BVB-Sportdirektor Zorc wählt vor dem Derby klare Worte - Favre kämpft gegen die Kritik an

Borussia Dortmund

Der BVB muss und will gegen den FC Schalke 04 den Beweis erbringen, dass jeder verstanden hat, was im Derby auf dem Spiel steht. Lucien Favre kämpft gegen die lauter werdende Kritik an.

Dortmund

, 26.10.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Sportdirektor Zorc wählt vor dem Derby klare Worte - Favre kämpft gegen die Kritik an

Sportdirektor Michael Zorc fordert vollen Einsatz von den BVB-Profis. © dpa

Michael Zorc wischte „all die Taktik“, wie er es ausdrückte, für den Moment zur Seite. Der Sportdirektor wollte nicht so sehr über den rein fußballerischen Ansatz vor diesem 155. Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund sprechen (15.30 Uhr, live auf Sky).

Für den BVB steht mehr als der Derbysieg auf dem Spiel

Er wollte auch nicht mehr darüber sprechen, was seine Borussia beim 0:2 in Mailand gegen Inter in der Champions League unter der Woche alles nicht auf den Rasen transportiert hatte. Torgefahr zum Beispiel, Durchschlagskraft, Entschlossenheit, Laufbereitschaft oder Leidenschaft. Zorc wollte lieber darüber sprechen, was seiner Meinung nach entscheidend sein dürfte auf Schalke im Duell gegen den Erzrivalen aus Gelsenkirchen.

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„Ich erwarte“, sagte Zorc also, „dass man unserer Mannschaft ansieht, dass sie die Bedeutung dieses Spiels kennt und dass man ihr ansieht, dass sie dieses Spiel unbedingt gewinnen will.“ Wenn Königsblau einen Meter auf dem Platz mache, gehe es für Schwarzgelb darum, auch einen Meter zu machen. „Und wenn es geht, noch ein bisschen mehr.“ Es zähle vor allem, „dass die Truppe mit jeder Faser im Körper gewinnen will“. Man müsse einfach sehen, „dass es ein Derby ist“, das da gespielt werde - und nicht irgendein beliebiges Fußballspiel.

BVB-Sportdirektor Zorc wählt deutliche Worte

Zorcs Appell an die Mannschaft auf der Pressekonferenz am Freitagnachmittag war deutlich und verdeutlichte zeitgleich ganz gut, vor welchen Herausforderungen Borussia Dortmund in diesen heißen Wochen im Herbst steht.

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Da ist auf der einen Seite eine Mannschaft, die über riesiges Potenzial verfügt und nicht ohne Grund große Ziele verfolgt. Da ist auf der anderen Seite aber auch eine Mannschaft, die offenkundig immer wieder mit Nachdruck daran erinnert werden muss, worauf es auf dem Fußballplatz neben Kurzpässen, Ballbesitz und gefälligem Spiel eben auch ankommt - sogar vor einem Derby.

BVB-Trainer Favre erwartet ein „sehr spezielles Spiel“

Und da ist außerdem ein Trainer, Lucien Favre, der zunehmend in die Kritik geraten ist, weil er in der Kabine eher Geduld und Balance predigt als auch mal Kampfgeist und Leidenschaft. Favre sprach am Freitag von einem „sehr speziellen Spiel“, das dem BVB bevorstehe. Er sprach auch über die Kritik an seiner Person, an Trainern im Allgemeinen und darüber, dass es schon Gerüchte über mögliche Nachfolger auf der Dortmunder Trainerbank gebe.

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Er habe kein Problem damit, sagte der Schweizer, aber es gehe „sehr, sehr weit“. Er konzentriere sich auf seine Arbeit und könne damit leben, „aber das heißt nicht, dass ich es okay finde“. Okay fand Favre dagegen auch am Freitag noch immer den Auftritt seiner Elf in Mailand, wie er nochmals unterstrich.

Erhält Mario Götze im Derby eine neue Chance?

Es sind auch Aussagen wie diese, die Favres Verhältnis zu den Fans, zu seinen Vorgesetzten und teilweise auch zu den Spielern auf die Probe stellen. Und es sind mitunter seine Personalentscheidungen, beispielsweise die, Mario Götze gegen Inter trotz fehlender Offensivaktionen im eigenen Spiel 90 Minuten auf der Bank schmoren zu lassen. Insofern darf am Samstag durchaus gespannt auf den Spielberichtsbogen geblickt werden, wenn rund eine Stunde vor dem Anpfiff in der Veltins-Arena die Aufstellungen bekanntgegeben werden.

Paco Alcacer, der einzige gelernte Stürmer im BVB-Kader, fällt mit Achillessehnenbeschwerden weiter aus. So gut wie sicher ist dagegen, dass BVB-Kapitän Marco Reus, der gesundheitlich angeschlagen auf die Italien-Reise in der Königsklasse verzichtete, zurück in die Startelf kehrt. Vieles spricht dafür, dass Favre dann auch wieder auf sein zumeist bevorzugtes 4-2-3-1-System zurückgreift und die Dreierkette aus Mailand wieder zu einer Viererkette wird.

BVB-Taktik dürfte nur eine Randnotiz werden

Aber, wie eingangs erwähnt, die Taktik dürfte wohl nur eine Randnotiz dieses Spiels werden. Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung, fasst es so zusammen: „Die Fans werden uns vieles verzeihen, aber wenn wir nicht den Moment begreifen, für den BVB, für uns als Mannschaft zu kämpfen, dafür werden sie kein Verständnis haben.“

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