc noch betonte. Damit ist die Sache offiziell vom Tisch. Sancho trainierte am Sonntag mit den Reservisten, und er wird am Dienstag auch mit im Flieger sitzen, wenn der BVB nach Mailand aufbricht.

Das der Suspendierung folgende 1:0 der Borussia gegen den als Tabellenführer angereisten Namensvetter vom Niederrhein sorgte nach zuvor drei BVB-Unentschieden in Serie nicht nur für große Erleichterung in Schwarzgelb. Es nahm der Personalie Sancho auch ein Stück der Bedeutung, die sie wohl bekommen hätte, wenn Favre für seine Konsequenz nicht belohnt worden wäre. Denn die Verfehlung kam zur absoluten Unzeit, mitten hinein in die große Anspannung beim bislang hinter den Erwartungen zurückgebliebenem BVB.

Bürki und Hitz retten den BVB-Sieg

Weil Marco Reus mit seinem energisch erzwungenen Treffer zum siegbringenden 1:0 (58.) zumindest den größten Druck vorerst abgemildert hatte, war Sancho kein großes Thema mehr - und Zorc durfte vorrangig über die deutlich verbesserte Gefühlslage sprechen. Man habe „sehr gelitten“ unter den zuletzt nicht gewonnenen Spielen, gab er zu, entsprechend habe man „die absolute Souveränität“ im Spiel der Borussia auch nicht erwarten können. „Aber wir haben dem Druck Stand gehalten und besser verteidigt“, atmete Zorc durch. Torschütze Reus sprach von einem Arbeitssieg. „So ein Spiel brauchst du mal, um wieder in die Spur zu kommen.“

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Zwei Abseitsstellungen des Kapitäns verhinderten einen deutlicheren Erfolg, spektakuläre Paraden des später verletzt ausgewechselten Roman Bürki und seines Vertreters Marwin Hitz retteten den Dreier. Zumindest die Abseitsposition von Reus vor dem vermeintlichen 1:0 des starken Thorgan Hazard war diskussionswürdig - eine Millimeter-Entscheidung, für die auch der Kölner Keller eine Lupe benötigte. „Es geht um das Korrigieren klarer Fehlentscheidungen“, meinte auch Zorc, „ob das so zielführend ist, weiß ich nicht.“ Dass den Video-Assistenten das elfmeterwürdige Foul von Mats Hummels an Herrmann (73.) entging, passte zum schwachen Abend der kompletten Schiedsrichter-Crew.

BVB-Trainer Favre coacht an der Seitenlinie deutlich intensiver

Lucien Favre mochte sich nicht groß aufregen über das Dauerthema. Vor allem ihm war die große Erleichterung anzumerken, nachdem nach drei nicht gewonnenen Bundesliga-Partien in Serie die Diskussion um seine Person in der vergangenen Woche an Schärfe deutlich zugenommen hatte. Die Anspannung bei ihm war groß. Favre coachte an der Seitenlinie deutlich intensiver, als man das von ihm kennt.

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Die RN-Analyse zum 1:0 des BVB gegen M'gladbach

Der chronischen Aufgeregtheit könne er nichts abgewinnen, meinte der 61-Jährige später, die Beurteilung seiner Arbeit sei „zu euphorisch, wenn wir gewinnen und zu negativ, wenn wir mal nicht gewinnen.“ Favre weiß sehr wohl, dass dieses 1:0 nur ein Anfang gewesen sein kann. Die Debatten werden zunehmen, wenn die Mannschaft in der nun folgenden Englischen Woche nicht nachlegen kann.

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