„Willkommen im schönsten Impfzentrum der Welt“ steht es in schwarzen Lettern auf gelbem Grund. Im Signal-Iduna-Park können noch bis zum 31. Juli täglich bis zu 700 Menschen geimpft werden. © picture alliance/dpa
Borussia Dortmund

BVB-Stadion als Impfzentrum: Selbst Schalker sind willkommen

Seit Donnerstag fungiert der Signal Iduna Park in Dortmund als Impfzentrum. Der BVB nutzt seine Strahlkraft, um die Impfbereitschaft zu erhöhen. Die ersten Stunden gleichen einem Heimspiel.

„Sind Schalker dabei?“, ruft Dr. Reinhard Büker in die Menge und lockert damit gleich mal die Stimmung auf. In seiner grünen Weste, die er über dem weißen Polohemd trägt, sieht Büker aus wie einer der vielen Ordner bei einem BVB-Heimspiel. Und ein bisschen erinnert sein Auftreten auch genau daran. Büker bringt Ordnung in die Schlange der Wartenden, mahnt sie, die Abstände einzuhalten, beantwortet ihre Fragen. Büker ist jedoch viel mehr als ein bloßer Ordner.

Kein Stau auf der Impfstraße des BVB-Impfzentrums

Er ist ärztlicher Standortleiter des Dortmunder Impfzentrums und als solcher unter Strom, als der Signal Iduna Park am Donnerstagmittag seine Pforten öffnet. Denn noch bis 31. Juli fungiert die Heimspielspielstätte der Borussia als „schönstes Impfzentrum der Welt“ und Bükers Job ist es, dass alles reibungslos läuft, auf der Impfstraße kein Stau entsteht. „Das ist ja fast ein kleines Heimspiel hier. Wenn der BVB ruft, dann kommen die Leute“, stellt Büker zufrieden fest.

Gleich für die erste Stunde haben sich 90 Impfwillige angemeldet, nicht wenige davon erscheinen im schwarzgelben T-Shirt oder Trikot. Mehr als 300 Menschen sollen es am Ende des ersten Tages sein. Theoretisch möglich wären sogar bis zu 700. Denn in der Zeit von 12 bis 19 Uhr können Büker und sein Team pro Stunde bis zu 100 Personen impfen. Entweder mit Johnson & Johnson oder Biontech. Etwa 60 Prozent aller Impflinge hätten sich am ersten Tag für das Vakzin von Johnson & Johnson entschieden, sagt Büker.

BVB-Geschäftsführer Treß freut sich über große Resonanz

Vielleicht auch, weil sie dann im Gegensatz zum Wirkstoff Biontech keine Zweitimpfung benötigen und passend zum Bundesliga-Start des BVB gegen Eintracht Frankfurt am 14. August ins Stadion könnten? Das kann auch beim BVB derzeit niemand mit Gewissheit sagen. „Wir freuen uns aber sehr, dass die Aktion eine so große Resonanz findet. Wir als Verein nehmen unsere soziale Verantwortung wahr und wollen ein Zeichen fürs Impfen setzen“, sagt BVB-Geschäftsführer Thomas Treß.

Es sei extrem wichtig, dass sich so viele Menschen wie möglich impfen lassen würden. Am Donnerstag freut sich Treß über die rund 400 Impflinge, die den Weg zum Stadion gefunden haben. In gut drei Wochen zum Saisonstart gegen Frankfurt sollen es aber noch deutlich mehr sein. „Es wäre wichtig, wenn Normalität zurückkehrt. Das wäre emotional für die Fans, den Verein und die Mannschaft wertvoll. Und natürlich wäre es auch finanziell wichtig. Denn dauerhaft hält es kein Verein ohne Zuschauer durch“, so Treß.

BVB-Ikone Norbert Dickel versüßt die Wartezeit

Der Geschäftsführer der Borussia verschafft sich ebenso wie der ärztliche Standortleiter Dr. Reinhard Büker, der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL), Thomas Müller, und Jens Peick, Arbeitsdirektor des Klinikums Dortmund, einen Eindruck vom Impfzentrum im Stadion. Die Impfstraße funktioniert. Nach dem Einlass geht es über die Treppen direkt ins Stadion. Dort versüßen Fanlieder und die von Norbert Dickel vorgetragene Mannschaftsaufstellung die Wartezeit.

Nach einem kurzen Check-in geht es in den Wartebereich und von dort aus direkt in eine der vier Impfkabinen. Nach ärztlicher Beratung folgt ein kurzer Piks, dann ist es geschafft. Jetzt wartet die Belohnung: Ein kostenloser Spaziergang durchs Stadion und zum Abschluss noch ein Foto mit dem DFB-Pokal. „Der Pokal scheint Anziehungskraft zu besitzen“, sagt Thomas Treß.

Orga-Chef Hockenjos: „Strahlkraft des BVB nutzen“

BVB-Organisationschef Dr. Christian Hockenjos stimmt zu: „Wir haben gesehen, dass das Impftempo ein bisschen eingeschlafen ist. Und es ist bei uns die Idee entstanden, die Strahlkraft von Borussia Dortmund zu nutzen und an diesem Ort möglichst viele dazu zu bewegen, hierherzukommen und sich impfen zu lassen.“

Fürs Erste scheint das funktioniert zu haben. Am Donnerstag lagen bereits 400 Anmeldungen für die Impftermine der nächsten Tage vor. „Wir hoffen, dass wir diese Impfquote beibehalten oder sogar steigern können“, sagt Hockenjos. Die Einladung gelte auch für Anhänger anderer Vereine. „Selbstverständlich lassen wir auch Fans anderer Farben rein, um sich hier impfen zu lassen“, versichert Hockenjos. Das gelte auch für die, deren Herz für Königsblau schlägt.

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