BVB-Trainer Thomas Tuchel und der Ladendieb

Ärger um Reus-Sperre

Wer an Thomas Tuchels Wutrede nach dem 1:2 in Frankfurt denkt, dem musste es fast befremdlich vorkommen, dass sich Borussia Dortmunds Trainer aus der allgemeinen Aufregung über den irregulären 2:1-Treffer der TSG Hoffenheim und die umstrittene Gelb-Rote Karte gegen Marco Reus nach Spielschluss beinahe komplett heraushielt. Am Montag aber brach es aus Tuchel heraus.

DORTMUND

, 19.12.2016, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Thomas Tuchel sagt zur Sperre von Marco Reus: "Das ist so wie beim Ladendieb, wenn eine Kamera seine Unschuld beweist, er aber trotzdem in den Bau muss."

Thomas Tuchel sagt zur Sperre von Marco Reus: "Das ist so wie beim Ladendieb, wenn eine Kamera seine Unschuld beweist, er aber trotzdem in den Bau muss."

Auf der Pressekonferenz vor dem letzten Spiel des Jahres heute gegen den FC Augsburg (20 Uhr, Signal Iduna Park) ging es in einer Frage eigentlich um die zu erwartende Aggressivität heute Abend. Tuchel versprach, man werde sich „wappnen und auch dagegen Lösungen finden“. Dann nutzte er die Bühne, um sich in der Causa Reus Luft zu verschaffen.

Dortmunds Coach redet sich in Rage

„Tragisch“ sei, dass er dem BVB 50 Minuten in Hoffenheim gefehlt habe, obwohl die zweite Gelbe Karte „nachweislich unberechtigt“ gewesen sei, „geradezu absurd“ aber sei dann, dass Reus nun auch noch gegen die Augsburger fehle. „Da hält sich mein Verständnis in engen Grenzen, um nicht zu sagen, ich habe keins dafür.“ Tuchel verglich den Fall mit einem Ladendieb. „Das ist so, als wenn eine Kamera seine Unschuld beweist, er aber trotzdem in den Bau muss.“  

Tuchel redete sich in Rage, er gestikulierte und ruderte mit den Armen. Selten zuvor hatte man den sonst so nüchtern analysierenden Trainer so emotional gesehen. „Im Umkehrschluss dürfen Spieler, denen man eine Schwalbe nachgewiesen hat, oder die ihren Ellenbogen eingesetzt haben, aber weiterspielen.“ Und: „Wenn man sich dann erlaubt, das zu thematisieren, ist man der, der rumheult oder sich zu sehr auf Nebenschauplätzen tummelt.“

Die einzige wirksame Medizin

Gegen den tief sitzenden Frust beim Dortmunder Coach ist ein Sieg zum Jahres-Kehraus wohl die einzige wirksame Medizin. Der würde dem BVB einen bemerkenswerten Rekord bescheren, denn die Borussia hat im Kalenderjahr 2016 noch keins ihrer Heimspiele verloren. Auch wenn die letzten beiden Unentschieden kurioserweise den Abstand zu den direkten Champions-League-Plätzen sogar verkürzt haben, ist ein Erfolg auch Pflicht, um das Punktedefizit abzuarbeiten. Noch hinkt der BVB den eigenen Ansprüchen hinterher.

Dazu wäre es nicht verkehrt, die eigenen Reihen geschlossen zu halten. In den vergangenen sechs Spielen hat Borussia Dortmund jeweils einem schnellen 0:1-Rückstand hinterherlaufen müssen, die – verletzungsbedingt – häufig umformierte Defensive wirkte wenig sattelfest. „Das ist eine viel zu lange Serie“, meint auch Tuchel, „auch in diesem Punkt aber gibt es nicht den einen Erklärungsansatz.“

Dembele ist einsatzfähig

Immerhin konnte Tuchel auch positive Nachrichten vermelden: Ousmane Dembele ist einsatzfähig, auch Erik Durm und Gonzalo Castro sind zurück und vergrößern die Möglichkeiten. Unterkriegen lassen wollen sie sich trotz aller Widerstände ohnehin nicht in Dortmund: „Wir werden weiter schnell spielen und viel dribbeln“, versprach Tuchel beinahe trotzig. 

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