Der Einfluss von Axel Witsel auf Borussia Dortmunds Fußball schwindet. © imago / Kirchner-Media
Borussia Dortmund

BVB-Stratege Axel Witsel: Vom Anführer zum Mitläufer

Axel Witsel hat beim BVB im Sommer 2018 einen furiosen Start hingelegt. Doch der Einfluss des Belgiers auf Borussia Dortmunds Fußball schwindet - er mutiert aktuell vom Anführer zum Mitläufer.

Axel Witsel wählte die sichere Lösung. Auf die Frage, was dem BVB gegen frühe Gegentore helfen könne, erwiderte der Belgier am Montag nur: „Was können wir tun? Vielleicht das Gegenteil, keine frühen Gegentore kassieren.“ Danach wechselte er rasch das Thema und warf mit Floskeln um sich. Dabei erinnerte er an einen Politiker, der einer unangenehmen Frage ausweichen und lieber seine zurechtgelegten Sätze loswerden möchte.

Von Axel Witsel kommt beim BVB selten etwas Überraschendes

Witsel jedenfalls spulte alles ab. Das Wichtigste sei, an das nächste Spiel zu denken, erklärte er, „und das nächste Spiel ist gegen Zenit St. Petersburg“. Er wolle Gruppensieger werden und „auf die Siegerstraße“ zurückkehren, „das ist wichtig für die nächsten Wochen“. Fokus „auf uns“. Champions League. Super Wettbewerb. Dafür spielt man Fußball. Fortsetzung furchtbar langweilig.

Kritiker könnten nun behaupten, das sei ja durchaus vergleichbar mit Witsels Darbietungen auf dem Fußballplatz. Keine Fehler, aber auch kein Risiko. Von Witsel kommt selten etwas Überraschendes. Die entscheidende Frage lautet: Ist das seine Aufgabe?

Witsel ist noch immer der Dirigent im Dortmunder Spiel

Darauf eine Antwort zu finden, ist nicht so einfach. Der Spieler selbst sagt: „So ist mein Spiel. Ich mag es nicht, den Ball zu verlieren. Ich versuche immer, nach vorne zu spielen. Mein erster Gedanke ist auch immer, nach vorne zu spielen. Aber auf meiner Position ist es wichtig, nicht viele Bälle zu verlieren.“ Offensivkünstler mit Hang zum riskanten Spiel gibt es bei Borussia Dortmund schließlich genug. Witsels Trainer beim BVB, Lucien Favre, sagt: „Er ist sehr wichtig für die Mannschaft. Seine Rolle ist es, vor der Abwehr das Spiel zu machen. Er muss viel vor der Abwehr bleiben. Es ist eine wichtige Rolle. Es geht auch um Balleroberung, aber vor allem darum, das Spiel zu machen.“

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Zwischen Spiel machen, Spiel beleben und Spiel verschleppen liegt im Fußball nicht sonderlich viel Platz. Fakt ist: Witsel ist noch immer der Dirigent im Dortmunder Spiel, er stand bislang in allen zehn Bundesliga-Spielen in dieser Saison auf dem Feld und achtmal in der Startelf. Fakt ist allerdings auch: Er lässt das mitunter wilde und junge Ensemble um sich herum zu selten flotte Tanzmucke spielen, Witsel ist eher ein Freund der langsamen Musik.

Witsel gewinnt weniger Zweikämpfe als zu seiner BVB-Anfangszeit

Ein weiterer Fakt ist: Witsels Einfluss auf Borussia Dortmunds Spiel schwindet. So gut wie in seiner Debütsaison 2018/2019 war Witsel weder in der vergangenen noch im ersten Drittel dieser Spielzeit, so steht es schwarz auf weiß in der Statistik des Mittelfeldspielers. Seine Passquote liegt zwar unverändert bei 95 Prozent angekommener Zuspiele, doch Witsel hat seltener den Ball und gewinnt weniger Zweikämpfe als zu seiner Anfangszeit beim BVB.

2018/19 hatte er im Schnitt 84 Ballkontakte pro Spiel, in der vergangenen Saison noch 72, in dieser Spielzeit bislang 62 pro Partie. Auch seine Zweikampfquote aus 2018/19, 60 Prozent gewonnene Duelle, hat er nicht halten können, 53 Prozent waren es in der Vorsaison, aktuell sind es immerhin 57 Prozent. Dazu lief und läuft er seit vergangener Spielzeit im Schnitt einen Kilometer weniger pro Spiel als in seinem ersten Jahr beim BVB. Es waren mal über elf Kilometer im Durchschnitt, nun sind es noch zehn.

Witsel mutiert beim BVB aktuell vom Anführer zum Mitläufer

Es ist vor allem Witsels Präsenz auf dem Platz, die unter diesen Zahlen leidet. Der 110-fache belgische Nationalspieler, der 2018 auf Anhieb Mittelfeld-Chef und Mitglied des BVB-Mannschaftsrates wurde, mutiert in Dortmund aktuell vom Anführer zum Mitläufer – und nur durch Sicherheitsfußball wird er daran vermutlich wenig ändern können.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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