BVB-Star Jadon Sancho steht im Fokus. © picture alliance/dpa
Pro & Contra

BVB-Star Sancho: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel?

Jadon Sancho steht mal wieder im Fokus bei Borussia Dortmund – und anderen Topklubs. In unserem Pro & Contra diskutieren wir die Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel?

Vieles bei Borussia Dortmund hängt an Jadon Sancho, nicht nur auf dem Spielfeld. Auch auf dem Transfermarkt ist der BVB-Topscorer ein ganz entscheidendes Puzzleteil. Die große Frage ist, ob Manchester United (oder ein anderer Klub) in diesem Sommer 120 Millionen Euro für den 20 Jahre alten Dribbler ausgeben kann und will. Doch wie steht es eigentlich um den Spieler selbst? Wir diskutieren.

BVB-Star Jadon Sancho: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel?

Ja! Zeit, erwachsen zu werden – von Tobias Jöhren

Nicht nur für Borussia Dortmund würde ein Wechsel Jadon Sanchos, wenn die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen, in diesem Sommer Sinn ergeben. Auch der 20-jährige Engländer sollte, das ist vermutlich der unpopuläre Standpunkt in dieser Debatte, den BVB zur neuen Saison verlassen, falls sich die Möglichkeit ergibt. Es ist an der Zeit, erwachsen zu werden – und Sancho muss für sich die Frage beantworten, ob er womöglich einer der besten Spieler der Welt werden will, oder ob er eben auch mit etwas weniger zufrieden ist.

Natürlich kann jetzt argumentiert werden, dass Sancho sich in Dortmund unter Trainer und Förderer Lucien Favre in aller Ruhe perfekt entwickeln kann, aber was für jüngere Spieler im Allgemeinen so oft wünschenswert wäre, trifft auf Sancho im Besonderen leider nicht zu. Die Nestwärme in Dortmund scheint dem vielleicht begnadetsten Kicker der Bundesliga nicht unbedingt gutzutun. Natürlich hat er 40 Torbeteiligungen in 44 Pflichtspielen gesammelt, natürlich hat er einige herausragende Spiele gemacht, aber die maximale Gier auf Erfolg hat er beim BVB bislang nie versprüht.

Sanchos Hang zu Verspätungen, unerlaubten Kurztrips nach London und langen Playstation-Nächten birgt, bei allem Talent, durchaus auch Risiken für die nächste Saison. Ein Vereinswechsel ist scheinbar ein wichtiger Schritt in seinem Reifeprozess, dieser Eindruck ist in den vergangenen zwölf Monaten jedenfalls entstanden.

BVB-Star Jadon Sancho: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel?

Nein! Ständig unter Beobachtung – von Dirk Krampe

Einen Schritt nach dem anderen, mag man Jadon Sancho zurufen. So rasant und steil nach oben seine Entwicklung bislang verlaufen ist, wäre es doch angebracht, den nächsten Schritt behutsamer zu gehen.

Man kann sich nur ansatzweise vorstellen, wie stark Sancho bei einer Rückkehr in seine Heimat unter Beobachtung stehen würde. Medial, aber auch intern, wenn in dem Rucksack auf seinem Rücken eine Ablöse im neunstelligen (!) Bereich stecken würde. Es begänne ein Leben unter einem noch viel größeren Brennglas und mit deutlich weniger UV-Schutz, um im Bild zu bleiben. Jeder Schritt würde beäugt, jeder Fehltritt viel stärker ausgeschlachtet, als das in Dortmund der Fall wäre. Sancho soll die Herausforderung nicht scheuen, aber ihm täte es gut, sich ein weiteres Jahr gründlich darauf vorzubereiten.

Dazu würde natürlich gehören, das eigene Tun zu hinterfragen, die eigene Professionalität noch einmal deutlich zu steigern und auch zu erkennen, welchen Wert man für das Team bereits besitzt – und welche Verantwortung daraus erwächst. Jadon Sancho könnte den BVB über die Schwelle zu Titeln führen, aber er muss lernen, dass großes Talent allein nur einen Bruchteil ausmacht, wenn man ein Superstar werden will. Diesen Reifeprozess könnte er beim BVB einfacher durchlaufen als in England, wo jede Bewegung von ihm kritischer bewertet würde. Wechseln kann Sancho auch 2021. Wenn er noch ein bisschen erwachsener ist.

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Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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