BVB-Trainer Marco Rose (rechts) hält große Stücke auf Axel Witsel und schätzt dessen vielseitige Fähigkeiten. © imago images/ActionPictures
Borussia Dortmund

BVB-Trainer Rose: Liebeserklärung an Emre Can und Axel Witsel

Der BVB trifft im Supercup auf die Bayern. Emre Can ist weiter verletzt. Dafür wird wohl Axel Witsel wieder in der Innenverteidigung stehen. Trainer Marco Rose spart bei beiden nicht mit Lob.

Man kennt das noch von früher. Ein Liebesbrief geht durch die Klasse. Reihe für Reihe wandert er zu der oder dem Angebeteten. Und im besten Fall kommt er an – und wird erwidert. Marco Rose hat bei der Pressekonferenz vor dem Supercup-Finale lieber den direkten Weg gesucht und einen Liebesbeweis an Emre Can ausgesprochen.

BVB-Trainer Rose lobt Emre Can für seine Flexibilität

Aufgrund einer Adduktorenreizung steht der 27-Jährige aller Voraussicht nach zwar auch gegen die Bayern noch nicht im Kader, sei jedoch ein wichtiger Faktor für den BVB. „Jeder Spieler hat eine Position, wo er sich am wohlsten fühlt. Emre sieht sich mit seinen Qualitäten sehr stark als Mittelfeldspieler, als Sechser“, so Rose. In Liverpool habe Can allerdings auch schon auf der Acht gespielt oder als Innenverteidiger. Aufgrund seines Tempos eigne er sich sogar als Außenverteidiger.

„Viele Spieler sehen das immer ein bisschen kritisch für sich, weil sie das Gefühl haben, sie werden von Position zu Position geschoben. Aber jeder Trainer liebt solche Spieler, weil sie dir eine Menge Flexibilität geben und du während des Spiels reagieren kannst, ohne wechseln zu müssen“, adelt BVB-Trainer Marco Rose seine Defensivkraft.

Witsel stabilisiert die BVB-Innenverteidigung

Und auch wenn der BVB-Trainer ihn namentlich in diesem Moment nicht erwähnt, darf Axel Witsel diesen Beweis der Zuneigung auch für sich reklamieren. Denn für den Belgier gilt dasselbe wie für Can – er ist in der Defensive flexibel einsetzbar. Das hat Witsel gerade erst frisch unter Beweis gestellt. Beim 5:2-Auftaktsieg gegen Eintracht Frankfurt stand der Lockenkopf für viele überraschend als Innenverteidiger in der Startelf von Borussia Dortmund.

Und dort machte er seine Sache sehr ordentlich. Gleich in der Anfangsphase gewann er einen wichtigen Zweikampf gegen Aymen Barkok. Kurz darauf reagierte Witsel auch mit einer Kopfballrückgabe aufmerksam, als er vor dem vorstoßenden Filip Kostic am Ball war. Neben BVB-Innenverteidiger Manuel Akanji machte er im Innenblock die Schotten dicht und damit seinen Standpunkt deutlich.

BVB-Führung gegen Frankfurt nimmt bei Witsel ihren Ausgang

Dass die Schwarzgelben nach einer halben Stunde mit 2:1 in Führung gingen, nahm seinen Ausgangspunkt ebenfalls bei Witsel. Der Belgier warf sich im Strafraum in einen Schuss von Djibril Sow, klärte diesen mit der rechten Hacke. Danach ging es ganz fix: BVB-Youngster Jude Bellingham schnappte sich die Kugel und leitete den Konter ein – 15 Sekunden später zappelte der Ball im Netz.

Gegen Bayern München wird angesichts der Offensiv-Power mit Robert Lewandowski, Thomas Müller und Serge Gnabry mit ziemlicher Sicherheit mehr Arbeit auf die Dortmunder Viererkette zukommen. Es ist davon auszugehen, dass Marco Rose gegenüber dem Frankfurt-Match hier trotzdem keinerlei Änderungsbedarf sieht.

Witsel nach leichten Krämpfen für BVB-Nachwuchskraft Papadopoulos ausgewechselt

So lange Mats Hummels und Emre Can noch nicht fit sind, dürfte der BVB-Trainer dem Belgier den Vorzug vor Antonios Papadopoulos geben – allein schon, damit Witsel weitere Spielpraxis erhält und sich mit seinen Hinterleuten auch im Hinblick auf das Auswärtsspiel beim SC Freiburg am Samstag weiter einspielt.

Im Trainingslager in Bad Ragaz tauschte sich Axel Witsel mit Trainer Marco Rose aus. © imago images/Team 2 © imago images/Team 2

Gegen Frankfurt plagten Witsel in der Endphase leichte Krämpfe. Für ihn kam BVB-Nachwuchskraft Papadopoulos zu seinem Bundesliga-Debüt. „Papa macht das bis hierhin hervorragend“, lobte Rose den Deutsch-Griechen, der eigentlich für die U23 vorgesehen ist, aufgrund des Personalmangels aber schon im Trainingslager in Bad Ragaz zu mehr als einem Notnagel avancierte.

BVB-Lockenkopf Witsel bevorzugt das defensive Mittelfeld

Dennoch deutet vieles darauf hin, dass Witsel im Supercup gegen München das Mandat für die Startformation erhält. Wenn auch wieder in der von ihm ungeliebten Innenverteidigung. „Es ist nicht meine Position. Jeder weiß, dass ich lieber im defensiven Mittelfeld spiele. Aber wenn wir nicht genügend Verteidiger haben oder es andere Gründe dafür gibt, dass ich dort spiele, dann werde ich dem Team helfen. Kein Problem“, hatte Witsel Ende Juli schließlich schon in Bad Ragaz angekündigt. Zwei Wochen später ist es genauso gekommen.

Dass das überhaupt möglich ist, liegt am schnellen Heilungsverlauf nach seinen im Januar gegen Leipzig erlittenen Achillessehnenriss. Nach eigenem Bekunden dachte Witsel in dieser Zeit nie an ein mögliches Karriere-Ende und zweifelte nie an seiner Rückkehr. Um die Reha zu beschleunigen, nahm sich der BVB-Profi seinerzeit vorübergehend sogar extra eine Wohnung in Antwerpen, um zwischen den in seiner Heimat absolvierten Reha-Einheiten und Behandlungen nicht extra nach Dortmund zurückreisen zu müssen und die Belastung so gering wie möglich zu halten.

Schnelles Witsel-Comeback beim BVB dank vorbildlicher Reha

Dieses professionelle und vorbildliche Verhalten zahlt sich nun aus. Bereits bei der EM gab Witsel ein tolles Comeback bei der belgischen Nationalmannschaft, kam zu vier Einsätzen. Und nach gerade mal knapp zweiwöchigem Training mit den Schwarzgelben hat der 32-Jährige in der Bundesliga zum Auftakt gegen Frankfurt überzeugt.

Den Offensivbemühungen der Eintracht erteilte Witsel gemeinsam mit seinen Kollegen in der Viererkette eine (über weite Strecken) konsequente Absage. Genauso möchten Witsel und seine Teamkollegen es auch im Supercup gegen den Rekordmeister halten. So wie auch manches Werben per Liebesbrief vergeblich ist.

Über den Autor

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.