BVB-Stürmer Erling Haaland kuriert seinen Muskelfaserriss in Katar aus. © picture alliance/dpa/AP
Meinung

BVB-Stürmer Erling Haaland absolviert seine Reha in Katar. Warum?

Borussia Dortmunds Stürmer Erling Haaland kuriert seinen Muskelfaserriss in Katar aus. Aspire Academy in Doha statt BVB-Trainingsgelände in Dortmund-Brackel. Muss das alles sein?

Oliver Bierhoff war auch schon mal da, um sich umzuschauen. Und was der Direktor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sah, beeindruckte ihn ganz offensichtlich zutiefst. „Die Aspire Academy gehört zu den modernsten und beeindruckendsten Sportzentren der Welt, sie bietet Spitzenathleten herausragende Möglichkeiten“, sagte Bierhoff, als er vor einem Jahr mit einer Delegation des Deutschen Fußball-Bundes nach Doha reiste, in die Hauptstadt Katars, um sich ein bisschen umzuschauen im Wüstenstaat, der 2022 eine Fußball-Weltmeisterschaft austragen darf, weil der Fußball-Weltverband, die FIFA, das für eine gute Idee hält – oder zumindest mal hielt.

FC Bayern München in Katar unterwegs: Muss das alles sein?

Der FC Bayern München hält es schon länger und weiterhin für eine gute Idee, das viele Geld des Emirats für seinen Kader und die modernen und professionellen Bedingungen in Doha für seine Wintertrainingslager zu nutzen, aller Kritik an den Verstößen Katars gegen Menschenrechte und den katastrophalen Arbeitsbedingungen der WM-Arbeiter zum Trotz. Qatar Airways ist einer der wichtigsten Sponsoren des deutschen Rekordmeisters. Für diese Kooperation kassiert Bayern München viel Geld, das ja vermeintlich nicht stinkt, erntet aber auch jede Menge Kritik. Die Frage, die über diesem Thema schwebt, lautet seit jeher: Muss das alles sein?

Diese Frage steht seit Mittwochabend durchaus auch bei BVB-Stürmer Erling Haaland im Raum. Der norwegische Torjäger ließ seine Gefolgsleute beim Internet-Fotodienst Instagram wissen, dass er seinen Muskelfaserriss, den er sich vor der Partie gegen Lazio Rom vor gut einer Woche zugezogen hatte, nicht in Dortmund, sondern eben im rund 6.000 Kilometer entfernten Doha an der Aspire Academy auskuriert. In Pandemie-Zeiten. Und in einem Sportzentrum, von dem man vermutlich lieber nicht wissen möchte, unter welchen Bedingungen es errichtet wurde. Muss das also sein?

BVB-Stürmer Erling Haaland weilt zur Reha in Katar

Es sei der Wunsch des Spielers, der noch mindestens bis zum Jahresende ausfällt, gewesen, die Reha in Katar zu absolvieren, erklärte BVB-Sportdirektor Michael Zorc am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor Borussia Dortmunds Spiel gegen den VfB Stuttgart (Samstag, 15.30 Uhr/live im TV). „Erling ist dort von Experten umgeben, die im Austausch mit unserer medizinischen Abteilung sind und sich rund um die Uhr um ihn kümmern können“, sagte Zorc. „Deshalb haben wir am Ende zugestimmt.“ Haaland mache bereits erste Fortschritte, berichtete der 58-Jährige. Zudem habe der Klub mit dem Spieler abgesprochen, „dass er sich vor Ort an die lokal geltenden Hygieneregeln hält“. Vor Weihnachten solle Haaland dann nach Dortmund zurückkehren und „hinterher auch wieder einsatzbereit sein“.

Das klingt so, als habe zumindest Haaland die Frage, ob es sein muss, während einer Pandemie nach Katar zu fliegen, um einen einfachen Muskelfaserriss auszukurieren, mit ja beantwortet – und als ob der BVB sich nicht zu einem Nein hat durchringen können. Vielleicht wollte der 20-Jährige nach einem anstrengenden Jahr, was zwar verständlich, aber derzeit nun einmal schwierig ist, auch einfach nur ein bisschen Urlaubsatmosphäre tanken, die es aufgrund der minimalistischen Winterpause für Fußballprofis ansonsten nicht gibt. Knapp 25 Grad Celsius und Sonne in der Wüste sind wärmer und besser als zwei Grad und Nebel in Dortmund-Brackel.

BVB-Stürmer Haaland präsentiert sich in Katar. Warum?

Vielleicht glaubte auch Haalands Berater Mino Raiola, der beste Kontakte zur Aspire Academy unterhält, dass es eine gute Idee sei, seinen Schützling öffentlichkeitswirksam in Doha auftreten zu lassen. Vielleicht lassen sich Muskelfaserrisse in Doha ja tatsächlich besser auskurieren als in Dortmund, was allerdings äußerst unwahrscheinlich erscheint. Vielleicht hat aber auch einfach Oliver Bierhoff zu sehr von den unbegrenzten Möglichkeiten in Doha geschwärmt. Zumindest Letzteres wäre dann wohl tatsächlich ein Grund zur Sorge. Und vielleicht hätte der BVB in diesem Fall besser einfach nein gesagt.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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