BVB-Topspiel in M‘Gladbach: Proteste ja, Schmähungen und Beleidigungen nein

Borussia Dortmund

Vor dem BVB-Spiel bei Borussia Mönchengladbach beruhigt sich der Konflikt zwischen Ultras und DFB. Die Proteste werden dennoch weitergehen - aber der Ton dürfte sich verändern.

Dortmund

, 05.03.2020, 17:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vor dem BVB-Spiel in Mönchengladbach ist aus einer anfänglich ziemlich überhitzten Debatte eine immer sachlichere geworden.

Vor dem BVB-Spiel in Mönchengladbach ist aus einer anfänglich ziemlich überhitzten Debatte eine immer sachlichere geworden. © imago / Team 2

Vielleicht gaben die Partien im DFB-Pokal in dieser Woche einen ganz guten Eindruck darüber, wie es am kommenden Wochenende in den Fankurven der Bundesligastadien aussehen könnte. Proteste ja, Beleidigungen, Fadenkreuze und Spielabbrüche nein.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc ist guter Dinge

Seit dem vergangenen Wochenende ist viel gesprochen worden. Sehr viel in der Öffentlichkeit, noch mehr hinter verschlossenen Türen. Es ging um Schmähungen gegen Dietmar Hopp, den Mäzen der TSG Hoffenheim, es ging um drohende Spielabbrüche, es ging um Ultras und ihren Protest gegen Kollektivstrafen im Fußball und gegen den Deutschen Fußball-Bund, es ging um 50+1 und Investoren im Fußball, es ging um die Kommerzialisierung des Fußballs ganz allgemein.

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Aus einer anfänglich ziemlich überhitzten und aufgeregten Debatte ist im Laufe dieser Woche eine immer sachlichere geworden - und es besteht berechtigter Grund zur Hoffnung, dass am kommenden Wochenende wieder mehr über Fußball und weniger über Nebenkriegsschauplätze berichtet wird. „Ich bin ein positiv denkender Mensch. Ich hoffe und glaube auch, dass wir einen Spielverlauf sehen, wo kein Spielabbruch droht“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Duell der beiden Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach am Samstagabend (18.30) im Borussia-Park.

Gladbach gegen BVB - mit Optimismus ins Topspiel

Ganz ähnlich äußerte sich Gladbachs Medien-Direktor Markus Aretz: „Wir sind guter Dinge, dass wir am Wochenende nichts sehen werden, was unter Hass und Menschenverachtung fällt.“ Hoffenheims Geschäftsführer Frank Briel blickte durchaus optimistisch auf die Partie der TSG beim FC Schalke 04 (Samstag, 15.30 Uhr). „Wir sind hoffnungsvoll und gewillt, dass man das Thema auf eine andere Ebene bringt. Es muss uns gelingen, einen vernünftigen Weg zu finden, bevor wir harte Linien ziehen“, sagte Briel.

Die Frankfurt-Fans nehmen die Diskussion um Dietmar Hopp mit einer gewissen Portion Humor.

Die Frankfurt-Fans nehmen die Diskussion um Dietmar Hopp mit einer gewissen Portion Humor. © imago / foto2press

Ein erster Schritt in Richtung Deeskalation scheint geschafft. Grundlage dafür waren viele Gespräche in dieser Woche, zum Beispiel zwischen DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius und Fan-Organisationen in Frankfurt am Donnerstag, aber auch zwischen zahlreichen Fangruppen untereinander sowie zwischen Ultras und Vereinsvertretern.

Der Deutsche Fußball-Bund und die Lex Hopp

Nichtsdestotrotz, das ist sicher, werden die Proteste der Fans am Wochenende weitergehen, aber der Ton wird sich verändern - und der Drei-Stufen-Plan des DFB, der zunächst eine Stadiondurchsage, dann eine Spielunterbrechung und in letzter Instanz einen Spielabbruch vorsieht, soll nicht greifen müssen. Das war bereits in den Pokal-Partien in dieser Woche erkennbar. So entrollten die Frankfurter Ultras beispielsweise ein Plakat mit einer Botschaft an ihren Trainer Adi Hütter. „Adi, meld dich, wenn du ne Spielunterbrechung brauchst.“ In Leverkusen unterstellten Union-Fans dem DFB eine Lex Hopp. „Hopp, Hopp, Hopp - der Verband folgt im Galopp!“ Klare Kritik, die dieses Mal allerdings nicht unter der Gürtellinie geäußert wurde und keine Spielunterbrechungen zur Folge hatte.

In eine ähnliche Richtung wird und soll nach Informationen dieser Redaktion auch der Protest der Dortmunder Fanszene am kommenden Wochenende in Mönchengladbach zielen. So ist es besprochen. Michael Zorc sagte: „Was aufhören muss, sind diese Diskriminierungen und Beleidigungen, diese Schmähungen gegen einzelne Menschen. Da muss ein klarer Konsens herrschen, auch bei den Ultragruppen. Was wir am vergangenen Wochenende gesehen haben, das war ja fast eine konzertierte Aktion gegen Dietmar Hopp. Das ist unerträglich. Das ist nicht akzeptabel.“ Er sagte aber auch: „Trotzdem müssen wir immer im Dialog bleiben. Mir hat ein alter Manager früher immer gesagt, durch Gespräche wurden schon ganze Kriege verhindert. Warum sollten wir das nicht auch an dieser Stelle tun?“

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