Die taktische Ausrichtung passte - wie vieles - an diesem Abend nicht. BVB-Trainer Marco Rose verzockte sich mit seinem System bei Ajax Amsterdam. © picture alliance/dpa
Borussia Dortmund

BVB-Trainer Rose und seine Systeme: Hätte er anders reagieren müssen?

Borussia Dortmunds Trainer Marco Rose bleibt beim 0:4 gegen Ajax Amsterdam seinen beiden Lieblingssystemen treu – doch beide greifen nicht. Hätte er eine andere Lösung wählen müssen?

Marco Rose nimmt Platz. Bevor er auf der Pressekonferenz über das sprechen muss, was gerade eben in der Johan-Cruyff-Arena passiert ist, muss er erst einmal einen Schluck Wasser trinken. Er greift zum Glas, will gerade ansetzen, als ihn eine Service-Kraft davon abhält. Rose hatte zum falschen Glas gegriffen, Ajax-Verteidiger Daley Blind hatte zuvor schon aus diesem getrunken. Rückblickend lässt sich sagen: Es war wohl nicht der einzige Fehlgriff vom BVB-Trainer an diesem Abend – auch bei der systematischen Ausrichtung griff er daneben.

BVB-Trainer Rose macht aus seinem Gemütszustand keinen Hehl

Seine Antwort auf die erste Frage, wie er sich denn nach diesem Spiel fühle, offenbarte recht eindeutig, dass er in der Nachbetrachtung dieses desaströsen Abends aus Sicht von Borussia Dortmund neben der Leistung seiner Mannschaft vielleicht auch mit seiner eigens vorgegebenen Marschroute nicht zufrieden war. „Scheiße“, lautete die kurze und eindeutige Antwort.

Rose hatte im Vorfeld der Partie immer wieder gepredigt, man wisse, „was da auf uns zurollt.“ Eine Mannschaft mit enormer Spielfreude, mit schnellem Kombinationsspiel, die es liebt, attraktiven und zielstrebigen Fußball zu spielen. „Wir haben großen Respekt, aber keine Angst.“ Die 4-4-2 Formation mit Mittelfeldraute wirkte da fast schon wie die taktische Unterfütterung dieser Aussage. Der Plan: Offensiv dagegenhalten, hohes Gegenpressing, den Gegner dauerhaft beschäftigen. Rose ist bekannt dafür, sein System an den eigenen Stärken auszurichten. Und nicht an denen des Gegners.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc: „Pseudomäßige Kontrolle“

Doch der Plan ging nicht auf. Borussia Dortmund bekam einfach keinen Zugriff auf die Rot-Weißen. Nicht einmal in den ersten acht Minuten, die aus Roses Sicht gar nicht so schlecht gewesen sein sollen. „Da hat Ajax aber noch zurückhaltend agiert, da haben wir das Spiel eher pseudomäßig kontrolliert“, analysierte Sportdirektor Michael Zorc die Szenerie mit einem Tag Abstand etwas nüchterner.

Früh korrigierte Rose und stellte von seinem Lieblingssystem, der Mittelfeldraute, auf 4-3-3 – seinem zweitliebsten System – um. Doch auch die Umstellung zündete nicht. Im Gegenteil. Donyell Malen und Marco Reus schafften es nicht ansatzweise, die beiden extrem hoch agierenden Außenverteidiger Daley Blind und Noussair Mazraoui zu binden. Julian Brandt, Axel Witsel und Jude Bellingham versuchten, das Zentrum dichtzuhalten, irrten dabei aber oft im leeren Raum umher.

BVB ermöglicht viele Überzahlsituationen für Ajax

Und wenn einer von ihnen mal die Initiative ergriff und aus der Mitte auf einen der beiden Ajax-Innenverteidiger rausrückte, um ihn unter Druck zu setzen, dann wurden sie meist mit ein, zwei kurzen Pässen auf vorderster Linie überspielt – und mit ihnen die gesamte Offensivreihe, bestehend aus Haaland, Malen und Reus. Die Folge: Sowohl in der Zentrale, als auch auf den Außenbahnen boten sich etliche Überzahlsituationen für Ajax.

Doch trotz der deutlich erkennbaren Probleme rückte Rose von dem Plan eines offenen Schlagabtausches zu keinem Zeitpunkt ab, er verharrte in seinem System, passte es nicht der Spielweise des Gegners an. Dabei hätte ein zweiter Sechser relativ leicht Abhilfe schaffen können – zumindest was die numerische Unterzahl im letzten Drittel anging.

Ob der BVB dadurch das Spiel hätte drehen können, steht auf einem anderen Papier. Vermutlich nicht, dafür haperte es in Amsterdam noch an zu vielen anderen Dingen, wie Einsatzwillen, Leidenschaft, Spielfreude. Aber vielleicht hätte es zumindest Schlimmeres verhindert.

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