Felix Passlack (r.) war für den BVB im Supercup gegen den FC Bayern München ein Unsicherheitsfaktor. © imago images/Moritz Müller
Borussia Dortmund

BVB-Trainer Rose verteidigt Abwehr: „Lasse auf die Jungs nichts kommen“

Im Supercup gegen Bayern München stießen gerade die Außenverteidiger Nico Schulz und Felix Passlack beim BVB erkennbar an Grenzen. Marco Rose hütet sich dennoch vor Kritik – aus gutem Grund.

Dass die Viererkette in den ersten Wochen der Saison nicht der Idealbesetzung entsprechen würde, war bei Borussia Dortmund allen klar. Dafür gab es zu viele Ausfälle auf einmal. In der BVB-Innenverteidigung halfen in der Vorbereitung die U23-Akteure Lennard Maloney und Antonios Papadopoulos, die größte Not zu lindern. Und zuletzt machte dort auch Axel Witsel seine Sache ordentlich.

Südtribüne pusht BVB-Verteidiger mit „Schuuuuuulz“-Rufen

In der Außenverteidigung aber sind die Optionen wesentlich überschaubarer. Hier muss BVB-Coach Marco Rose mit denen arbeiten, die ihm zur Verfügung stehen. Da Raphael Guerreiro wegen muskulärer Probleme noch eine Weile ausfallen wird, dürfte Nico Schulz bis zur Rückkehr des Portugiesen gesetzt sein. Beim 3:0-Erfolg in der ersten Runde des DFB-Pokals beim SV Wehen Wiesbaden spielte der 28-Jährige ebenso solide wie beim 5:2-Sieg gegen Eintracht Frankfurt zum Bundesliga-Auftakt. Hier fand Trainer Rose dessen Leistung gar „sehr stark“.

In Anlehnung an den früheren BVB-Eisenfuß Michael Schulz, ein Manndecker der alten Schule, begleitet die Südtribüne jeden Ballkontakt seines Namensvetters ebenfalls mit „Schuuuuulz“-Rufen. Die sollen Nico Schulz motivieren und Selbstsicherheit geben. Beim 1:3 im Supercup-Finale gegen Bayern München wurde er erkennbar in die Schranken gewiesen.

BVB-Linksverteidiger Schulz hat gegen Gnabry schweren Stand

Gegen Serge Gnabry hatte Schulz einen schweren Stand. Ein ums andere Mal ging es bei Gnabrys dynamischen Vorstößen eine Nummer zu schnell für Schulz. Bei der 1:0-Führung durch Robert Lewandowski waren es überdies BVB-Innenverteidiger Manuel Akanji und Nico Schulz, die dem FCB-Stürmer Raum zum Kopfball ließen. Auch bei offensiven Vorstößen mangelte es beim Linksverteidiger an Ideen, Tempo und Präzision. Seine Flanken kamen nur selten an.

Er stieß ebenso erkennbar an Grenzen wie sein Pendant auf rechts, Felix Passlack. Gegen Frankfurt erzielte der 23-Jährige ein unglückliches Eigentor. Dessen ungeachtet lieferte eine gute Leistung ab. In der ersten Hälfte hatte er die meisten Ballkontakte (54) aller Dortmunder, schob über die rechte Seite immer wieder an, ehe er nach der Pause defensiv stärker gefragt war.

BVB-Rechtsverteidiger Passlack mit Problemen gegen Coman

Gegen Bayern München aber hatte auch er der offensiven Wucht von Kingsley Coman wenig entgegenzusetzen. Bereits nach neun Minuten servierte Passlack den Bayern mit einem Pass in die Füße Comans eine große Chance zur Führung. Auch in der 20. Minute wurde er von Coman glatt überrannt. Immerhin leitete er den 1:2-Anschlusstreffer durch BVB-Kapitän Marco Reus mit ein.

Beim BVB hoffen sie, dass Nico Schulz (links) und Felix Passlack auch auf dem Platz Fahrt aufnehmen. © imago images/Revierfoto © imago images/Revierfoto

BVB-Trainer Marco Rose hütete sich davor, seine beiden Außenverteidiger in den Senkel zu stellen. „Mit dem Thema brauchen wir nicht anzufangen. Ich lasse auf meine Jungs nichts kommen“, betonte er mit Nachdruck. Rose weiß selbst, dass Schulz und Passlack unter normalen Umständen nicht seine erste Wahl wären. Aber so lange Raphael Guerreiro und Thomas Meunier noch nicht wieder einsatzbereit sind, tut er gut daran, sie auch öffentlich zu bestärken.

BVB-Trainer Rose stärkt seinen Außenverteidigern den Rücken

„Felix hat es in der Vorbereitung hervorragend gemacht und sich genau für diese Aufgaben qualifiziert. Natürlich braucht Felix einen gewissen Rhythmus. Er ist kein Spieler, der ständig auf dem Feld steht. Aber wenn man ihn braucht, ist er da“, sagte Rose. Passlack habe gearbeitet, gekämpft und auch gute Momente gehabt. Zudem verweist der BVB-Coach bei der Bewertung seines Rechtsverteidigers auch auf dessen Alter und die überschaubare Anzahl von bislang 24 Bundesliga-Spielen. „Er ist auch noch kein hocherfahrener Spieler, so dass man ihm möglicherweise ein paar Dinge verzeihen muss“, so Rose.

Darüber hinaus führte der BVB-Coach auch eine grundsätzliche Argumentation ins Feld. „Wenn du hoch verteidigst, dann gibt es auch mal Löcher“, sagte Rose. Die Kernaufgabe – und zwar für das gesamte Team – bestehe darin, das zu optimieren. Zudem habe sich seine Elf insgesamt zu viele einfache Fehler erlaubt und damit Torchancen der Bayern begünstigt.

BVB wartet weiter auf Rückkehr von Meunier und Guerreiro

In die gleiche Kerbe schlug auch Sebastian Kehl. „Die Bayern verfügen auf der Außenbahn über sehr große Qualitäten und sehr viel Tempo. Einzig an der Leistung gegen diesen Gegner werden wir nicht die Bewertung unserer Spieler vornehmen. Wir haben Fehler gemacht, können in manchen Szenen auch besser spielen. Aber das ist ein Teil der Entwicklung, da bleiben wir ruhig und können das einschätzen“, betonte der Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung.

Raphael Guerreiros Comeback ist noch nicht absehbar. Auch für den inzwischen genesenen Marius Wolf, der nach seiner Sprunggelenksverletzung gegen die Bayern für ein paar Minuten eingewechselt wurde, dürfte ein Einsatz zu früh kommen. Und da obendrein BVB-Rechtsverteidiger Thomas Meunier nach seiner Corona-Quarantäne noch medizinische Tests absolvieren muss, ehe er endgültig zurückkehrt, dürften sowohl Nico Schulz als auch Felix Passlack am Samstag beim SC Freiburg wieder das Vertrauen ihres Trainers genießen.

Das Gute: Ihre potenziellen Gegenspieler heißen dann Vincenzo Grifo und Woo-Yeong Jeong – und nicht Kingsley Coman oder Serge Gnabry.

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